Keine Kreuzfahrten nach Brunei mehr? Reedereien wollen Halt canceln

Brunei-Skandal: Reedereien canceln Kreuzfahrt ins Sultanat

Die Einführung der Todesstrafe für Schwule in Brunei hat weltweit Empörung ausgelöst. Eine US-Reederei will das Sultanat nicht mehr ansteuern. Wie sieht es bei Aida, Tui Cruises, MSC und Hapag Lloyd aus?

Ein Kreuzfahrtschiff von Princess Cruises liegt am Hafen in der Nähe von Rom.
Princess Cruises überprüft derzeit mögliche Änderungen von zwei Routen, die in Brunei anlegen. (Symbolfoto)

Foto: imago/Xinhua/Luo Na

Nach Airlines und Hotels dehnt sich der Protest gegen die neuen Scharia-Gesetze in Brunei jetzt auch auf die Kreuzfahrtindustrie aus. Zwei Reedereien mit Sitz in den USA überlegen derzeit, geplante Halte in dem Sultanat zu streichen. 

„Bei Princess Cruises feiern wir Diversität und Gleichheit und würden jedes Ziel vermeiden, an dem nicht alle Gäste mit Würde und Respekt behandelt werden“, teilte die Reederei in einem Statement mit. 

US-Reederei kickt Brunei aus dem Kreuzfahrt-Programm

Derzeit prüft Princess Cruises die mögliche Änderung zweier Reiserouten in den Jahren 2020 und 2021, bei denen eigentlich ein Halt in Brunei (Muara) vorgesehen wäre. Die Entscheidung basiere darauf, dass sich alle Gäste in den angelaufenen Ländern sicher fühlen müssten.

Bei Regent Seven Seas Cruises ist diese Entscheidung bereits gefallen: Alle zukünftigen Halte in der Stadt Muara in Brunei wurden abgesagt, darunter für eine Kreuzfahrt im kommenden Dezember. Das berichtet das Portal „Cruise Arabia & Africa“.

Bieten deutsche Reedereien Kreuzfahrten nach Brunei an?

MSC und Tui Cruises haben auf ihren Asien-Kreuzfahrten in den kommenden Jahren keine Stopps in Brunei geplant – Aida dagegen schon.

Insgesamt vier Asien-Kreuzfahrten mit der „Aida Vita“ sollen 2019 und 2020 Brunei ansteuern: Die Routen Philippinen, Hongkong, Vietnam sowie Brunei, Philippinen und Hongkong halten auch in dem „faszinierenden Sultanat Brunei“, wie der Hafen in Muara auf der Website beworben wird.

Zu der Politik des Landes heißt es dort lediglich: „Sultan Hassan Bolkiah regiert als absolutistischer Herrscher und erbte den Thron 1967 von seinem Vater.“

Asien-Kreuzfahrten: Aida Cruises streicht Halt in Brunei (noch) nicht

Unmittelbare Konsequenzen aus dem Skandal um die verschärften Gesetze, die seit dem 3. April gelten, will Aida derzeit noch nicht ziehen. Auf reisereporter-Nachfrage teilte die Reederei mit, man beobachte die Situation und überprüfe die vier bis April 2021 geplanten Anläufe in Brunei. 

Aida respektiere alle Menschen gleichberechtigt, „unabhängig von Geschlecht, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung, Religion oder Alter“.

Neben Princess, Aida und Seven Regent Seas Cruises haben fünf weitere Reedereien Landgänge in Brunei im Programm, darunter Viking Ocean Cruises und Hapag-Lloyd Cruises (Tochter der Tui AG).

Hapag-Lloyd Cruises: Kreuzfahrt mit Halt in Brunei bleibt vorerst im Programm

Die deutsche Reederei Hapag-Lloyd Cruises steuert Brunei im Frühjahr 2021 mit der „MS Europa“ an. Der Hafen ist Teil einer 18-tägigen Kreuzfahrt von Singapur nach Hongkong.

„Schon Ihrem ersten Ziel, Brunei, eilt ein legendärer Ruhm voraus“, heißt es in der Beschreibung der Reise. „Überzeugen Sie sich selbst vom Sultanat der Superlative: Von der Hafenstadt Muara ist es nicht weit in die Hauptstadt Bandar Seri Begawan.“

Da in diesem und auch im kommenden Jahr keine Kreuzfahrten mit Halt in Brunei geplant seien, beobachte die Reederei die Situation, teilte eine Sprecherin auf Nachfrage des reisereporters mit. Es würden aber bereits Alternativen diskutiert. 

„Unsere Schiffe sind auf der ganzen Welt unterwegs und unsere Gäste erleben mit uns die Vielfältigkeit der Kulturen. Dabei hat die Sicherheit der Gäste und der Crew oberste Priorität.“

Brunei will mehr Kreuzfahrt-Touristen

In den vergangenen fünf Jahren kamen zwar nur 130.000 Kreuzfahrt-Touristen in das Sultanat – so viele, wie Dubai in der Hochsaison innerhalb von zwei Wochen empfängt. „Cruise Arabia & Africa“ zufolge versucht die Regierung aber seit einiger Zeit, mehr Urlauber in den Hafen von Muara zu locken.

Das Auswärtige Amt sowie der bruneiische Generalstaatsanwalt infomieren genauer über die besonderen strafrechtlichen Vorschriften in Brunei Darussalam. Reisende sollten sich vor einem Aufenthalt in dem Sultanat unbedingt damit vertraut machen.

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