Kreuzfahrt: Das ist das häufigste Verbrechen an Bord der Schiffe

Kreuzfahrt: Das ist das häufigste Verbrechen an Bord

Verbale Belästigung, ein Streicheln und sogar Vergewaltigung: Immer mehr Frauen berichten von sexuellen Übergriffen auf Kreuzfahrtschiffen. Es soll das häufigste Verbrechen auf Kreuzfahrten sein.

Ein Kreuzfahrtschiff bei Nacht vor einer Berg-Silhouette.
Immer mehr Kreuzfahrt-Passagiere und auch Crew-Mitglieder berichten von sexuellen Übergriffen. (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com

Mit dem Täter auf hoher See auf demselben Schiff gefangen sein – eine beklemmende Vorstellung. Auch auf Kreuzfahrten sind wir schließlich nicht vor Verbrechen gefeit. Und die Zahl der gemeldeten Fälle steigt, vor allem im Bereich der sexuellen Übergriffe.

Kreuzfahrt-Passagierinnen und auch Crew-Mitglieder berichten über sexuelle Belästigung an Bord. In einigen Fällen sollen sogar Kinder Opfer sein.

„Ein Kreuzfahrtschiff ist wie eine schwimmende Stadt mit 10.000 Einwohnern ohne Polizei“, sagte Philip Gerson, ein Anwalt, der vor dem US-Kongress im Auftrag einer Teenagerin aussagte, die 2014 von zwei Männern vergewaltigt wurde, gegenüber der „New Times“. Er kritisierte: „Es gibt einen Friseursalon, ein Fitnessstudio, Einzelhandelsgeschäfte, aber keine Polizei.“

Sexueller Übergriff ist häufigstes Verbrechen auf Kreuzfahrten

Das Verkehrsministerium der Vereinigten Staaten, das U.S. Department of Transportation (DOT), registriert seit Jahren einen Anstieg von sexuellem Missbrauch und stellte anhand dieser Zahlen fest: Es ist das am häufigsten gemeldete Verbrechen auf Kreuzfahrtschiffen.

220 Fälle von Opfern aus Nordamerika sind der Behörde seit 2016 bekannt, allein im vergangenen Jahr erreichten sie 82 Berichte. Zum Vergleich: Mit 22 gemeldeten Taten, der Statistik der DOT zufolge, ist Diebstahl das zweithäufigste Verbrechen an Bord. 

Crew-Mitglied soll Kreuzfahrt-Passagierin bei Massage belästigt haben

Und die Zahlen bekommen ein Gesicht: Einige Kreuzfahrt-Passagiere, teilweise anonym, vertrauten sich der Presse an, um Opfern eine Stimme zu geben. So erinnert sich die 19-jährige Jane in der „Miami New Times“ daran, wie ihre Kreuzfahrt mit der „Celebrity Summit“ zum Albtraum für sie wurde. 

Mit ihren Eltern und ihrer besten Freundin reiste sie 2017 durch die Karibik, am Morgen des fünften Reisetages wollte die Tänzerin im schiffseigenen Fitnessstudio trainieren. Sie stieg aufs Laufband – kurz darauf habe sie ein männliches Crew-Mitglied angesprochen und sich als Fitness-Coach und Physiotherapeut ausgegeben.

Er habe ihr eine Behandlung angeboten, sie willigte ein. Wenige Minuten später soll Jane nur in Unterwäsche auf einer Massageliege in einem separaten Raum von ihm sexuell belästigt worden sein. „Es ist nur der menschliche Körper, dafür muss man sich nicht unwohl fühlen“, habe er ihr gesagt, während er sie im Intimbereich anfasste.

Sie habe ihn mehrmals aufgefordert, aufzuhören. Als er von ihr abließ und aus dem Raum ging, sei Jane in ihre Kabine geflüchtet. 

Vergewaltigungsfall durch Crew-Mitglied wird publik

Während die Kreuzfahrt-Passagierin Jane sich in ihrer Kabine in Sicherheit wähnte, wurde diese für eine andere Urlauberin zur Hölle. In das Zimmer von Laurie D. soll sich ein Crew-Mitglied Zugang verschafft und die 37-Jährige dort vergewaltigt haben. Der Vorfall soll sich bereits 2006 ereignet haben.

Auch Kinder sollen sexuellen Missbrauch auf Kreuzfahrt erfahren haben

Auch Kinder sind unter den Opfern. Dem FBI sei demnach bekannt, dass in rund einem Drittel der gemeldeten Fälle Minderjährige von älteren Männern sexuell belästigt worden seien.

Erst in dieser Woche musste ein 27-jähriger Mann aus Oregon seine Haftstrafe antreten, nachdem er im vergangenen Jahr ein minderjähriges Mädchen am Pool auf der „Norwegian Epic“ angefasst hat, berichtet die „Spectrum News 13“. 

Die Zahlen des DOT aus den vergangenen drei Jahren sind erdrückend: In 20 Prozent meldeten auch Crew-Mitglieder Übergriffe. An die Öffentlichkeit wandte sich die Angestellte Analia M. von Royal Caribbean, ein anderer Kollege habe sich kurz nach Weihnachten 2015 während ihrer Arbeit im Casino auf brutale Weise an ihr vergriffen.

Reedereien verteidigen sich: Jedes Opfer sei eines zu viel

Sowohl sie als auch die Passagierin Laurie D. werfen der betroffenen Reederei Royal Caribbean Untätigkeit vor. Zu den Vorwürfen in der „Miami New Times“ möchten sich weder Royal Caribbean noch andere Reedereien äußern.

Sie weisen jedoch darauf hin, dass sie eng mit Opferverbänden zusammenarbeiten und dass das Personal dementsprechend geschult sei. Außerdem würden nach Aussage des Weltverbands der Kreuzfahrtindustrie (Clia) Vorfälle umgehend den Strafverfolgungsbehörden gemeldet.

Wie unsicher ist es auf Kreuzfahrtschiffen?

Und genau dort liegt das Problem: An Bord gibt es zwar, mitunter speziell ausgebildetes, Sicherheitspersonal, allerdings keine Polizei oder spezielle Gefängniszellen. In dem Fall von Laurie D. habe es sich bei dem Vergewaltiger sogar um einen Security-Mitarbeiter des Schiffes gehandelt.

Straftäter können von der Crew in einem bestimmten Raum festgesetzt werden – der Kapitän hat in solchen Fällen Polizeigewalt. Auf einem Schiff gilt das Rechtssystem des Landes, unter dessen Flagge es unterwegs ist.

Verdächtige werden im nächsten Hafen an die örtlichen Behörden beziehungsweise der dortigen Polizei übergeben. In den USA kämpfen nun Kongressabgeordnete für strengere Gesetze: Sie fordern unter anderem auf allen Schiffen eine Videoüberwachung, unabhängiges Sicherheitspersonal und dass Vorfälle binnen vier Stunden an das FBI gemeldet werden müssen.

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