Verstoß gegen Umweltauflage: Droht Carnival Cruises ein Anlege-Verbot?

Droht Carnival-Schiffen ein Anlege-Verbot in den USA?

Plastik und Abfälle ins Meer entsorgt, Kontrollen manipuliert: Das Kreuzfahrtunternehmen Carnival Cruises soll schwere Umweltvergehen begangen haben und könnte dafür sogar aus den USA verbannt werden.

Annika Jensen
Die „Carnival Sunshine“ im Hafen von New York. Carnival Cruises wird vorgeworfen, trotz Bewährungsauflagen weiter gegen Umweltrichtlinien zu verstoßen.
Die „Carnival Sunshine“ im Hafen von New York. Carnival Cruises wird vorgeworfen, trotz Bewährungsauflagen weiter gegen Umweltrichtlinien zu verstoßen.

Foto: imago images/Levine-Roberts

Kreuzfahrtschiffe von Carnival Cruises sollen Hunderttausende Liter Müll in die Ozeane gepumpt haben. Unter anderem deshalb droht den Schiffen des Unternehmens nun ein Anlaufverbot in amerikanische Häfen – so überlegt es derzeit zumindest eine US-Bundesrichterin Patricia Seitz am Bundesgericht in Miami.

Die Verbannung könnte Tausende Passagiere treffen, die ab Miami, New York, Los Angeles und anderen Häfen fahren wollen.

Millionenstrafe und Bewährungsauflagen schon im Jahr 2016

In einem Verfahren im Jahr 2016 war eine 40-Millionen-Dollar-Strafe gegen das Unternehmen verhängt worden, weil das Carnival-Tochterunternehmen Princess Cruises diverse Umweltvergehen auf dem Kerbholz hatte und vertuschen wollte.

Eine Bewährungsauflage schrieb vor, dass die Flotte aller Tochterunternehmen fünf Jahre lang kontrolliert wird, wie der „Miami Herald“ berichtet. Ein Carnival-Sprecher versicherte damals, man werde den Vorwürfen nachgehen und sicherstellen, dass Umweltschutz die höchste Priorität habe.

Aktuelle Vorwürfe: Carnival Cruises hat sich nicht gebessert

Nun wird dem Konzern vorgeworfen, ebendas nicht zu verfolgen. Ein neuer mehr als 200 Seiten langer Bericht zeige etwa 800 Vorfälle auf den Schiffen der neun Carnival-Marken zwischen April 2017 und April 2018 zeigen, so der „Miami Herald“.

Die Verstöße sollen nicht vorsätzlich geschehen seien, aber möglicherweise gegen die Bewährungsauflagen verstoßen. Ein Auszug:

  • Abwasser und Treibstof sollen illegal abgelassen sowie Öl in Schutzgebieten verbrannt worden sein. Grauwasser – das zum Beispiel beim Duschen entsteht – und Plastikabfälle sollen im Glacier Bay National Park entsorgt worden sein. 
  • In mehr als 100 Fällen sollen Gegenstände wie Kissen oder Stühle über Bord geworfen worden sein – hauptsächlich von Passagieren. 
  • Zudem sollen spezielle Einsatzteams eingesetzt worden sein, welche die Schiffe systematisch auf Kontrollen vorbereiteten. Und zwar so, dass die Prüfer keine Beanstandungen finden konnten.

Das zuständige Gericht in Miami muss nun entscheiden, ob tatsächlich Verstöße gegen die Bewährungsauflagen vorliegen. Gegebenfalls werden dann Strafen, wie etwa das Anlauf-Verbot für amerikanische Häfen, verhängt.

Carnival Corp.: „Umweltverantwortung ist von höchster Priorität“

In einer Stellungnahme betonte Carnival erneut, wie wichtig dem Unternehmen der Umweltschutz sei: „Wir haben die Bedenken von Richterin Seitz gehört und werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass wir alle Erwartungen erfüllen, und sind weiterhin bestrebt, in Bezug auf die Erfüllung der Umweltvorschriften führend zu sein. Unsere Umweltverantwortung war und ist für das Unternehmen von höchster Priorität.“

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite