Sambia: Afrikas schönstes Geheimnis für Abenteurer

Sambia: Afrikas schönstes Geheimnis für Abenteurer

Sambia steht nicht auf deiner To-travel-Liste? Wenn du Abenteuer und Safaris liebst, solltest du das unbedingt ändern. reisereporter Johannes nimmt dich mit auf eine Reise in das Land im südlichen Afrika. 

Johannes Dieterich
Im „Track & Trail“-Camp kann dir durchaus mal ein Elefant über den Weg laufen.
Im „Track & Trail“-Camp kann dir durchaus mal ein Elefant über den Weg laufen.

Foto: Johannes Dieterich

Hand aufs Herz: Schon mal von Sambia gehört? Wenn nicht, kann das zwei Gründe haben. Erstens: Du machst dir nichts aus entlegenen Orten, an denen du abends dein Zelt neben einem Fluss, etwa dem Luangwa, aufstellst, in dem mehr als 100 Nilpferde grunzen, gähnen, planschen oder prusten. Wenn sie stillhalten würden, könntest du den Fluss zu Fuß auf ihrem Rücken überqueren.

Oder du kriegst es mit der Angst zu tun, wenn du denselben Fluss mit deinem wertvollen Jeep auf einer Fähre überqueren musst, die lediglich aus ein paar zusammengebundenen Baumstämmchen besteht und nur deswegen nicht abgetrieben wird, weil sie von einem rostigen, über das Gewässer gespannten Stahlseil festgehalten wird.

Der Moment, wenn dein Jeep auf einer Fähre aus ein paar zusammengebundenen Baumstämmchen den Luangwe überqueren soll…
Der Moment, wenn dein Jeep auf einer Fähre aus ein paar zusammengebundenen Baumstämmchen den Luangwe überqueren soll… Foto: Johannes Dieterich

Sambia: Willkommen in Abenteuerland

Wenn dich das aber nicht schreckt, sondern erst richtig glücklich macht, dann gibt es keinen guten Grund, warum du Sambia nicht kennst – aber viele gute Gründe, dass du das schleunigst ändern musst. Denn das Land in der nördlichen Mitte des südlichen Afrikas ist wohl eines der bestgehüteten Geheimnisse für abenteuerlustige Allrad-Fans, Naturfreaks, Elefanten-Liebhaber und Wildtierfotografen.

Schon einmal von David Livingstone gehört? Der Afrika-Forscher hielt sich einen Großteil seiner Reisen im heutigen Sambia auf, um die Nil-Quellen zu finden. Die Suche endete erfolglos.

Stattdessen „entdeckte“ der Missionar am 16. November 1855 eines der sieben Naturwunder unserer Welt: Die Victoriafälle, über die pro Minute bis zu 550 Millionen Liter Wasser über 100 Meter in die Tiefe donnern – die einheimischen Lozi nennen den Gischt speienden Wasserfall den „donnernden Rauch“.

Das atemberaubende Naturspektakel bildet heute die Grenze zwischen Simbabwe und Sambia: Seit Simbabwe von einem Wirtschaftskollaps in den anderen torkelt, spricht alles dafür, die Fälle von ihrer sambischen Seite aus zu besuchen.

Die Victoria Falls Bridge überspannt den Sambesi direkt unterhalb der Victoriafälle.
Die Victoria Falls Bridge überspannt den Sambesi direkt unterhalb der Victoriafälle. Foto: Johannes Dieterich

Dort gibt es zahlreiche Multi-Sterne-Hotels, Lodges oder Campingplätze, die entweder direkt am mächtigen Sambesi oder im nahe gelegenen Städtchen liegen, das – wer hätte es gedacht – Lvingstone heißt.

Ein Narr, wer es bei seinem Sambia-Besuch bei einer Visite des donnernden Naturwunders bewenden lässt: Der Staat von der doppelten Größe Deutschlands hat so viel mehr zu bieten.

Jede Safari in Sambia ist atemberaubend

Selbst nach der dritten 4×4-Safari durch das Überraschungsland habe ich noch längst nicht alle seine Schätze kennengelernt, war weder im Kafue-Park, dem zweitgrößten Wildtierreservat Afrikas, noch habe ich bislang miterlebt, wie der König der Lozi seinen Wohnsitz wechselt – zweimal im Jahr mit allem Pomp und auf zahllosen Booten über den Sambesi.

Dafür kenne ich den Luangwa-Park ganz gut, der in einen Süd- und einen Nordteil unterschieden wird. Wenn du abends auf der Terrasse des „Track & Trail“-Camps im Süden des Wildreservats sitzt, kann es passieren, dass plötzlich eine afrikanische Fischeule geräuschlos neben dir im Baum Platz nimmt und neidisch dein Kudu-Steak beäugt.

Im „Track & Trail“-Camp kann dir durchaus mal ein Elefant über den Weg laufen.
Im „Track & Trail“-Camp kann dir durchaus mal ein Elefant über den Weg laufen. Foto: Johannes Dieterich

Wenn du dich später zum Schlafen in deine Hütte oder auf den Campingplatz zurückziehen willst, musst du einen der eigens dafür abgestellten Guides in Anspruch nehmen: Denn leicht kann es passieren, dass dir mitten im Camp in der Dunkelheit ein Elefant den Weg versperrt.

Am nächsten Tag und nicht weit von „Track & Trail“ entfernt (im Süden des Parks sind Lodges in allen Preisklassen zu finden) kannst du dann folgende Szene erleben: Mehrere Dutzend Flusspferde dösen am sandigen Ufer des Luangwa ihrer Gewohnheit entsprechend in der Sonne, als ein kleines Vöglein angeflogen kommt und sich auf den Rücken eines Hippos setzt.

Das vierbeinige Fass erschreckt und macht zwei Schritte zur Seite: Seine ruckartige Bewegung führt zu einer wilden Flucht. Dutzende von massigen Leibern rasen in erstaunlichem Tempo in Richtung Wasser – und lösen darin angekommen einen Tsunami aus.

Am Fluss trinkende Zebras brechen aufgeschreckt in die Büsche zurück, Ibisse stoßen ihre krächzenden Alarmrufe aus, eine Horde Paviane flieht kreischend auf die Bäume. So hat ein winziges Vögelchen in null Komma nichts die majestätische Ruhe in hektisches Chaos verwandelt – fast wie im wirklichen Leben.

Ist schon der Süden des Parks ein Paradies für Individualisten, so wird dies vom nördlichen Eden für Eremiten noch übertroffen.

Über eine kleine Agentur, „Remote Africa Safaris“, kannst du Campsites buchen, die meist am Ufer des Luangwa liegen und einsamer nicht ausfallen könnten: Die Agentur stellt sicher, dass die romantischen Orte höchstens von einer Gruppe angesteuert werden.

Auf Safari in South Luangwa.
Auf Safari in South Luangwa. Foto: Johannes Dieterich

Die von jungen Einheimischen gemanagten Camps verfügen über Feuerstellen und Toiletten – für Warmduscher machen die Gastgeber sogar Wasser auf dem Holzfeuer warm. Da die Plätze nicht abgezäunt sind, kann es passieren, dass am nächsten Morgen ein paar Elefanten neben deinem Fahrzeug stehen, meist ohne böse Absicht.

Der Weg vom Süden in den Norden des Parks führt durch den äußersten Osten Sambias: „l’Afrique profonde“, wie Franzosen das ländliche Afrika aus dem Bilderbuch nennen – stromlose Lehmhüttendörfer und Frauen, die ihre Wassereimer kilometerweit auf dem Kopf nach Hause tragen müssen.

Mit dem Handy auf Termitenhügeln: Die Suche nach dem Netz

Hier kommen Kinder einen halben Kilometer angerannt, wenn sie ein Auto hören, und probieren ihre in der Schule gelernten Sätze wie „Good Morning. How are you?“ aus. Die Mutigen unter ihnen fragen nach einem Kugelschreiber oder nach einem Buch zum Lesen.

Junge Männer stehen mit ausgestrecktem Arm und Handy in der Hand auf Termitenhügeln: Sie sind auf der Suche nach dem Mobilfunksignal, das es nur in „Höhenlagen“ gibt. Selbstverständlich suchst du unter solchen Umständen auch Wegweiser zur Fähre vergeblich, die dich über den Luangwa bringen soll. Findest du sie nicht, musst du einen zwei Tage langen Umweg fahren.

Nach einer zweistündigen Jagd mit dem GPS und der ansonsten weitgehend zuverlässigen „Tracks 4 Africa“-App haben wir die Fähre schließlich gefunden.

Ein Zelt am Rand des Reservats oder doch lieber eine Lodge?

Im nördlichen Luangwa-Park gibt es mehrere Luxus-Lodges für rund 500 US-Dollar die Nacht – wer ökonomischer unterwegs ist, muss sein Zelt am Rand des Reservats aufschlagen oder die rund 100 Kilometer weite Strecke zur westlich des Parks gelegenen „Kapishya Hot Springs Lodge“ zurücklegen.

Ihr Besitzer Mark Harvey ist der Enkel des britischen Offiziers Steward Gore-Browne, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts ins damalige Nordrhodesien beordert wurde, um die Grenze des britischen Kolonialgebiets zu markieren. Der Offizier verliebte sich in den malerischen Shiwa-See mit seiner fruchtbaren Umgebung, kaufte 10.000 Acres (rund 4000 Hektar) für fünf Schillinge pro Hektar und errichtete ein herrschaftliches Gutshaus, das noch heute Eindruck schindet.

Überraschenderweise setzte sich Sir Steward für die Unabhängigkeit Sambias vom britischen Empire ein, die 1964 schließlich auch gewährt wurde – was seinen Enkel nicht davon abhält, die Kolonialzeit Abend für Abend beim Dinner in seiner Kapishya-Lodge wieder aufleben zu lassen.

Wem das koloniale Setting, die beflissene Dienerschaft und der Retro-Gesprächsstoff auf die Nerven gehen, kann sich in den von einer heißen Quelle gespeisten Pool hinter der Lodge legen – und den Schmerz der Welt vergessen.

Am nächsten Tag holt dich die Geschichte allerdings schon wieder ein. Denn der Weg von Harveys kolonialem Relikt zum nördlichsten Zipfel Sambias am Tanganjika-See führt am „Chambeshi Monument“ vorbei: dem mit Feldgeschütz und Gedenkstein markierten Ort, an dem Paul von Lettow-Vorbeck am 14. November 1918 die Waffen niederlegte.

Der Kommandeur der „Schutztruppe Deutsch-Ostafrikas“, dem heutigen Tansania, hatte erst drei Tage nach dem offiziellen Ende des Ersten Weltkriegs von der Kapitulation in seiner Heimat erfahren: Er war der einzige deutsche Kommandeur, der im Krieg ungeschlagen blieb.

Afrikaner erinnern sich allerdings anders an ihn: Den Abenteuern des Offiziers, der teilweise eigenmächtig einen über vier Jahre langen Guerilla-Krieg gegen die britische Kolonialmacht führte, fielen zwar nur wenige Hundert deutsche Soldaten, aber Hunderttausende von Afrikanern zum Opfer. Sie wurden als Askaris, Träger, zivile Kriegsopfer oder von der spanischen Grippe weggerafft.

Auch die „MV Liembe“ könnte sich noch an den Ersten Weltkrieg erinnern: Als „Graf von Götzen“ musste das Kanonenboot damals die Grenze zum feindlichen Kongo auf dem Tanganjika-See überwachen.

Den Sonnenuntergang an der Isanga Bay erleben

Mehr als hundert Jahre später durchkreuzt der 71 Meter lange schwimmende Methusalem – inzwischen zweimal versenkt, geborgen und mehrmals restauriert – noch immer das Gewässer: Mit einem nicht ganz ernst zu nehmenden Fahrplan verbindet es den sambischen Anlegeort Mpulungu mit dem kongolesischen Zwischenstopp Kalemie und der tansanischen Hafenstadt Kigoma. 

Wer Glück hat, erwischt die „Liembe“ zufällig in Mpulungu (Vorausbuchungen sind sinnlos) und kann sich dann mitsamt Auto nach Kigoma bringen lassen. Wer Pech hat, muss sich an der sambischen Isanga Bay trösten – einem der betörendsten Orte des Kontinents.

In der Isanga Bay kannst du unter einer Palme einem Fischadler beim Jagen zuschauen.
In der Isanga Bay kannst du unter einer Palme einem Fischadler beim Jagen zuschauen. Foto: Johannes Dieterich

Vom Sandstrand der Isanga-Bay-Lodge aus kannst du unter einer Palme einem Fischadler beim Jagen zuschauen, mit zahmen Ottern im Süßwasser schwimmen und frühmorgens den Jubelgesängen der Fischersfrauen lauschen, deren Männer vom nächtlichen Fischzug mit einem reichen Fang heimgekehrt sind. 

In der Isanga Bay verschlägt es selbst den bösen Geistern aus der Geschichte die Sprache: Hier scheint es bloß noch Harmonie zu geben. Nur die Fische sehen das anders.

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