Bye England-Urlaub? Das würde ein harter Brexit für Reisende bedeuten

Harter Brexit: Was das für den England-Urlaub bedeuten würde

Bis zum 31. Oktober will Großbritannien eigentlich aus der EU austreten, doch das wird immer unwahrscheinlicher. Was würde ein No-Deal-Brexit für Reisende bedeuten? Der reisereporter liefert Antworten.

Was würde ein „No Deal“-Brexit für die Städtereise nach London bedeuten? Auf Reisende kommen Änderungen zu.
Mal eben eine Städtereise nach London? Bei einem „No Deal“-Brexit kommen auf Reisende Änderungen zu.

Foto: unsplash.com/Benjamin Davies

Das Brexit-Drama reißt nicht ab: Am 31. Oktober sollte Großbritannien eigentlich aus der EU austreten – doch, dass es wirklich dazu kommt, wird immer unwahrscheinlicher. EU-Ratspräsident Donald Tusk will den übrigen EU-Ländern nun empfehlen, einen erneuten Aufschub für London abzusegnen, berichtet das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.

Einer Verschiebung der Brexit-Frist müssen alle übrigen EU-Mitgliedsstaaten zustimmen, möglich wäre beispielsweise der 31. Januar 2020 als neuer Stichtag. Einen Aufschub bis zu diesem Tag hat Boris Johnson im Zuge eines im September verabschiedeten Gesetzes bereits beantragt. Das Gesetz soll einen sogenannten harten oder „No Deal“-Brexit verhindern.

Trotzdem bleibt der harte Brexit eine Möglichkeit, sollte die EU einer weiteren Verlängerung nicht zustimmen. Da ein solches „No Deal“-Szenario aus Sicht der EU bereits im März immer wahrscheinlicher wurde, gab es offizielles Infomaterial für Urlauber. Darin klärt die Europäische Kommission Reisende über Extra-Kosten, Visa, Roaminggebühren und Krankenversicherungen auf.

Das müssen England-Urlauber wissen:

Brauchen England-Urlauber nach dem Brexit ein Visum?

Dass Urlauber künftig für Großbritannien ein Visum brauchen, ist erst einmal unwahrscheinlich – auch bei einem „No Deal“. Das britische Parlament hat mitgeteilt, dass EU-Bürger bis zum 31. Dezember 2020 gegen Vorlage eines gültigen Personalausweises oder eines Reisepasses einreisen dürfen. Mit einem biometrischen Reisepass kann die Einreise auch über die sogenannten E-Gates erfolgen.

„Die EU-Bürger werden auch in der Lage sein, für kurze Aufenthalte ohne Visum in das Vereinigte Königreich einzureisen“, heißt es auf der Website der britischen Regierung. Mit „kurz“ sind Reisen bis zu drei Monate gemeint. Wer länger bleiben will, soll nach aktuellem Stand ein Visum benötigen.

Nach dem 31. Dezember 2020 wird die Einreise mit dem Personalausweis dann nicht mehr möglich sein.

Was ist nach dem Brexit mit den Passagierrechten?

Was ist, wenn zum Beispiel der Flug verspätet ist oder ganz ausfällt? Können Passagiere dann weiterhin Entschädigungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung beantragen?

Antwort: Ja, wenn Fluggäste mit einer EU-Airline fliegen, sind sie sowohl auf Flügen von der EU nach Großbritannien als auch in die andere Richtung durch die EU-Fluggastrechte geschützt. 

Wenn sie aber mit einer Nicht-EU-Airline fliegen, dann gelten die Rechte nur auf den Flügen aus der Europäischen Union nach Großbritannien, nicht aber auf dem Rückflug.

Gleiches gilt auch für Schiffreisen, Bus- und Zugfahrten.

Wie sähe es mit den Fluggastrechten nach einem Brexit aus?
Wie sähe es mit den Fluggastrechten nach einem Brexit aus? Foto: imago/Rüdiger Wölk

Ist mein Flugticket nach dem Brexit noch gültig?

Flugtickets nach Großbritannien oder zurück bleiben auch nach dem Datum des EU-Austritts gültig. Allerdings sollten Passagiere immer die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline lesen, bevor sie einen Flug buchen.

Darin sind die Gültigkeit der von den Fluggesellschaften ausgestellten Tickets sowie die Bedingungen für die Erstattung im Falle einer Stornierung erläutert.

Gelten nach dem Brexit wieder Roaming-Gebühren?

Das Telefonieren, Surfen oder SMS-Schreiben wird nach einem harten Brexit teurer. Anbieter sind dann im Vereinigten Königreich nicht mehr an die EU-Roamingregeln gebunden. Das heißt, dass sie wieder Roaming-Gebühren erheben können.

Wir wirkt sich der Brexit aufs Gepäck aus?

Wer ins Vereinigte Königreich ein- oder aus ihm ausreist, sollte mit Zollkontrollen rechnen. Bestimmte Waren dürfen nicht oder nur in begrenzten Mengen mitgeführt werden. Das gilt zum Beispiel für tierische Produkte wie rohes Fleisch, Schinken, Wurst, Milch oder Käse sowie für Bargeld über 10.000 Euro und bestimmte Pflanzen und Tiere.

Damit der steigende Kontrollaufwand gestemmt werden kann, sollen nach aktuellem Stand 20 neue Grenzkontrollpunkte eingerichtet werden. 

Gilt die europäische Krankenversicherung nach dem Brexit noch?

Nach einem „No Deal“-Brexit würde die europäische Krankenversicherungskarte nicht mehr gelten. Daher sollten sich alle Reisenden bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob medizinische Notfallkosten in einem Nicht-EU-Land erstattet werden. Wenn nicht, sollten Urlauber vor der England-Reise eine private Reisekrankenversicherung abschließen, rät die EU-Kommission.

Gilt nach dem Brexit mein deutscher Führerschein?

Ein wichtiges Thema für einen Roadtrip durch Großbritannien: Werden Führerscheine aus einem EU-Land nach einem harten Brexit in dem Land gültig sein, oder müssen Reisende einen internationalen Führerschein dabeihaben?

Tatsächlich hängt das vom britischen Recht ab. Das Vereinigte Königreich hat jedoch angekündigt, dass Reisende weiterhin mit einem gültigen EU-Führerschein fahren können.

Hat der Brexit Auswirkungen auf das Reisen mit Tieren?

Wenn du mit Hund, Katze oder einem anderen Tier aus der EU nach Großbritannien reist, solltest du prüfen, welche Anforderungen das Land stellt. Eventuell brauchst du einen besonderen Reisepass und ein Gesundheitszertifikat für das Tier. 

Du hast noch mehr Fragen zu den Konsequenzen eines „No Deal“-Brexits? Dann kannst du eine neue und kostenlose Hotline anrufen: 00800/67891010. Geht auch per Kontaktformular.

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