Kreuzfahrt: Gibt es genug Rettungsboote für Passagiere und Besatzung?

Kreuzfahrt: Genug Rettungsboote für alle Passagiere?

Es passiert zwar nicht oft, aber: Wenn Kreuzfahrtschiffe in Seenot geraten, ist es gut zu wissen, ob alle Passagiere und die Besatzung Platz in den Rettungsbooten finden würden. Der reisereporter hat nachgehakt.

Kreuzfahrtschiff „Aida Perla“ am Cruise Terminal in Rotterdam, Niederlande.
Verglichen mit dem Kreuzfahrtschiff sehen Rettungsboote winzig aus – passen dort wirklich alle Menschen an Bord drauf?

Foto: imago/Jochen Tack

Vor der Küste Norwegens ereignete sich Ende März ein echtes Kreuzfahrt-Drama: Die „Viking Sky“ war bei Molde in Seenot geraten, Passagiere mussten mit Hubschraubern und Schiffen von Bord gerettet werden. Erst nach 26 Stunden lag das Kreuzfahrtschiff sicher im Hafen

Für Passagiere war die Havarie ein echtes Horrorerlebnis. Und auch allen, die nicht an Bord waren, rief der Vorfall in Erinnerung, wie wichtig Rettungsvorrichtungen an Bord der Kreuzfahrtschiffe sind. 

Gibt es zum Beispiel genug Rettungsboote für alle Passagiere und Crew-Mitglieder? Autor Wolfgang Meyer-Hentrich bezweifelt das in seinem neuen Buch „Wahnsinn Kreuzfahrt“. Die Schiffe würden immer größer und voller werden – damit gingen die Reedereien ein Risiko ein, zitiert ihn die „Morgenpost“. 

Der reisereporter geht dieser provokanten These auf den Grund und hat bei großen Reedereien nachgehakt: 

Diese Rettungsmittel gibt es auf der „Mein Schiff“-Flotte von Tui Cruises

Direkt vorweg: Nicht alle Passagiere haben Platz in den Rettungsbooten der „Mein Schiff“-Flotte. Aber: Auch Rettungsinseln gelten als Rettungsmittel. In Kombination bieten Boote und Inseln sogar Platz für mehr Menschen, als höchstens an Bord passen. Das teilte die Reederei auf reisereporter-Anfrage mit.

Bald werden die Rettungsmittel bei Tui Cruises sogar um einen Sicherheitsstandard ergänzt: Alle Neubauten, also „Mein Schiff 1“ bis „Mein Schiff 6“ sind mit dem „Save Return to Port“-System ausgestattet – übersetzt bedeutet das so viel wie „sichere Rückkehr zum Hafen“. 

Dabei sollen die Passagiere so lange auf dem Kreuzfahrtschiff bleiben, bis nichts mehr geht – das Schiff selbst wird zum Rettungsboot. Dafür sei das Schiff in mehrere Feuerzonen eingeteilt, erklärte eine Sprecherin von Tui Cruises dem reisereporter. 

Auch wenn eine Zone betriebsunfähig wird, soll das Schiff noch den nächsten Hafen erreichen können. Außerdem gibt es zwei komplett voneinander getrennte Maschinenräume und neben der Hauptbrücke eine weitere Brücke für den Notfall, die in einer anderen Feuerzone untergebracht ist. 

So viele Rettungsboote gibt es bei Aida

Um alle Ängste im Keim zu ersticken: Jedes Kreuzfahrtschiff MUSS Rettungsboote und andere Rettungsmittel zur Verfügung stellen, auf denen alle Passagiere und Mitarbeiter an Bord Platz haben – und sogar 25 Prozent zusätzliche Kapazitäten.

Neben Rettungsbooten gelten auch Rettungsinseln als gleichwertige Rettungsmittel, die regelmäßig geprüft werden. Diese Vorschriften sind durch die Internationale Maritime Organisation (IMO) weltweit einheitlich geregelt, informiert der internationale Kreuzfahrtverband Clia. Auch die Crew übt regelmäßig Maßnahmen zu Evakuierungen der Kreuzfahrtschiffe.

Aida bildet da natürlich keine Ausnahme. Die Kreuzfahrtschiffe mit Kussmund sind mit Rettungsbooten und Rettungsinseln ausgestattet.

Letztere können über Rutschen schnell erreicht werden und beschleunigen die Evakuierung des Schiffs im Notfall. Sie sind mit Lebensmitteln, Wasser, Erste-Hilfe-Sets, Rettungswesten und Signalgebern ausgestattet.

So viele Menschen passen auf Rettungsboote von Hapag Lloyd Cruises

Wenn du mit einem Schiff von Hapag-Lloyd Cruises auf Kreuzfahrt gehst, kannst du ganz genau nachschauen, wie viele Menschen auf die Rettungsboote und -inseln der Schiffe passen. 

Auf der „MS Europa“ finden insgesamt 900 Menschen Platz, auf der „MS Europa 2“ sind es 1.150, auf der „MS Bremen“ 360 und auf den drei „MS Hanseatic“-Schiffen je 562. Der Platz auf den Rettungsmitteln übersteigt die Schiffskapazitäten um mindestens 25 Prozent.

Kreuzfahrten sind generell sehr sicher

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) informiert über die Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen – von internationalen Standards für Rettungsmittel bis zur Ausbildung der Crew.

Generell gilt: Zwischenfälle bei Kreuzfahrten sind sehr selten. Unter fast 100 Millionen Kreuzfahrtpassagieren gab es beispielsweise nur 16 Todesfälle in den Jahren 2005 bis 2012. „Dies entspricht weniger als 0,16 Opfern pro einer Million beförderter Passagiere“, heißt es in Antworten des DRV auf Sicherheitsfragen.

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