Myanmar: Eine Flusskreuzfahrt auf dem Irrawaddy

Myanmar: Eine Flusskreuzfahrt auf dem Irrawaddy

Der Irrawaddy ist der längste Fluss Myanmars, die Hauptschlagader des Landes. reisereporter Dirk hat das Leben am Ufer auf einer Kreuzfahrt zwischen den Städten Mandalay und Bagan kennengelernt.

Flusskreuzfahrt auf der Hauptschlagader Myanmars, dem Irrawaddy.
Flusskreuzfahrt auf der Hauptschlagader Myanmars, dem Irrawaddy.

Foto: Dirk Birgel

Mandalay, das klingt nach 1001 Nacht, nach Orient und Exotik. Die Melodie von Peter Dawsons „Road to Mandalay“ im Ohr, geht es vom Flughafen zunächst durch eine staubige Landschaft. Die Stadt mit dem verheißungsvollen Namen dominieren gesichtslose Neubauten, das Straßensystem ist amerikanisch, die allgegenwärtigen Motorräder und Mopeds bestimmen das Bild und die Atmosphäre.

Mandalay ist kein Märchenort, sondern eine 1,5-Millionen-Einwohner-Metropole, die sich entwickelt, wächst und etwas aus sich machen will – mit den üblichen negativen Begleiterscheinungen.

Mandalay: Startpunkt der Flusskreuzfahrt

Jedoch – erst eimal angekommen, nimmt sie einen schnell gefangen. Wir schauen fast ausnahmslos in freundliche Gesichter, viele davon mit gülden schimmerndem Make-up. „Zum Schutz vor der Sonne tragen die Einheimischen eine Paste auf, für die die Rinde des Thanakabaums mit Wasser zerrieben wird“, erklärt unser Guide Hubert. Vor allem Frauen, aber auch Kinder haben Muster auf Wangen und Stirn: Blätter, Punkte, Ornamente.

Wassergraben mit Königspalast in Mandalay.
Wassergraben mit Königspalast in Mandalay. Foto: imago images/imagebroker

Bevor es am nächsten Tag auf das Schiff zur Flusskreuzfahrt auf dem Irrawaddy geht, bleibt Zeit für die Sehenswürdigkeiten von Mandalay. Sofort ins Auge fällt eine zwei mal zwei Kilometer lange, von einem 18 Meter breiten Wassergraben umgebene Ummauerung. Hinter ihr herrschte einst König Mindon.

Dessen 1857 bis 1859 erbauter Palast allerdings fiel dem britischen Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zum Opfer, danach errichtete das Militär sein Hauptquartier auf dem Areal. In den 90er-Jahren wurde eine Replik des letzten königlichen Herrschaftssitzes vor dem Ende der burmesischen Monarchie geschaffen.

Der Weg zu dem wiederaufgebauten Königspalast mit seinen dicken Säulen und vergoldeten Dächern in der Mitte verstört denn auch, führt er doch vorbei an Schlagbäumen und teilweise heruntergekommenen Mietskasernen, vor denen Kinder spielen. Nur noch ein Wachturm zeugt im Original von einstiger Blüte.

Ein Muss für jeden Besucher ist auch der Tempel auf dem Mandalay Hill. An zwei riesigen weißen Wächterfiguren, halb Löwen, halb Drachen, vorbei geht es hinauf auf den 236 Meter hohen Hügel. Kleine Schreine und Tempel säumen den Weg zur „Wunscherfüllungspagode“. Ein spektakulärer Ausblick entschädigt für die Mühen des Aufstiegs, wobei bei den letzten Höhenmetern moderne Technik hilft: zum Buddha geht es barfuß per Rolltreppe oder Lift.

Das größte Buch der Welt in Mandalay, das sind 1.460 kleine, weiße Pagoden, die jeweils eine Steinplatte mit einer Lehre von Buddha beherbergen.
Das größte Buch der Welt in Mandalay, das sind 1.460 kleine, weiße Pagoden, die jeweils eine Steinplatte mit einer Lehre von Buddha beherbergen. Foto: Dirk Birgel

Am Fuße des Mandalay Hill fällt ein Meer aus kleinen, weißen, symmetrisch angeordneten Stupas mit goldenem Schmuck auf. „Das ist das größte Buch der Welt“, sagt Hubert. In jeder der 1460 kleinen Pagoden steht eine Steinplatte, auf der jeweils eine Lehre von Buddha eingemeißelt ist.

In der Mitte des Areals erhebt sich eine große goldene Pagode über die Tripitaka, wie die Sammlung mehrerer buddhistischer Kanons heißt.

Die untergehende Sonne lässt die symmetrischen Reihen der kleinen weißen Tempel strahlen – und es ist Zeit für das Abendessen aus der Myanmar-Küche: Wir entscheiden uns für Mohinga, eine Fischnudelsuppe, die traditionell schon zum Frühstück gegessen wird, und Street Barbecue, also Gegrilltes vom Straßenrand.

Frühstück an der weltlängsten Teakholzbrücke in Mandalay

Der nächste Morgen beginnt mit einem Frühstück an der U-Bein-Brücke, der mit 1,2 Kilometern weltlängsten Teakholzbrücke. Auf über 1.080 gut drei Meter hohen Pfählen spannt sie sich über den Taungthamansee in Amarapura.

Die U-Bein Brücke ist mit 1,2 Kilometern die längste Teakholzbrücke der Welt.
Die U-Bein Brücke ist mit 1,2 Kilometern die längste Teakholzbrücke der Welt. Foto: Dirk Birgel

Bei Niedrigwasser wirken sie wie Fremdkörper in der Landschaft westlich von Mandalay, im Monsun aber stehen sie fast vollständig in dem vom Irrawaddy gespeisten Gewässer, berichtet Guide Hubert. 

Von dort geht es weiter zur Mahamuni-Pagode, wo die berühmteste Buddhastatue des Landes steht. Auch wenn der Weg zu ihr einem quirligen Basar gleicht, ist die 1784 von König Bodawpaya aus Mrauk U entführte, 3,80 Meter hohe Figur DER spirituelle Anziehungspunkt für die Burmesen. Ganztägig kleben Gläubige Goldplättchen an den Körper, der immer dicker wird, erklärt Hubert.

Einen halben Meter an Umfang habe der Buddha wohl schon zugelegt. Frauen und Mädchen dürfen nicht an ihn heran und nur hinter einer Scheibe oder per Video zuschauen. „Das ist keine Diskriminierung, sondern Tradition“, bescheidet Hubert kritische Fragen der europäischen Gäste.

Auf dem Tempelgelände tummeln sich an diesem Tag kostbar und exotisch gekleidete Frauen, Männer und Kinder. „Eine Aufnahmezeremonie für Buddhisten“, erklärt Hubert. Die Kinder werden sieben Tage von ihren Eltern getrennt und in die Obhut eines Klosters gegeben, wo sie die Regeln lernen – und ihre Haare lassen müssen. Wir fahren weiter durch das Viertel der Steinmetze (84. Straße). 

Mit schwerem Gerät, Ohr- und Mundschutz fräsen, meißeln, schleifen und polieren Männer in den wie an einer Perlenschnur aufgereihten Hütten Buddha-Plastiken aus weißem Marmor in allen Größen, die in der Sonne glänzen.

So fühlt sich die Flusskreuzfahrt mit der „The Stranc Cruise“ an

So eingestimmt auf den Spirit der Region besteigen wir zum Lunch das schönste Schiff am Kai von Mandalay, nachdem wir durch zum Trocknen in der Sonne ausgelegte frische Wäsche die Treppen zum Fluss hinuntergestiegen sind. Unser Schiff „The Strand Cruise“ versprüht den Charme von Hercule Poirots „Tod auf dem Nil“ und gediegene koloniale Eleganz.

Zunächst fährt es gen Norden gegen den träge dahingleitenden Strom, vorbei an Feldern und Sandbänken. Vögel zwitschern, und unter dem Knattern einfacher Motorboote erreicht es nach kurzer Fahrt Mingun.

Die Mingun-Pagode wurde nie fertig und ist heute eine beeindruckende Ruine.
Die Mingun-Pagode wurde nie fertig und ist heute eine beeindruckende Ruine. Foto: Dirk Birgel

Aus der Ferne erinnert der rote Hügel an eine Miniaturausgabe des Ayers Rock. Anders als die Natur-Berühmtheit im australischen Outback handelt es sich hier um das Zeugnis des Größenwahns. König Bodawpaya wollte mit der Mingun-Pagode die größte buddhistische Stätte des Landes errichten. 

Doch der Herrscher starb 1819, als gerade mal das unterste Drittel fertig war: 50 Meter. Ein Erdbeben machte die Pagode immerhin zu einem der größten Ziegelhaufen der Welt und zur Touristenattraktion. Der Aufstieg ist aus Sicherheitsgründen untersagt.

Intakt und einen Besuch wert indes ist die schneeweiße Hsinbyume-Pagode, die auch einen Blick über die faszinierende Landschaft bietet. Wieder an Bord gleitet „The Strand“ auf dem Irrawaddy noch einmal vorbei an Mandalay. 

Eine Augenweide ist die weiße Hsinbyume-Pagode gleich neben der Ruine der Mingun-Pagode.
Eine Augenweide ist die weiße Hsinbyume-Pagode gleich neben der Ruine der Mingun-Pagode. Foto: Dirk Birgel

Mit dem Sundowner in der Hand nach Sagaing

Mit einem Sundowner in der Hand erreichen wir mit dem Schiff mit zwei Passagier- und Sonnendecks im vergehenden Tageslicht Sagaing, eine Stadt mit 40.000 Einwohnern und mehr als 900 Pagoden. Während die Passagiere sich frisch machen und die Hitze des Tages geht, macht das Schiff an einer der vielen Sandbänke im Fluss fest, der schlanke Mond lässt die goldenen Pagoden glitzern.

Sonnenuntergang am Pool – so lässt es sich aushalten.
Sonnenuntergang am Pool – so lässt es sich aushalten. Foto: Dirk Birgel

Beim ersten Sonnenstrahl am nächsten Morgen hat die „Strand“ längst abgelegt. Nach einem üppigen Frühstück – Asia-Style und klassisch – erreichen wir die ehemalige Königsstadt Innwa. Sie hieß unter britischer Herrschaft Ava und fristet ein Schattendasein im ländlichen Idyll.

Landgang, am Ufer warten Gefährte aus alter Zeit. Mit den birmanischen Einspännern geht es auf staubigen Wegen vorbei an Bananenplantagen, Reisfeldern und Arealen voller Sonnenblumen.

Typisch Innwa: Die einspännigen Pferdekutschen – nicht nur für Touristen.
Typisch Innwa: Die einspännigen Pferdekutschen – nicht nur für Touristen. Foto: Dirk Birgel

Fuhrwerke, von weißen Kühen gezogen, Fahrräder und Mopeds passieren die Kolonne der Besucher, von den Kindern in den aufgeräumten Orten mit typisch birmanischen Pfahlhütten aus Bambusholz neugierig beäugt und lachend begrüßt. Dazwischen: Pagoden, groß und klein, gülden, blendend weiß oder aus rötlichem Mauerwerk.

Ein vielstimmiger Chor aus Kinderstimmen ertönt aus einem bewohnten Kloster, aus Teakholz erbaut. An einer Tafel steht ein Mönch und weist den Mädchen und Jungen den Text zum Nachsprechen. Es ist eine Art Kindergarten auf Birmanisch, sagt unsere Führerin.

Flusskreuzfahrt in der Trockenzeit: Entschleunigung pur

Im Schlepptau haben wir unsichtbare Geister der „Strand“-Crew, die Erfrischungstücher zur Säuberung der Füße – bei Buddha sind Schuhe und Strümpfe verboten – und gekühltes Wasser reichen für staubige Kehlen bei über 35 Grad drückender Wärme.

Zurück an Bord geht es weiter gen Süden vorbei an Sandbänken, auf denen Kinder spielen und Fischer ihre Netze flicken, Bambushütten-Dörfern mit Mini-Pagoden, zuweilen flankiert von knatternden Booten und vereinzelt entgegenkommenden Frachtschiffen.

Landschaftlich ändert sich nun wenig. Wir umschiffen Untiefen, die nach langer Trockenzeit nur langsames Tempo zulassen, passieren einige Dörfer und Felder. Zeit, die Vorzüge des Schiffes zu genießen und eine Auszeit am Pool nach dem erstklassigen Lunch zu nehmen, erfrischt auch von einem leichten Fahrtwind.

Schattenplätze auf dem Sonnendeck laden zum Lesen oder Träumen ein, aufmerksame Stewards sorgen für kleine Erfrischungen, und nach dem Dinner noch ein Moondowner auf dem Oberdeck.

Auch in Tempelanlagen wie dieser wird jeder Tempel einzeln gezählt. So kommt die imposante Zahl von über 1.000 zustande.
Auch in Tempelanlagen wie dieser wird jeder Tempel einzeln gezählt. So kommt die imposante Zahl von über 1.000 zustande. Foto: Dirk Birgel

Am frühen Morgen weckt maritime Geschäftigkeit die Passagiere. Wir sind in Bagan, einem mystischen Ort, an dem noch jeder dem Zauber Myanmars erlegen ist. Die Auswahl der Stätten, die besichtigt werden müssen, fällt schwer.

Jede Pagoden und jeder Schreine um den belebten Ort herum, insgesamt mehr als 1.000, wäre einer näheren Betrachtung wert, aber die Zeit zwingt zur Auswahl. Wir bestaunen Stuck-Ornamente mit floralen und Tiermotiven und kunstvoll gestaltete Steingitterfenster, die Licht in einen Wandelgang bringen, zehn Meter hohe und mit Blattgold versehene Buddha-Statuen, von einer Taschenlampe angestrahlte Wandmalereien, unvollendete Tempelbauten und Schreinansammlungen auf weiter Flur.

Vom Wasser in die Luft: Ballonfahrt zum Abschluss

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker noch vor dem Morgengrauen, ein starker Kaffee hilft bei der Vorbereitung auf ein besonderes Abenteuer: Balloons over Bagan. Auf einem Feld jenseits des Ortes liegen grüne Heißluftballons mit einem asiatischen Löwen und die Körbe.

Donna, unsere Pilotin, offeriert eine Stärkung, bevor es in die Luft geht: Croissant, Pain au chocolat, Kaffee, Tee. Mit der aufgehenden Sonne bläht sich der Stoff – zu einem atemberaubenden Flug über die einzigartige, faszinierende Landschaft aus Tempeln, Pagoden und Schreinen, die aus dem Morgendunst ragen.

Eine Fahrt im Ballon über das morgendliche Bagan ist im wahrsten Sinne der Höhepunkt der Reise.
Eine Fahrt im Ballon über das morgendliche Bagan ist im wahrsten Sinne der Höhepunkt der Reise. Foto: Dirk Birgel

Nach der soften Landung eine knappe Stunde später gibt es Champagner, während die Crew in Windeseile den Ballon fachmännisch für den Transport verpackt. Zurück an Bord von „The Strand“ heißt es nach einem köstlichen Frühstück vom Thai-Küchenchef dann ade – schweren Herzens.

Crew und Kapitän stehen Spalier, als wir von Bord gehen – dabei würden wir lieber noch weiter bis Rangun schippern.

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