Das Flugzeug ganz für sich allein haben: Wie geht das?

Das Flugzeug ganz für sich allein haben: Wie geht das?

Freie Sitzplatzwahl, privater Service und das Gefühl von Freiheit: So malen wir uns das Bild eines Fluges aus, auf dem wir ganz allein sind. Doch wie sieht das in der Realität aus? Airlines verraten es.

Der Blick in den Gang zeigt leere Sitzreihen in einem Flugzeug.
Beinfreiheit, kein Anstehen am Klo und kein langes Warten aufs Essen – allein fliegen klingt ziemlich komfortabel. (Symbolfoto)

Foto: imago/Science Photo Library

„Willkommen an Bord ihres Privatflugzeugs, Sir“, so wurde Saad von der Flugzeug-Crew begrüßt, als dieser völlig überraschend der einzige Passagier an Bord einer Jet2-Maschine war. Auf dem Flug von Korfu nach Birmingham durfte er sich für ein 45-Euro-Ticket einmal wie ein Millionär im eigenen Privatjet fühlen.

Aber wie kann das überhaupt passieren? Blöder Zufall oder die Regel? Und wirst du wirklich wie ein VIP behandelt? Der reisereporter hat bei Tuifly und Lufthansa nachgefragt.

Überraschung bei der Flugbuchung: Passagiere sitzen ganz allein im Flieger

Bei Saads Premium-Flug handelt es sich zumindest nicht um einen Einzelfall bei Jet2. Auch die Schottin Karon Grieve traute ihren Augen nicht, als die Sitze im Flieger leer blieben. Auch sie flog ganz allein, nur mit der Jet2-Besatzung, von Griechenland nach Glasgow. Es war der letzte Flug der Saison, nur zwei weitere Personen hatten Tickets gebucht – erschienen aber nicht.

Liegt es an der britischen Billigairline? Vermutlich nicht, denn Tuifly verrät: „Wenn wir beim letzten Rückflug der Saison zum Beispiel aus Korfu nach Hannover Ende Oktober oder Anfang November die letzten Feriengäste zurückbringen, kann es sein, dass auf dem Hinflug so gut wie keine Gäste sind.“ 

Zumindest bei diesen Airlines scheint es an der Route und an der Reisezeit zu liegen. Weniger beliebte Verbindung, weniger Buchungen, ein nahezu „leerer“ Flug – ist das nicht absehbar? Und fliegen die Airlines dann trotzdem mit voller Besatzung?

Passagiersitze bleiben (fast) leer – Crew-Plätze auch?

Umbuchen, zusammenlegen oder gar canceln – eigentlich naheliegende Optionen, wenn eine Flugverbindung schlecht gebucht wird. Aber: Nix da! Zumindest sagt das Lufthansa: „Flüge finden in der Regel unabhängig von der Buchungslage statt“, teilt die Airline dem reisereporter mit.

Manche Airlines stellen sogar weitere Flüge bereit. Der Reiseveranstalter Novaturas charterte Mitte März für eine Reisegruppe eine Maschine von Vilnius nach Bergamo, allerdings nur für einen Hinflug. Prompt wurden One-Way-Tickets zurück nach Italien verkauft, damit die Maschine nicht leer zurückfliegen musste.

Zur Freude von Skirmantas Strimaitis, denn der brauchte ausgerechnet noch ein Rückflugticket und war letztlich der einzige Passagier an Bord. Sein Skiurlaub wurde mit dieser „Privat-Jet-Erfahrung“ gekrönt, berichtet er „CNN Travel“.

Skirmantas Strimaitis strahlt auf seinen Selfies im (fast) leeren Flieger.
Zwei Piloten, fünf Crew-Mitglieder und 189 freie Plätze: So sah der Flug von Skirmantas Strimaitis nach Bergamo aus. Foto: twitter.com/Eddie Kuntha

Zu einem Privat-Jet gehört aber auch ein exklusiver Service wie erfüllte Extra-Wünsche und Rund-um-die-Uhr-Bedienung. Gibt es diese Vorzüge als Allein-Flieger tatsächlich?

Wie einmalig ist alleine zu fliegen wirklich?

Jetzt müssen wir dich enttäuschen: Sowohl Lufthansa als auch Tuifly haben uns verraten, dass es keine Sonderbehandlung für dich gibt, solltest du den Flieger (und die Crew) ganz für dich allein haben: „Die Crew würde ihre üblichen Service- und Arbeitsprozesse unverändert verfolgen“, erklärt Lufthansa. 

Für Saad, Karon und Strimaitis war es trotzdem eine einmalige Erfahrung. Aus verschiedenen Winkeln konnten sie sich die Sicherheitsinstruktionen angucken, Filme schauen, bedenkenlos Selfies schießen und freundeten sich auch noch – zumindest für den Flug – mit der Crew an. Saad durfte auf seinem Flug nach Birmingham sogar ins Cockpit der Jet2-Maschine.

Die Wahrscheinlichkeit, dass du in den gleichen Genuss kommst, ist aber relativ gering. Zumindest meinen das Lufthansa und Tuifly, bei ihnen käme so was sehr selten vor.

Die Lufthansa spricht sogar von gar keinen bekannten Fällen in den vergangenen Jahren.

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