Schweden: Das darfst du auf Gotland nicht verpassen | reisereporter.de

Schweden: Das darfst du auf Gotland nicht verpassen

Bizarre Felsformationen, Kirchen ohne Dach: Gotland bricht mit dem typischen Schwedenbild – zumindest bis zum nächsten Holzhaus. Nur einer der Gründe dafür, warum die Insel ein „Top Place 2019“ ist.

Die mittelalterliche Hansestadt Visby ist nur einer der vielen sehenswerten Orte auf der schwedischen Insel Gotland. Die gut erhaltene Stadtmauer ist nicht der einzige Blickfang. Bei vielen Reisenden ist der Hauptplatz Stora Torget, an dem viele Cafés liegen, sehr beliebt.
Die mittelalterliche Hansestadt Visby ist nur einer der vielen sehenswerten Orte auf der schwedischen Insel Gotland.

Foto: blickwinkel/imago

Kirchen ohne Dach, aber mit Seele

In einem der am wenigsten kirchlichen Länder der Welt Kirchen als Sehenswürdigkeit zu empfehlen, klingt im ersten Moment widersprüchlich. Kirchtürme und Ruinen gehören aber einfach zum Bild von Schwedens größter Insel Gotland.

Allein in der Hauptstadt Visby steht ein gutes Dutzend mittelalterlicher Gotteshäuser. Auf der gesamten Insel sind es sogar fast 100. Nicht alle von ihnen sind verfallen; diejenigen, die es sind, haben aber den größten Charme.

In besonderem Licht erstrahlen die Kirchen von Visby jedes Jahr in einer Woche im August. Dann ziehen Ritter und Minnesänger durch die kopfsteingepflasterten Gassen, preisen Marktleute ihr Handwerk, Schmuck und Stoff an. In vielen Ruinen erklingen mittelalterliche Töne bei Konzerten, oder sie verwandeln sich in schummrig beleuchtete Picknicksäle.

An einem Wochenende im Dezember werden die Nächte noch einmal von Lagerfeuern und den Erinnerungen an den August erwärmt: Dann findet das Mittelalterwochenende in Visby statt.

Kirchtürme und die Ruinen davon gehören zum typischen Stadtbild von Visby.
Kirchtürme und die Ruinen davon gehören zum typischen Stadtbild von Visby. Foto: Maike Geißler

Spuren von Pippi Langstrumpf

Am besten lassen sich die verwinkelten Gassen der Inselhauptstadt Visby bei einem Spaziergang ohne Plan und ohne Ziel erkunden. Nur für eine besondere Gasse sollte ein Stadtplan zurate gezogen werden: um die Fiskegränd zu finden.

Auf den ersten Blick ist sie nicht anders als die anderen Straßen der Altstadt. Aber sie hat eine süße Vergangenheit: Dort wurden nämlich die Szenen aus dem Pippi-Langstrumpf-Film „Pippis neue Freunde“ gedreht, in denen sie den halben Süßigkeitenladen leer kauft.

Gotland ist für Fans des stärksten Mädchens der Welt das richtige Reiseziel. In der Nähe von Visby steht auch die Villa Kunterbunt, oder die Villa Villekulla, wie sie auf Schwedisch genannt wird. Pippis farbenfrohes Zuhause ist allerdings hinter dem Zaun des Freizeitparks Kneippbyn versteckt, wo es originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Für Kinder ist der Besuch bestimmt ein tolles Erlebnis, ansonsten ist Kneippbyn ein Freizeitpark wie jeder andere – ziemlich touristisch.

In der Fiskegränd in Visby wurden Szenen für den Film "Pippis neue Freunde" gedreht.
In der Fiskegränd in Visby wurden Szenen für den Film "Pippis neue Freunde" gedreht. Foto: United Archives/imago

Zuckertraum im Bonbongeschäft

Ein Muss in Visby ist der Besuch des Karamellboden. Das ist nicht nur ein Café, sondern auch ein Bonbongeschäft. In dem herrlich altmodischen Laden gibt es jede Menge zuckersüße Kleinigkeiten. Es würde nicht überraschen, wenn jeden Moment Pippi Langstrumpf und ihre Freunde höchstpersönlich um die Ecke schauen würden. Nebenan gibt es ein ebenso zauberhaftes Café, in dem Zuckerschnuten alles bekommen, was ihr Herz begehrt.

Die inseltypische Spezialität auf Gotland ist übrigens Safrankuchen. Der Nachtisch wird oft als gelbe, fluffige Quadrate mit Marmelade und Schlagsahne serviert – auch im Café Karamellboden. Auf Schwedisch heißen sie „pannkakor“, also Pfannkuchen, weil sie in einer Pfanne im Ofen gebacken werden.

Wer allerdings deutsche Pfannkuchen erwartet, wird enttäuscht: Die Safrankuchen sind daumendick, etwas wässrig und weniger süß, als man denken könnte. Mit Zimtschnecken und einer guten Tasse Filterkaffee können Reisende in Schweden dagegen nie etwas falsch machen – auch nicht auf Gotland.

Wer Gotland besucht, sollte die Inselspezialität nicht verpassen: den Safrankuchen. Der schmeckt übrigens besonders gut im Café Karamellboden.
Wer Gotland besucht, sollte die Inselspezialität nicht verpassen: den Safrankuchen. Der schmeckt übrigens besonders gut im Café Karamellboden. Foto: Leonie Greife

Felsgesichter auf Fårö

Wellen und Wind statt Hammer und Meißel: Die Kalksteinfelsen der vorgelagerten Insel Fårö wurden in Jahrhunderten von der Gewalt der Natur geformt. Wie mächtig die sein kann, zeigen die bizarren Formationen ziemlich eindrucksvoll. Sie machen die Insel zu einem perfekten Ausflugsziel. Urlauber, die mit einem Mietwagen den Norden von Gotland erkunden, setzen von Fårösund, dem nördlichsten Ort der Insel, mit der Fähre nach Fårö über.

Sich auf dem steinigen Strand die Haare zerzausen zu lassen und in den Felsen (auf Schwedisch: Raukar) nach Gesichtern zu suchen ist unbeschreiblich entspannend und inspirierend. Das fand wohl auch der schwedische Regisseur Ingmar Bergman. Er kam einst für Dreharbeiten auf die Insel aus Kalkstein und sagte über seine erste Begegnung: „Es ist, als hätte ich meine Heimat, meine wirkliche Heimat gefunden. Oder anders gesagt: Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Kein Wunder, dass er Stockholm schließlich hinter sich ließ und die letzten Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 2007 bei dieser Liebe verbrachte. Urlauber können auf Fårö Drehorte von Bergmans Filmen und Serien, sein ehemaliges Zuhause und sein Grab besuchen.

Die bizarr geformten Kalksteinfelsen auf der vorgelagerten Insel Fårö sind einen Besuch wert.
Die bizarr geformten Kalksteinfelsen auf der vorgelagerten Insel Fårö sind einen Besuch wert. Foto: Leonie Greife

Entschleunigung auf der Fähre

Viele Wege führen von Stockholm nach Gotland. Die skandinavischen Fluggesellschaften SAS und Braathens Regional Airways bringen Urlauber beispielsweise in nur 40 Minuten von hier aus auf die Insel. Es lohnt aber, sich schon bei der Anreise Zeit zu lassen. Statt also in ein Flugzeug zu steigen, sollten Reisende lieber einen Zug von der schwedischen Hauptstadt nach Nynäshamn nehmen. Von dort verkehren Fähren nach Visby.

Diese Art der Anreise dauert zwar wesentlich länger, da allein die Fährfahrt rund vier Stunden in Anspruch nimmt, dafür können Reisende von Bord des Schiffs den Ausblick auf die Schären genießen. Wie kleine Buckelwale liegen glatt gespülte Felsen an der Meeresoberfläche. Auf einigen wachsen kleine Wälder, in denen sich rote Schwedenhäuschen verstecken.

Mit dem gemächlichen Reisetempo geht der Urlaub schon während der Anreise los. Auch, weil man dadurch mehr Zeit hat, sich auf einen der sonnenreichsten Orte des Landes zu freuen. Und auf die größte Insel Schwedens – nicht nur ihrer Fläche wegen.

Der Weg ist das Ziel: Wer mit einer Fähre nach Gotland fährt, kommt auf die schönste Art auf die Insel.
Der Weg ist das Ziel: Wer mit einer Fähre nach Gotland fährt, kommt auf die schönste Art auf die Insel. Foto: Leonie Greife

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