Anleitung zum Abhauen: 8 Tipps für die lange Reise

Anleitung zum Abhauen: 8 Tipps für die lange Reise

Den Job kündigen, der Sicherheit den Rücken kehren und monatelang ins Ausland verschwinden? reisereporterin Kristin hat es gewagt und ist in Australien. Hier verrät sie ihre ultimative Anleitung zum Abhauen.

Kristin Matzies
reisereporterin Kristin ist abgehauen – nach Australien.
reisereporterin Kristin ist abgehauen – nach Australien.

Foto: privat

Ich habe viele Freunde und Bekannte, die immer wieder mit dem Gedanken spielen loszuziehen und sich schließlich doch wieder am Montagmorgen mit einem großen Becher Kaffee in der altbekannten Komfortzone im Büro wiederfinden.

Auch mir hat lange Zeit der Mut gefehlt, allein reisen zu gehen und meinen sicheren Job zu kündigen. Obwohl ich die Reise immer und immer wieder im Kopf durchgespielt habe, fielen mir zahlreiche Ausreden ein, weshalb genau jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei.

Doch nach und nach fing ich an, mich ernsthafter mit dem Thema zu beschäftigen, habe Blogs gelesen und mit Freundinnen gesprochen, die schon allein unterwegs waren. Und dann wagte ich es – und jetzt bin ich in Australien.

Bei der Planung eines solchen Abenteuers gibt es allerdings so einiges zu beachten. Was genau das ist, verrate ich dir:

1. Ohne Geld geht gar nichts

In Vorbereitung auf deine Reise solltest du rechtzeitig Geld zur Seite legen. Ich habe fürs Backpacking etwa 1.000 Euro pro Monat eingeplant. Die Grenze nach oben ist ja bekanntlich offen. Dennoch kommt es ganz auf das Land oder die Länder deiner Wahl an. Asien ist im Durchschnitt zum Beispiel deutlich günstiger als Australien oder Neuseeland. Etwas sparen kannst du auch durch Volunteering über Plattformen wie Workaway, Help X oder Woofing.

2. Wohin soll es gehen?

Mir macht die Suche nach meinem nächsten Reiseziel immer am meisten Spaß, obwohl es mir jedes Mal sehr schwerfällt, mich zu entscheiden. Als Tipp kann ich nur sagen: Schau, welches Land dir gefallen könnte, und wirf zur Orientierung einen Blick auf die Flugpreise und die Reisezeit. Gerade in den Tropen kann es aufgrund der Regenzeit und des Monsuns sinnvoll sein, aufs Wetter zu achten.

Ich erkundige mich auch gern auf den Seiten des Auswärtigen Amts. Hier findest du alle wichtigen Infos zum Reiseland auf einen Blick – mit Infos zur Sicherheitslage, Einreisebestimmungen und medizinischen Hinweisen. Lass dich nicht abschrecken, wenn du die Sicherheits- und Gesundheitsrisiken liest. Wäge ab, was für dich persönlich ein so großes Risiko darstellen würde, dass du dich gegen ein Land entscheiden würdest – du musst dich vor niemandem rechtfertigen.

3. Einreisebestimmungen und Flugbuchung

Bevor es losgeht, erkundige ich mich immer über die Einreisebestimmungen. Die wichtigsten Fragen sind für mich dabei: Brauche ich einen Personalausweis oder einen Reisepass? Brauche ich ein Visum oder nicht? Welche Impfungen sind nötig?

Bei einigen Ländern musst du dein Visum vor der Einreise beantragen – zum Beispiel für die USA oder Australien. Für andere Länder, zum Beispiel Singapur, erhältst du in der Regel direkt bei Einreise eine Aufenthaltsgenehmigung für bis zu 90 Tage. Bei einigen Reisen musst du auch einen Rückflug in dein Heimatland nachweisen.

Der Rückflug kann auch in ein anderes Land als deine Heimat zurückführen, Hauptsache, es gibt einen Rückflug. Ich habe mich für ein Open Return Ticket entschieden, das ich für 50 Euro umbuchen kann, solange die gleiche Buchungsklasse frei ist. Ich buche meinen Flug immer erst, wenn ich mein Visum habe.

4. Wohnung kündigen oder Zwischenmieter suchen?

Ich selbst habe meine Wohnung gekündigt, einen Nachmieter gesucht und alle meine Möbel verkauft. Auf diese Weise konnte ich auch vor der dreimonatigen Kündigungsfrist ausziehen, musste keine Möbel einlagern und habe nun etwas Extrabudget.

Natürlich ist das kein Muss. Solltest du deine Wohnung oder dein WG-Zimmer behalten wollen, ist es sinnvoll, rechtzeitig über alternative Lösungen wie einen Zwischenmieter nachzudenken und mit deinem Vermieter darüber zu sprechen.

5. Jetzt wird es ernst – Kündigung des Jobs

Das war für mich der größte Schritt. Die Kündigung meines unbefristeten Jobs, ohne bereits etwas Neues in Aussicht zu haben, war tatsächlich ein komisches Gefühl, und ich habe eine Weile gebraucht, um mich zu überwinden. Wie erkläre ich es meiner Chefin? Wie reagieren die Kollegen? Ist es die richtige Entscheidung?

Schlussendlich entschied ich mich dazu, ehrlich zu sein und mein Reisevorhaben zu erklären. Als klar war, dass ich aus persönlichen Gründen gehe und mir selbst einen Traum erfülle, habe ich rundum positives Feedback und Unterstützung bekommen.

Ein Großteil meines Umfelds hat meinen Mut bewundert, und ich habe nicht einen einzigen doofen Spruch kassiert. Vielleicht hatte ich einfach Glück. Aber egal, wie andere auf deine Entscheidung reagieren, es geht um dich und deine Wünsche. Ich verspreche dir, wenn du erst einmal unterwegs bist, blickst du sicher nicht sehnsüchtig auf den Montagmorgen zurück.

6. Abstimmung mit der Agentur für Arbeit

Wichtig ist, dass du dich rechtzeitig mit der Agentur für Arbeit in Verbindung setzt. Nach deiner offiziellen Kündigung musst du dich spätestens innerhalb von drei Werktagen telefonisch, online oder persönlich arbeitssuchend melden und danach spätestens am ersten Tag deiner Arbeitslosigkeit persönlich arbeitslos. Das sind also zwei verschiedene Paar Schuhe.

Wenn du aufgrund deines Reisevorhabens selbst gekündigt hast, erhältst du für gewöhnlich eine dreimonatige Sperrfrist. Beantragst du Arbeitslosengeld I vor deiner Reise und bist vor deinem Flug mindestens einen Tag in Deutschland arbeitslos gemeldet, läuft die Sperrfrist während deiner Reise ab. Du musst dich für die Zeit deiner Reise jedoch unbedingt bei deiner Agentur für Arbeit abmelden.

Ich konnte den Termin meiner Abmeldung sogar schon in meinem ersten und einzigen persönlichen Termin angeben. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld I verjährt erst nach vier Jahren, das heißt, du hast die Chance auf ein finanzielles Polster nach deiner Rückkehr, wenn du alle Schritte in der richtigen Reihenfolge befolgst.

7. Kranken- und Auslandsversicherung

Das Thema Krankenversicherung ist besonders wichtig. Sobald du dich bei der Agentur für Arbeit abmeldest, bist du freiwillig bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Und das kann ganz schön teuer werden. Deshalb solltest du unbedingt mit deiner Krankenkasse sprechen und schauen, dass du während der Reise austrittst.

Ich musste meinem Kündigungsschreiben meine Flugtickets beilegen, die zeigen, dass ich auf unbestimmte Zeit ins außereuropäische Ausland fliege. Einige Krankenkassen möchten auch einen Nachweis über eine Auslandskrankenversicherung. Diese musst du auf jeden Fall abschließen, um im Ausland versichert zu sein. Mir wurde geraten, meiner Krankenkasse in Deutschland schriftlich Bescheid zu geben, wenn ich weiß, wann ich zurückkomme. Deine Krankenkasse ist verpflichtet, dich wieder aufzunehmen.

Ich habe vor der Reise auch eine Vorsorgevollmacht aufgesetzt. Im Falle einer Notsituation haben meine Eltern dadurch die Möglichkeit, für mich zu handeln, und dürfen beispielsweise meine Krankenkasse in Deutschland bei einem Rücktransport vorab informieren.

8. Was noch?

Einen Punkt, den ich vor meiner Reise fast vergessen hätte, waren die Kündigung meiner Hausratversicherung und meines DSL-Vertrags. Überleg am besten noch mal, welche Verträge du noch hast und ob du sie kündigen oder pausieren kannst. Reiseunterlagen sowie eine Kopie meines Passes und des Impfausweises lege ich grundsätzlich online in einer Cloud ab.

Denk auch daran, dass jemand deine Post im Blick hat, du eine Kreditkarte beantragst, mit der du möglichst kostenlos Bargeld im Ausland abheben kannst, und dass du eventuell einen internationalen Führerschein brauchst.

Kosten für Impfungen erstattet dir gegebenenfalls deine Krankenkasse, wenn du die Quittungen mit einer entsprechenden Begründung einreichst. Die letzte und für mich wichtigste Sache ist mein Reisetagebuch. Ich freue mich jetzt schon darauf, später mal, vielleicht, wenn ich 80 bin, auf der Terrasse eines meiner Bücher aufzuschlagen und darin zu lesen.

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