Brunei-Skandal: So reagieren deutsche Airlines wie Lufthansa

Brunei-Skandal: So reagieren die deutschen Airlines

Homosexuellen droht in Brunei Darussalam ab sofort die Todesstrafe. Was sagen die deutschen Airlines dazu? Ziehen sie Konsequenzen aus den neuen Scharia-Gesetzen? Der reisereporter hat nachgefragt.

Fliegen deutsche Airlines überhaupt nach Brunei? Der reisereporter hat nachgeforscht. (Symbolfoto)
Fliegen deutsche Airlines überhaupt nach Brunei? Der reisereporter hat nachgeforscht. (Symbolfoto)

Foto: imago/Arnulf Hettrich

Weltweit herrscht Empörung und Entsetzen: Im Sultanat Brunei Darussalam sind neue Scharia-Gesetze in Kraft getreten. Männlichen Homosexuellen droht jetzt die Todesstrafe durch Steinigung. 

Etliche Stars riefen daraufhin zum Boykott der Hotels in Europa und den USA auf, die im Besitz des herrschenden Sultans sind. Und Virgin Australia hat eine Vereinbarung mit der nationalen Airline von Brunei beendet. Bislang konnten Mitarbeiter der australischen Airline in ihrer Freizeit vergünstigte Flugtickets bei Royal Brunei kaufen. Damit ist jetzt Schluss.

Auch deutsche Airlines haben Beziehungen zu Brunei. Wie reagieren Lufthansa, Eurowings, Condor und Tuifly auf den Brunei-Skandal? Der reisereporter hat nachgefragt.

Condor hat keine Mitarbeitervereinbarung mit Brunei

Weder bei Condor noch bei anderen Airlines des Thomas-Cook-Konzerns bestehe ein Vertragsverhältnis für Mitarbeiterreisen mit Brunei oder Royal Brunei Airlines, so ein Unternehmenssprecher.

Die Airlines des Konzerns fliegen zu mehr als 120 Reisezielen auf der ganzen Welt – Brunei gehört nicht dazu. Aber: Der Konzern hat vertragliche Beziehungen mit dem Sultanat. „Im Rahmen einer befristeten Arbeitnehmerüberlassung fliegen einzelne Piloten von Condor in Brunei“, so der Sprecher.

Es handele sich dabei um sechs Piloten, die sich „freiwillig für ihren Einsatz dort entschieden haben“.

Lufthansa: Vertragliche Beziehungen mit Brunei laufen weiter

Das gilt auch für die Lufthansa Group, die seit mehreren Jahrzehnten vertragliche Beziehungen mit dem Sultanat unterhält. Das teilte der Konzern auf reisereporter-Anfrage mit.

Konsequenzen aus den homophoben Gesetzen wird das Unternehmen hier nicht ziehen. „Der aktuelle Vertrag läuft noch mehrere Jahre“, so eine Unternehmenssprecherin. Dabei gehe es vor allem um technische Dienstleistungen von Lufthansa Technik an zivilen Flugzeugen.

Außerdem fliegen einzelne Piloten im Rahmen einer 18-monatigen Arbeitnehmerüberlassung in Brunei. Aktuell seien drei Piloten und neun Techniker in dem Kleinstaat. „Die Mitarbeiter entscheiden sich freiwillig für einen Einsatz dort“, so die Sprecherin.

Sie würden vor der Abreise geschult, das Unternehmen stehe sowohl mit den Mitarbeitern als auch der deutschen Botschaft vor Ort in regelmäßigem Kontakt.

Die Lufthansa Group erstelle Risikoanalysen und -bewertungen und spreche ihren Mitarbeitern auf dieser Grundlage Sicherheitsempfehlungen aus. Dies gelte für eine Vielzahl von Ländern weltweit, darunter auch arabische Länder. Generell könne jedes Crew-Mitglied nach einem Gespräch mit dem Vorgesetzten Flüge in bestimmte Länder – zum Beispiel mit homophoben Gesetzen – verweigern.

Auch die Airlines der Lufthansa Group – dazu gehört auch Eurowings – bieten keine Flüge nach Brunei an.

Tuifly hat keine Mitarbeitervereinbarung

Da Tuifly keine Langstreckenflüge anbietet, ist Brunei kein Ziel. Außerdem habe die Airline weder ein Vertragsverhältnis für Mitarbeiterreisen mit Brunei noch Piloten, die im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung im Sultanat tätig seien, sagt Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt dem reisereporter. 

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