Alles Fake? So unecht sind berühmte Sehenswürdigkeiten

Alles nur Fake? So unecht sind berühmte Sehenswürdigkeiten

Tausende Touristen pilgern jährlich zu berühmten Sehenswürdigkeiten wie Tutanchamuns Grabstätte, dem Checkpoint Charlie oder der Chauvet-Höhle. Was viele Besucher nicht wissen: Sie sind gar nicht echt.

Touristen am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie. Ob sie wissen, dass es sich nicht ums Original handelt?
Touristen am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie. Ob sie wissen, dass es sich nicht ums Original handelt?

Foto: imago/Frank Sorge

Zu alt, zu kostbar, zu empfindlich: Es gibt Sehenswürdigkeiten, die würden den Besuchermassen einfach nicht standhalten. Andere gibt es schlichtweg nicht mehr und sie wurden nachgebaut. Das Portal „Holidaycheck“ hat einen Überblick über Fake-Sehenswürdigkeiten erstellt. Der reisereporter schaut sie sich mal näher an.

Tutanchamuns Grabstätte in Ägypten

Touristen sehen nur eine Kopie der berühmten Grabstätte des Pharaos Tutanchamun. Das Original ist einfach zu kostbar: Die ägyptischen Pharaonen wurden nicht nur durch Filme wie „Die Mumie“ berühmt. Bereits während der Entdeckung und Ausgrabung des Tutanchamun-Grabs kamen Zehntausende Schaulustige.

Die lokalen Behörden beschlossen wegen der stetig wachsenden Touristenzahlen im Jahr 1923 ein Projekt zur Konservierung und zur Lenkung der Besucherströme.

Touristen können vom Original heute nur noch die Vorkammer des Grabes besichtigen. Die Kopie des eigentlichen Grabes befindet sich am Eingang zum Tal der Könige. Dort sehen Besucher neben originalgetreuen Wandmalereien auch eine präzise Nachbildung des Sarkophags. Trotz Kopie ist der Wow-Faktor hoch.

Tutanchamuns Grabstätte: Die Besucher sehen nicht das Original.
Tutanchamuns Grabstätte: Die Besucher sehen nicht das Original. Foto: Anton Belo shutterstock.com

Checkpoint Charlie in Berlin: Nur eine Kopie

„Sie verlassen jetzt den amerikanischen Sektor“ – so ziemlich jeder Tourist kennt die Schilder in Westberlin. Und der Besuch des berühmten Checkpoints Charlie steht auf so ziemlich jeder To-see-Liste. Denn er ist ein Symbol für die Konfrontation zwischen Kommunismus und Kapitalismus in Zeiten des Kalten Krieges.

Der ehemalige Grenzübergang in der Friedrichstraße verband den sowjetischen mit dem US-amerikanischen Sektor. Er durfte nur von alliierten Militär- und Botschaftsangehörigen, Mitarbeitern der Ständigen Vertretung der BRD bei der DDR und hohen DDR-Funktionären benutzt werden.

Hast du auch schon mal ein Selfie dort gemacht? Dann ist im Hintergrund nicht der echte Checkpoint Charlie zu sehen. Bereits vor der Wiedervereinigung wurde der originale in einer Gedenkfeier abgebaut. Eine originalgetreue Nachbildung ersetzt ihn – als Erinnerung an den Kalten Krieg.

Du willst das Original sehen? Dann musst du ins Berliner AlliiertenMuseum.

„Checkpoint Charlie“: Das Original steht nicht am Original-Schauplatz.
„Checkpoint Charlie“: Das Original steht nicht am Original-Schauplatz. Foto: D.Bond shutterstock.com

Chauvet-Höhle in Frankreich

Mehr als 400 Wandbilder mit 1.000 Symboldarstellungen, gemalt vor mehr als 30.000 Jahren, sind einfach zu empfindlich: Die Malereien, die Touristen in der Chauvet-Höhle im Ardèche-Tal in Frankreich sehen, sind eine Nachbildung.

Die Höhle ist eines der am besten erhaltenen Relikte der Steinzeit. Kein Wunder also, dass sie schon kurz nach ihrer Entdeckung zum Besucher-Magneten wurde. Das sorgte für eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit – die urzeitlichen Meisterwerke waren in Gefahr.

Die Höhle wurde daher für die Öffentlichkeit geschlossen, selbst Forscher dürfen nur noch in bestimmten Zeiträumen dort arbeiten.

Um Touristen trotzdem das Erlebnis zu bieten, wurde in der Nähe des Originals die größte Höhlennachbildung der Welt errichtet. Auf mehr als 3.500 Quadratmetern wurden Kopien der Höhlenmalereien auf Felsrepliken gemalt – mit den gleichen Techniken und Materialien wie die Originale.

Die Originale in der Chauvet-Höhle sind einfach zu empfindlich, um sie Besuchern zu zeigen.
Die Originale in der Chauvet-Höhle sind einfach zu empfindlich, um sie Besuchern zu zeigen. Foto: imago/Nature Picture Library

Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee

Wie haben wohl die Menschen vor 6.000 Jahren am Bodensee gelebt? Um den Einwohnern von Unteruhldingen das näherzubringen, hat der ehemalige Bürgermeister Georg Sulger im Jahr 1921 seine Privatsammlung mit Funden aus steinzeitlichen Häusern geöffnet.

Die regelmäßig angelegten Pfahlbauten faszinierten Besucher schon kurz nach ihrer Entdeckung. Doch sie sind zu alt, um den vielen Besuchern standzuhalten.

Daher wurden einzelne Häuser aus verschiedenen Epochen der Steinzeit originalgetreu nachgebaut. Diese sind heute im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zu sehen.

Die Pfahlbauten in Unteruhldingen sind Nachbildungen.
Die Pfahlbauten in Unteruhldingen sind Nachbildungen. Foto: imago/Eibner

Der Tempel von Philae in Ägypten

Er steht nicht mehr am Originalort: Der Tempel von Philae in Ägypten war zu nah am Wasser gebaut. Die ältesten Belege zur Gründung der Anlage stammen aus dem Jahr 360 vor Christus. Der Tempel sit auch ein Zeugnis von der blutigen Geschichte der Eroberung der Region am Nil durch die Christen. 

Zunächst war der Tempel ein Ort der Verehrung für die altägyptische Göttin der Geburt Isis. Doch dann wurde ein Teil als christliche Kirche geweiht, altägyptische Reliefs wurden zerstört.

Der Tempel überstand die Zeit, doch nicht uns Menschen. Denn schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage mehrere Monate im Jahr durch den Assuan-Staudamm unter Wasser gesetzt. Die Konsequenz: Um die Schätze vor der Zerstörung zu retten, wurden alle Bauten zersägt und 600 Meter weiter auf der Insel Agilkia wieder aufgebaut. 

Seit dem Jahr 1979 ist der Tempel von Philae auf der Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten – trotz des Umzuges.

Der Tempel von Philae wurde umgesetzt, weil er immer wieder geflutet wurde.
Der Tempel von Philae wurde umgesetzt, weil er immer wieder geflutet wurde. Foto: Certe shutterstock.com

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