Reisen für Muslime: Das steckt hinter dem Trend „Halal-Tourismus“

Reisen für Muslime: Das steckt hinter „Halal-Tourismus“

Kein Schweinefleisch im Hotelrestaurant, Koran und Gebetsteppich auf den Zimmern: Immer mehr Hotels weltweit stellen sich auf ihre muslimischen Gäste ein. Denn immer mehr von ihnen wollen halal reisen.

Annika Jensen
Eine Muslima beim Shoppen. Immer mehr Moslems legen Wert auf islamgerechtes Reisen.
Eine Muslima beim Shoppen. Immer mehr Moslems legen Wert auf islamgerechtes Reisen.

Foto: imago images/Itar-Tass

Eine steigende Zahl an Hotels in der Welt stellt sich auf praktizierende Muslime als Gäste ein. Denn deren Anteil an Reisenden wächst. Bis zum nächsten Jahr wird sich ihre Zahl im Vergleich zum Jahr 2000 auf jährlich 158 Millionen versechsfachen.

Das ergab eine Studie, die die Internationale Tourismus-Börse (ITB) Berlin in Auftrag gegeben hatte, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Demnach sei ab dem kommenden Jahr der weltweite Touristikmarkt über zehn Prozent von muslimischen Reisenden geprägt.

Halal reisen: Koran und Gebetsteppich auf den Zimmern

Den praktizierenden Muslimen geht es darum, islamgerecht zu reisen. Für die Hotels bedeutet das eine Umgestaltung ihrer Standardausrüstungen: Koran und Gebetsteppich auf dem Zimmer, für Männer und Frauen getrennte Pool- und Wellness-Bereiche, kein Alkoholausschank, kein Schweinefleisch im Restaurant, Gebetsräume und Einrichtungen für die Fußwäsche. All das sind Bestandteile des sogenannten „Halal-Reisens“, wie es Experten nennen.

Dabei dürfte der Begriff halal den Umfang der islamgerechten Angebote gar nicht vollständig erfassen. Ins Deutsche übersetzt, bedeutet er zwar so viel wie „ordnungsgemäß“. Allerdings wird damit im Koran lediglich die Zubereitung von Speisen beschrieben.

So setzen Reiseagenturen „Halal-Tourismus“ um

Längst haben Reiseagenturen das Potenzial der muslimischen Urlauber erkannt. Marktführer ist, nach eigener Aussage, das Portal „Halalbooking.com“. Es gründete sich bereits 2009 und „bietet Halal-Erholungsreisen und Touren des islamischen Kulturerbes an“, heißt es auf der Internetseite. Das Motto lautet „Urlaub mit islamischem Ethos“.

In einem Youtube-Video zeigt eine Mitarbeiterin von „Halalbooking.com“, wie Hotels nach islamischen Standards aussehen können.

274 Milliarden US-Dollar Umsatz durch muslimische Urlauber

Die Umstellung für die Hotels und die Reiseagenturen lohnt sich: 274 Milliarden US-Dollar, so sagt es eine Studie von „Thomas Reisen“ und „Dinar-Standard“ voraus, könnte das islamisch geprägte Reisen in vier Jahren weltweit an Umsatz einbringen. Schon im Jahr 2017 waren es 177 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die deutschen Urlauber gaben für ihre Reisen zuletzt 112 Milliarden US-Dollar aus.

Nicht nur der Anteil der muslimischen Reisenden am weltweitern Touristikmarkt ändert sich. Auch die Herkunft der Urlauber ist zunehmend eine andere. Während Reiseveranstalter in den vergangenen Jahren vor allem zahlungskräftige Kundschaft aus den Ölstaaten bedienten, melden sich immer mehr Menschen aus Ländern Südostasiens.

Vor allem in Indonesien und Malaysia bildet sich eine liquide Mittelschicht, die reisen möchte. Hier leben schätzungsweise 60 Prozent aller Muslime. Im arabischen Raum sind es lediglich 20 Prozent.

Andere Urlauber andere Gewohnheiten

Die Hotels und Reiseveranstalter müssen sich aber auch fernab des islamgerechten Reisens umstellen. Denn die muslimischen Urlauber haben andere Urlaubsgewohnheiten.

Marktforscher des Unternehmens World Tourism Marketing Consultants fanden heraus, dass es mehr als ein Drittel der muslimischen Reisenden in die Städte zieht – bei Westeuropäern seien es rund 22 Prozent. Und während Letztere zu 46 Prozent den Strand als Erholungsort bevorzugen, tun das nur etwa 23 Prozent der Muslime.

Und auch in den Metropolen selbst haben beide Gruppen unterschiedliche Vorlieben. Während europäische Nicht-Muslime dort gern Sightseeing, gutes Essen und Museumsbesuche auf ihre To-do-Listen setzen, interessieren sich Muslime mehrheitlich für Natur und Shopping.

Junge Reisende haben eben andere Vorlieben

Den Grund für diese Vorlieben erkennen Tourismus-Experten in dem niedrigen Reisealter der Muslime. Die hohen Geburtenraten besonders in Asien führen dazu, dass das Durchschnittsalter innerhalb der muslimischen Bevölkerungsgruppen, und eben auch unter den Reisenden, bei 24 Jahren liegt.

Eines bleibt allen spezialisierten Plattformen verschlossen: Die Organisierung für Pilgerreisen, etwa zum islamischen Heiligtum Kaaba in Mekka oder nach Medina (beide in Saudi-Arabien) oder nach Jerusalem.

„Diese Wallfahrten haben nichts mit Tourismus zu tun“, stellt Ayse Aydin, Sprecherin der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), klar.

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