10 Tipps, mit denen deine Reise nachhaltiger wird | reisereporter.de

10 Tipps, mit denen deine Reise nachhaltiger wird

Die Deutschen sind große Umweltsünder, wenn es um das Reisen geht. Wer nicht auf die Ferne verzichten möchte, kann mit ein paar Tipps zur Nachhaltigkeit bei Mensch, Tier, Natur und Klima beitragen. 

Wer die Welt zu Fuß erkundet, ist achtsamer.
Wer die Welt zu Fuß erkundet, ist achtsamer.

Foto: imago/Photocase

1. Nutze alternative Verkehrsmittel

Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe sind die größten CO2-Schleudern. Der neue Trend geht hin zum Slow Travelling, dem langsamen Reisen. Deutschland liegt strategisch günstig, viele Ziele innerhalb Europas sind mit Zug und Bus erreichbar.

Wusstest du, dass man von Hamburg in nur acht Stunden und für 50 Euro mit dem Zug nach Warschau kommt? Außerdem gibt es einige Nachtzuglinien, dann kannst du auch das Geld für eine Nacht im Hotel sparen, etwa nach Spanien oder Russland – und bald auch nach Schweden.

Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal Bahn- und Fernbus-Websites zu checken, ehe du deinen nächsten Flug buchst. 

Wenn du etwas mehr Zeit zum Reisen hast, kannst du wunderschöne Ecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden! Inzwischen gibt es einige Weltreisende, die es vormachen, Inspiration gibt es etwa in den Blogs „Role the World“, „Rausgefahren“ oder „Anderswo in Afrika“ (der Film zur Radtour durch Afrika läuft aktuell in den Kinos). 

Das ist vielleicht ein wenig viel für den Anfang, aber allein in Deutschland gibt es fast 2.500 offizielle Radfernwege, die zu Sehenswürdigkeiten führen. Und auch wenn du anderweitig verreist, kannst du in vielen Ländern einfach ein Rad ausleihen und damit die Gegend erkunden. 

Wer allerdings nur wenig Zeit hat oder möglichst viel in kurzer Zeit sehen möchte, wird sich wahrscheinlich auch weiterhin einen Flug buchen. Doch auch mit Flug lässt es sich CO2-neutral reisen. Über Websites wie „Atmosfair“ oder „MyClimate“ lässt sich der CO2-Ausstoß kompensieren. 

2. Such dir Reiseziele in Deutschland und Europa

Traumhafte weiße Sandstrände in der Karibik, wilde Tiere im südlichen Afrika, Regenwald-Touren in Südamerika, Streetfood in Asien – die Reize sind überall. Wer Instagram oder Pinterest öffnet, wird mit Bilder von tollen, fernen Orten konfrontiert. Dabei gibt es viele paradiesische Orte auch in Europa! 

Sardinien hat weiße Traumstrände, in Rumänien lassen sich wilde Braunbären beobachten, auf den Kanaren warten Vulkane, Wale und Delfine lassen sich von Norwegens Küste aus entdecken. Schau nicht nur in die Ferne, sondern such dir schöne, besondere Ecken, die auch ohne Flieger erreichbar sind. 

Dünen auf Sylt
Die Insel Sylt ist einer der beliebtesten Ferienorte in Deutschland. Foto: imago images / blickwinkel

Kauf dir doch einfach mal einen Reiseführer für Deutschland oder stöbere im Internet, es gibt so viel zu entdecken – von Berlin und Hamburg über Neuschwanstein und Bodensee bis hin zu Wattenmeer und Moseltal. Wie viele der Highlights unserer Heimat kennst du schon?

3. Vermeide Müll

Immer wieder gibt es Meldungen von Stränden, die aufgrund von zu viel Müll gesperrt werden, ständig verenden Tiere wegen des Abfalls, der im Meer landet. Jeder kann dazu beitragen, dass Natur und Tierwelt erhalten bleiben. Einige Länder sind Deutschland auch Voraus: In Neuseeland, Kenia, Chile und Ruanda sind Plastiktüten beispielsweise komplett verboten

Eine erste Idee ist, darauf zu achten, wo man einkauft und wie die Ware verpackt ist. Wer im All-inclusive-Hotel Urlaub macht, kann Mehrwegbecher besorgen, anstatt für jedes Getränk einen neuen Plastikbecher zu benutzen. Vor allem Kleinteile sind gefährlich, da sie durch den Wind schnell verwehen: Zahnseide-Sticks, Strohhalme, Zigaretten. 

Generell ist ein erster Ansatz, immer Mülleimer zu verwenden, einen Ort immer so (oder besser) zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat, und Mehrwegbeutel zum Einkaufen mitzunehmen. Inzwischen gibt es auch viele Reisende, die jeden Tag drei bis zehn Stück Müll aufsammeln und entsorgen oder dabei helfen, Strände zu säubern

4. Sharing Is Caring

Muss es wirklich die riesige Villa sein? Der Jeep für dich allein? Wer teilt, spart Ressourcen. Second-Hand- und Flohmärkte, Couchsurfing oder Mitfahrzentralen verfolgen dieses Prinzip erfolgreich.

Wenn du ein Auto mietest, wieso nicht noch jemanden mitnehmen? Und beim Couchsurfing gibt es nicht nur gratis ein Bett, du lernst auch Einheimische und damit die Kultur und Lebensweise des jeweiligen Landes kennen. Von solch einer Begegnung profitieren Gast und Gastgeber. 

Wer nicht direkt sein Bett teilen möchte, findet genügend andere Dinge: Vielleicht kannst du beispielsweise den Sonnenschirm eines Abreisenden übernehmen, statt dir einen neuen zu kaufen? 

5. Iss regionale und saisonale Lebensmittel

Anbau und Transport von nicht regionalen oder nicht saisonalen Lebensmitteln verbrauchen viele Ressourcen. Dabei werden Unmengen von Treibhausgas produziert – das betrifft auch die Massentierhaltung. Dabei schmecken frische, lokal geerntete Produkte doch ohnehin viel besser! Wie wäre es also mit einem Ausflug auf einen lokalen Markt?

Wer sich in fremde Länder begibt, sollte auch in fremde Küchen eintauchen. Was erzählt mehr über Land und Kultur als die einheimische Küche? Und nahezu überall kannst du dabei auch ein neues Leibgericht finden. Im Gegensatz zu beispielsweise Fastfood-Ketten verdienen dann auch oft Einheimische mit dir Geld.

6. Geh sparsam mit Trinkwasser und Energie um

Bei uns in Deutschland ist es völlig normal, dass Trinkwasser aus dem Wasserhahn kommt. Man muss einfach nur aufdrehen und kann trinken, duschen, baden, Wäsche waschen und mehr. Eigentlich ist es aber ein Privileg, denn Trinkwasser ist in vielen Gebieten weltweit knapp

Schon mit kleinen Tricks lässt sich der Wasserverbrauch reduzieren – und das nicht nur im Urlaub: Etwa indem du beim Zähneputzen und beim Einseifen in der Dusche das Wasser abdrehst oder deine Klamotten nicht nach ein paar Stunden Tragen in die Waschmaschine steckst – auch Handtücher und Bettwäsche müssen vielleicht nicht täglich gewechselt werden. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Strom, auch hier gibt es ein paar Basics, die sich prima im Alltag einbauen lassen. Etwa elektrische Geräte abzustellen, wenn sie nicht in Benutzung sind, das Licht auszuschalten, wenn du den Raum verlässt, oder aber Klimaanlagen, Ventilatoren und Co. nicht laufen zu lassen, wenn du nicht im Zimmer bist. 

7. Meide die Touristen-Hotspots

Touristen-Hotspots, die völlig überlaufen sind, sind meistens nicht gut für Natur und Umwelt. Denn hier halten sich so viele Menschen auf, die so viele Spuren hinterlassen, dass sich Ressourcen nicht erholen können. Oft ziehen solche Massentourismus-Orte auch Einheimische an, die Geld verdienen wollen, ganze Strukturen werden so verändert. 

Massentourismus führt auch häufig zu rücksichtslosem Verhalten: Um den besten Blick zu erhaschen, wird abseits der Wege gegangen, um das beste Foto zu bekommen, nah an die Klippe. Etliche Orte haben Probleme mit dem Müll, den Touristen hinterlassen

Bestes Beispiel: die Trolltunga in Norwegen. Einst war sie ein anstrengendes, besonderes Ausflugsziel. 28 Kilometer zu Fuß bergauf, bergab, über Steine und Felsen, durch Bachläufe und Wiesen.

Heute schleppen sich derart viele Besucher dorthin, dass Aufräumtrupps unterwegs sind, gegen Menschen vorgegangen wird, die im Naturschutzgebiet Zelte aufschlagen, und das Anstehen für das berühmte Foto bis zu drei Stunden dauert. 

8. Bleib auf den Wegen

Das Ökosystem ist sensibel. Einmal draufgetreten, kann es für Jahrzehnte und Jahrhunderte zerstört sein. Das gilt für das Korallenriff genauso wie für den Nationalpark, den Wald oder andere Naturgebiete. In den meisten Anlagen gibt es bereits angelegte Wege oder zumindest Trampelpfade. Zum Schutz der Tiere und der Natur solltest du auf diesen bleiben. 

In Island wurden erst kürzlich einige Wege zum Skogáfoss gesperrt, weil so viele Menschen dort neben den Wegen gingen, dass die Natur zerstört wurde. 

Noch schlimmer wird das Ökosystem geschädigt, wenn es nicht mehr um unmotorisierte Reisende geht, sondern mit dem Auto offroad gefahren wird. Die Reifen hinterlassen Spuren, die Leben zerstören können. Deshalb sollten Autos auf dafür vorgesehenen Straßen fahren und auf Parkplätzen, nicht auf Feldern oder Wiesen parken. 

Wege am Skogafoss werden gesperrt
Oberhalb des Wasserfalls Skógafoss wurden Wege für Besucher gesperrt, da die Natur entlang der Wege nachhaltig geschädigt wurde. Foto: imago images / Seeliger

9. Schau (wilde) Tiere nur an

Elefantenreiten in Thailand, Tiger-Selfie in Indien, Orcashow auf Teneriffa, Löwen-Babys streicheln in Südafrika, Seestern-Selfies in der Karibik: All das sind Dinge, die bei vielen Menschen auf der Bucket-List stehen. Allerdings lohnt es sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, denn meistens steckt ein schlimmes Tierschicksal hinter der Attraktion. 

Elefanten werden misshandelt und gebrochen, damit Touristen auf ihnen reiten können, Tiger werden sediert und bekommen die Krallen entfernt, damit keine Gefahr für Touristen besteht, Orcas werden auf zu engem Raum gehalten, Löwen-Babys später im Alter in privaten Jagdreservaten zur Trophäenjagd ausgesetzt, und Seesterne verenden qualvoll, wenn du sie aus dem Wasser nimmst. 

Einem bettelnden Affen einen Keks geben, beim Schnorcheln Fische mit Futter anlocken? Auch das ist nicht nachhaltig. Das Fressverhalten der Tiere wird langfristig verändert. Außerdem verträgt der Körper in der Regel nur Nahrung, die direkt vor Ort verfügbar ist. 

Wer einmal mit Wildtierhütern zu tun hatte, wird einen Satz oft hören: „Kein wildes Tier darf angefasst werden.“ Wer das befolgt, wird sich noch lange an einer atemberaubenden Tierwelt erfreuen dürfen. 

10. Verteile nicht einfach so Geschenke

Geschenke sind ein schwieriges Thema. Gastgeschenke etwa für Menschen, die einen bei sich wohnen lassen, sind vollkommen in Ordnung und drücken Wertschätzung aus. Schwierig wird es, wenn – vor allem in Entwicklungsländern – Geschenke und Essen einfach so an Fremde verteilt werden. 

Die Geschenke kommen oft aus Deutschland, ein paar Stifte oder Kuscheltiere für die armen Kinder. Was gut gemeint ist, ist nicht unbedingt gut gemacht. Denn jedes Land hat eine einheimische Wirtschaft, wird der Markt mit günstigen oder kostenlosen Waren überschwemmt, bricht das System zusammen. So müssen Einheimische ihre Geschäfte bald wieder aufgeben. 

Außerdem tragen diese Geschenke nicht unbedingt zur Selbstständigkeit bei. Kinder betteln lieber, als zur Schule zu gehen, und begeben sich damit in ein Abhängigkeitsverhältnis. Bei Süßigkeiten ist das Problem oft, dass Kinder keine Chance auf Zahnhygiene haben und ohnehin unausgewogen ernährt sind. Ein Bonbon hat damit eine andere Auswirkung als hierzulande. 

Wenn du gern spenden möchtest, kannst du vor Ort bei Schulen, Kindergärten oder anderen sozialen Projekten nachfragen, was gebraucht wird. Meistens lassen sich Waren günstig vor Ort kaufen.

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