Mädchen (17) auf MSC-Kreuzfahrt vergewaltigt: Verdächtiger frei

Mädchen (17) auf Kreuzfahrt vergewaltigt: Verdächtiger frei

Für eine 17-Jährige wurde die MSC-Kreuzfahrt zum Horror-Trip: Sie wurde vergewaltigt. Doch der Verdächtige ist auf freiem Fuß: Das Gericht hält sich nicht für zuständig, da der Vorfall auf dem Meer stattfand.

Das Kreuzfahrtschiff „MSC Divina“ liegt im Hafen.
Der mutmaßliche Vergewaltiger wurde zunächst von der spanischen Polizei an Bord der „MSC Divina“ festgenommen. (Symbolfoto)

Foto: imago/Augst/Eibner-Pressefoto

Es sind erdrückende Zahlen: Einer US-Studie zufolge sind sexuelle Übergriffe das am häufigsten gemeldete Verbrechen auf Kreuzfahrtschiffen. Allein im vergangenen Jahr erreichten die Behörden 82 Berichte.

Ein aktueller Fall zeigt, dass auch bei Kreuzfahrten in Europa sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung vorkommen – und wie schwierig die Rechtslage bei Verbrechen auf hoher See ist.

Britin beschuldigt Mann der Vergewaltigung auf einem Kreuzfahrtschiff

Ein 18-Jähriger wird beschuldigt, eine 17-jährige Britin an Bord der „MSC Divina“ vergewaltigt zu haben. Das Schiff war zum Zeitpunkt der Tat von Palma de Mallorca nach Valencia unterwegs. 

Dort angekommen sagte das Mädchen gegenüber der Polizei aus. Der junge Mann habe sie am vergangenen Donnerstag gegen 5 Uhr morgens in seine Kabine gezwungen und sie dort vergewaltigt. Er wurde noch am selben Tag von der Polizei in Valencia verhaftet – doch ein örtliches Gericht ließ ihn frei.

Das Problem: Sie ist Britin, er wohnt in Italien und die Tat fand auf einem Schiff unter der Flagge von Panama auf „internationalem Gewässer“ statt. 

Welches Gericht ist zuständig für Verbrechen auf Kreuzfahrtschiffen?

Entsprechend gab das Gericht an, nicht für den Fall zuständig zu sein. Dem britischen „Telegraph“ zufolge können Verbrechen, die in anderen Ländern passiert sind, seit 2009 nur in spanischen Gerichten angehört werden, wenn spanische Opfer oder Verdächtige beteiligt waren.

Demnach hätte der mutmaßliche Täter nur vor dem spanischen Gericht landen können, wenn er dort wohnen würde. Um dies zu prüfen, war er zunächst von der Polizei abgeführt worden. Das spanische Gericht ruft nun die Behörden in England, Italien und Panama auf, sich des Falls anzunehmen.

Doch auch in Großbritannien könnte es mit der Zuständigkeit schwierig aussehen: Dort gibt es die Gerichtsgewalt über Fälle in anderen Ländern in der Regel nur, wenn Briten im Ausland ein Verbrechen begangen haben, nicht aber, wenn sie Opfer eines Verbrechens geworden sind.

Heißt das, dass Verbrecher auf Kreuzfahrten keine Strafe fürchten müssen? Zum Glück nicht. So wanderte erst vergangene Woche ein Mann aus Oregon ins Gefängnis, weil er eine Minderjährige an Bord der „Norwegian Epic“ angefasst hatte.

Aber: Die Frage der Gerichtsbarkeit kann bei Fällen auf Kreuzfahrtschiffen komplexer werden als an Land.

Mutmaßliches Vergewaltigungsopfer mit Eltern auf Europa-Kreuzfahrt

In dem aktuellen Fall reiste das Mädchen mit ihren Eltern am Donnerstagabend auf dem Schiff weiter Richtung Marseille. Zuvor war sie in einem Krankenhaus in Valencia medizinisch untersucht worden. Von der Kabine des Mannes sowie von der Kleidung des Mädchens hatten die Beamten DNA-Proben genommen.

Die „MSC Divina“ legte heute Morgen in Palermo auf Sizilien an. Es ist der 16. Stopp einer 27-tägigen Kreuzfahrt durch Europa.

Ein Sprecher der Reederei sagte, man könne aufgrund der andauernden Ermittlungen keine Kommentare abgeben. Die Reederei arbeite mit den betreffenden Behörden zusammen, sei aber kein Subjekt der Ermittlungen.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite