Behörde warnt: Vergleichsportale nicht immer verlässlich

Behörde warnt: Vergleichsportale nicht immer verlässlich

Vorsicht bei der Nutzung von Vergleichsportalen: Zu dem Schluss kommt das Bundeskartellamt nach einer Untersuchung der Angebote. Sie seien oft intransparent, irreführend und beeinflussen die Preisrankings.

Annika Jensen
Das Bundeskartellamt rät Verbrauchern, bei Vergleichsportalen skeptisch zu sein.
Das Bundeskartellamt rät Verbrauchern, bei Vergleichsportalen skeptisch zu sein.

Foto: imago images/blickwinkel

Das Bundeskartellamt warnt Verbraucher vor der Intransparenz von Vergleichsportalen. In einer sogenannten Sektorenuntersuchung, die auch Flugvergleichsportale einschließt, stellte das Amt fest: Die Nutzer werden vielfach in die Irre geführt. So seien häufig nicht die günstigsten Angebote besonders hervorgehoben.

Der Abschlussbericht wirft den Vergleichsportalen vor, nicht neutral zu urteilen. Das resultiere aus den verschiedenen Geschäftspraktiken der Portale, die im Großen und Ganzen verbraucherrechtlich unbefriedigend seien.

Vergleichsportale: Wenige Anbieter bestimmen den Markt

Die Situation bei den Flugpreisvergleichen bewertet das Kartellamt anders als bei anderen Vergleichsportalen. Grund ist, dass die Anbieter stark konzentriert seien. Es gebe schlicht viel weniger Anbieter bei Flugpreisen als etwa bei Hotels. Hinzu kommt, dass einige Fluggesellschaften sich am Vergleichsmarkt gar nicht beteiligen. So würden Billigfluggesellschaften Vergleichsportale ablehnen.

Die Vergleichsportale wehren sich gegen die Vorwürfe. So beklagen sie in der Befragung durch das Kartellamt, dass Fluggesellschaften zunehmend selbst den Onlinevertrieb übernehmen. Außerdem kritisieren sie, dass die Gesellschaften durch verschiedene Beschränkungen die freie Preisgestaltung behindern.

Zusatzgebühren bei vielen Leistungen

Die meisten Airlines stellen zudem Provision für Vermittlungen ein. Aus diesem Grund seien die Vergleichsportale dazu gezwungen, ihre Einnahmen überwiegend aus Zusatzgebühren zu generieren. Verbraucher müssten dann bei schlichtem Service, bestimmten Zahlungsarten sowie der Buchung bestimmter Zusatzleistungen – wie Reiserücktrittsversicherungen, Hotels und Mietwagen – extra zahlen.

Das Bundeskartellamt wirft den Vergleichsportalen indes vor, Rankings zu beeinflussen. Die Nutzer sollten sich deshalb nicht auf Hinweise auf angeblich geringe Verfügbarkeiten verlassen. Und auch vermeintlich exklusive Angebote seien oft nicht wirklich exklusiv.

Endpreis viel höher als beworbener Preis

Die fehlende Transparenz erkennt das Bundeskartellamt in der Tatsache, dass die Portale nicht auf Einschränkungen in den Angeboten von Provision zahlenden Partnern hinweisen. Außerdem könnten die Verbraucher vom Endpreis negativ überrascht werden. Nämlich dann, wenn er wegen der vielen Zusatzgebühren viel höher ist als der im Erstranking angegebene Preis.

Zudem wird kritisiert, dass viele Portale gegen Entgelt Angebote besonders hervorheben, indem sie sie auf einer sogenannten „Position null“ vor die eigentliche Rankingliste setzen. Das komme verdeckter Werbung gleich.

Viele Vergleichsportale, ein Unternehmen

Und noch etwas fällt für das Bundeskartellamt unter die Rubrik mangelnde Transparenz: Viele Flugvergleichsportale greifen auf dieselben Daten zurück und gehören sogar zu denselben Unternehmen. Die Verbraucher dächten aber, dass sämtliche verschiedenen Portale unabhängig voneinander seien, so der Untersuchungsbericht des Kartellamtes.

So verantwortet das Unternehmen Invia die Seiten Airline direct, Billigfluege.de und Fluege.de. Und auch die Anbieter Flug24.de, der zu Travel24.com gehört, bedient sich bei den Daten von Invia. Die derzeit wichtigsten Anbieter sind Kayak, Swoodoo und Momondo (Booking-Gruppe), Skyscanner (Ctrip-Gruppe) und Idealo (Axel-Springer-Gruppe).

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite