100 Jahre Bauhaus: Die Welt schaut nach Weimar zum Jubiliäumsjahr

100 Jahre Bauhaus: Die Welt schaut nach Weimar

100 Jahre Bauhaus: Das Jubiläum der legendären Design- und Kunstschule feiert Weimar mit der Eröffnung eines ganzen Bauhaus-Museums. reisereporterin Christina hat sich das für dich angeschaut.

Das neu gebaute Bauhaus-Museum in Weimar.
Ein Kubus voller Bauhaus: Der Museumsbau sorgt für Diskussion wie einst das Staatliche Bauhaus selbst – und das ist durchaus gewollt.

Foto: Christina Mänz

Manchmal braucht es nur einen Anlass, um einen historischen Platz, einen alten Ort neu zu entdecken und die Stimmung und das Image einer Stadt zu verändern. Oder eben ein neues Museum.

Pünktlich zum 100. Geburtstag wird ein nüchterner, hellgrauer Betonkubus Heimat für die weltweit älteste Bauhaus-Sammlung und sorgt in der beschaulichen Goethe- und Schillerstadt Weimar für eine Verjüngungskur.

Zum 100. Geburtstag: Bauhaus-Museum in Weimar eröffnet

Schließlich wurde die radikale Avantgarde-Schule 1919 ja auch hier gegründet. Nur sechs Jahre wirkte das Bauhaus in Weimar, bevor es nach Dessau weiterziehen musste. Planung und Bau des Museums dauerten deutlich länger. 27 Millionen Euro hat das neue Bauhaus-Museum gekostet, für dessen Design, Fluchtlinien, Sichtachsen und elend steile Treppen die Berliner Architektin Heike Hanada verantwortlich ist.

2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf fünf Etagen bieten Platz für rund 1.000 Bauhaus-Objekte (nur eine Auswahl der 13.000 Stücke) aus dem Weimarer Archiv.

Darunter sind die Wiege von Peter Keler (nach der Form- und Farblehre von Wassily Kandinsky), Möbel-Ikonen von Ludwig Mies van der Rohe, Keramiken aus Walter Gropius’ Ur-Sammlung von 1925, die weltbekannte Wagenfeld-Leuchten, die berühmten Kinderzimmermöbel aus dem Haus am Horn – eben Alltagsdesign, revolutionäre Ideen, auch Gestaltungsutopien, umrealisierbar und wieder verworfen.

Und über allem schwebt die auch heute noch aktuelle Frage von Walter Gropius: Wie wollen wir zusammenleben?

   

Ein Blick in die Ausstellung in Weimar

Bauhaus-Museum: Gespaltene Meinung in Weimar

Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, ist sich angesichts von so viel Moderne sicher: „Wir werden eine andere Stadt werden. Wir sind nicht mehr die Klassiker-Stadt.“ Und: „Wir sollten den Mut haben, unsere Stadt zu verändern.“

Ein Weimarer Taxifahrer sieht das anders: „Den komischen Kasten da braucht keen Mensch“, schimpft er, als er über die Baustelle vor dem Bauhaus-Museum holpert. Und auch im Inneren des Kubus ist es noch längst nicht so, wie es einmal sein soll, wird im Schwummer-Licht noch geschraubt und geputzt, gerückt und gehängt, weiß man eben nicht so ganz, ob die Leiter an der Wand ein Exponat oder ein Utensil ist.

Schon spannend! Wieder einmal Aufbruchstimmung in Weimar.

Ein Blick hinter die Kulissen kurz vor der Eröffnung des Bauhaus-Museums.
Kurz vor der Eröffnung gleicht das Bauhaus-Museum an manchen Stellen noch einer Baustelle. Foto: Christina Mänz

Bauhaus-Museum soll mehr Touristen nach Weimar locken

Am Anfang der Ausstellung hängt das Bauhaus-Manifest von 1919, neu gestaltet als Lichtinstallation. Am Ende steht die Frage: Was bleibt? Vom Bauhaus, von großen Gedanken und von der Geschichte des Scheiterns, mit der sich die Besucher aktuell in der Gegenwart auseinandersetzen können.

Im vergangenen Jahr kamen mehr als vier Millionen Touristen in die 65.000-Einwohner-Stadt in Thüringen. Dank des Museumsneubaus und des weltweiten Bauhaus-Hypes sollen es künftig noch weit mehr sein. Denn das Bauhaus, einer der erfolgreichsten Kulturexporte des 20. Jahrhunderts, ist gerade im Jubiläumsjahr so universal umjubelt wie nie zuvor.

   

Auf dem Bauhaus-Pfad durch Weimar
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