Unglück auf Madeira: Wie sicher sind eigentlich Reisebusse?

Unglück auf Madeira: Wie sicher sind Reisebusse?

Nachrichten wie diese sind erschütternd: Auf Madeira kam ein Reisebus von der Straße ab und überschlug sich mehrfach. 29 Menschen kamen ums Leben. Aber muss man wirklich Angst vor Busreisen haben?

Bei dem Busunglück auf Madeira kamen 29 Menschen ums Leben.
Bei einem Busunglück auf Madeira kamen am Mittwochabend mindestens 29 Menschen ums Leben – offenbar kommen alle Opfer aus Deutschland.

Foto: imago images/GlobalImagens/Rui Silva

Die beruhigende Nachricht zuerst: Busse sind – nach Zügen – das sicherste Verkehrsmittel in Deutschland. Es verunglücken rund zwölfmal mehr Menschen bei Auto- als bei Busunfällen.

Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes beziehen sich auf das Jahr 2017. Damals gab es insgesamt 8.873 Busunfälle in Deutschland. Dabei wurden 1.113 Menschen schwer und 8.479 leicht verletzt. 65 Insassen starben bei den Unfällen.

Aber: Von den geschädigten Personen saßen nur 3,7 Prozent in Reisebussen, häufiger sind Personenschäden bei Unfällen mit Linien- und Schulbussen.

Die meisten Unfälle (5.224) ereigneten sich innerhalb von Ortschaften, 148 auf Autobahnen und 554 auf anderen Straßen außerhalb von Ortschaften.

Eine schlechte Nachricht gibt es jedoch: Seit 1995 ist die Zahl der verunglückten Insassen von Bussen von 4.624 auf 6.142 angestiegen – ein Anstieg von 1.518 Verletzten und Verstorbenen.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Busfahrten? 

Generell gelten das Fehlverhalten von Busfahrern, technisch mangelhafte Busse oder besonders gefährliche Strecken als Hauptursachen für Busunfälle.

Bezüglich der Sicherheit der Busse selbst kann der TÜV Entwarnung geben: Bei 72,5 Prozent aller Hauptuntersuchungen von Bussen wurden 2018 keine Mängel festgestellt. Das sind 5,6 Prozent mehr als 2015. Die häufigsten Mängel sind dem „Bus-Report 2018“ zufolge eine nicht ausreichende Beleuchtung oder Ölverluste am Motor.

Sind übermüdetete Busfahrer ein Sicherheitsproblem?

Lange Lenkzeiten, zu kurze Pausen und schlechte Bezahlung – bei diesem Image liegt die Vermutung nahe, dass einige Busfahrer schlicht übermüdet sind und ihnen deshalb Fehler unterlaufen. Statistiken widerlegen diese Theorie allerdings.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge wurde in nur 33 von 2.986 Fällen die mangelnde Verkehrstüchtigkeit der Fahrer als Unfallursache ermittelt. Davon waren sieben Fahrer übermüdet. Keiner von ihnen fuhr einen Reisebus. Bei nur 0,1 Prozent der Busfahrer konnte die Polizei Alkoholeinfluss feststellen. 

Insgesamt geht die Polizei allerdings davon aus, dass rund 53 Prozent der im Jahr 2017 an Unfällen beteiligten Reisebusfahrer die Hauptschuld an diesem trugen.

Die häufigsten Unfallursachen sind mangelnder Abstand, falsche Straßennutzung und Vorfahrtverstöße. Auch Kollisionen mit Lkw sollen laut dem Auto Club Europa ein erhöhtes Gefahrenpotenzial aufweisen.

Beim Reisen im Bus unbedingt anschnallen!

Und auch die Buspassagiere selbst können ihre Sicherheit beeinflussen: indem sie während der Fahrt angeschnallt sind. Wer den Gurt vorschriftsmäßig angelegt hat, minimiert das Risiko, bei einem Unfall durch den Bus oder sogar aus den Fenstern geschleudert und dabei verletzt oder getötet zu werden.

Die genauen Umstände des fatalen Busunfalls auf Madeira werden derzeit noch untersucht. Der Fahrer des verunglückten Busses war im Ort in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen. Die portugiesische Urlaubsinsel ist sehr gebirgig, teilweise winden sich schmale Straßen in Serpentinen die steilen Hänge empor. 

Schwierige Strecken sowie widrige Wetterbedingungen können ebenfalls ein Unfallrisiko darstellen. In Kuba sind beispielsweise Anfang dieses Jahres sieben Menschen bei einem Busunfall ums Leben gekommen, darunter eine Deutsche. Der Fahrer hatte auf der extrem nassen Fahrbahn in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

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