Nach diesem Horror-Wochenende haben 1.373 Menschen endlich wieder festen Boden unter den Füßen: Die „Viking Sky“ erreichte nach mehr als einem Tag in Seenot den Hafen von Molde. Unter extremen Wetterbedingungen wurde das Schiff mithilfe von Schleppern aus den gefährlichen Hustadvika-Gewässern manövriert.

Immer wieder musste die Evakuierung wegen der stürmischen See unterbrochen werden. Die „Viking Sky“ war auf dem Weg von Tromsø im Norden von Norwegen nach Stavanger im Süden, als der  Luxus-Dampfer am Samstag gegen 14 Uhr einen Notruf absetzte, nachdem der Motor plötzlich komplett ausgefallen war.

„Viking Sky“ erreicht sicheren Hafen von Molde nach mehr als 26 Stunden

Dutzende Rettungskräfte, darunter die Seenotrettung und das Rote Kreuz, waren seit Samstagmittag im Dauereinsatz. Das Schiff trieb bedrohlich nah an der Westküste Norwegens – die 1.373 Menschen an Bord, darunter 915 Passagiere mussten so schnell wie möglich vom Unglücksschiff geholt werden. Sie kamen überwiegend aus England und Amerika, auch zwei Deutsche waren unter ihnen. 

Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg bedankte sich bei den Einsatzkräften, die sich „unter anspruchsvollen Bedingungen unschätzbar bemüht haben“.

Auf dem Weg nach Molde beruhigte sich die tosende Nordsee. Mehr als 900 Menschen saßen noch immer auf dem Kreuzer fest, welche nach einer üblen Nacht im schaukelnden Schiff endlich knapp zwei Stunden vor Ankunft im Hafen die Rettungswesten ablegen durften. 

„Tolle Crew“, lobte Passagierin Alexus Sheppard den Einsatz der Besatzung. Noch am Tag zuvor erlebte die Kreuzfahrt-Reisende, wie das Schiff samt Menschen und Inventar durchgeschüttelt wurde.

Passagiere erleben Albtraum auf der „Viking Sky“

In ihren Videos war zu sehen, wie dramatisch es an Bord des Dampfers zuging. Das Luxus-Kreuzfahrtschiff glich einem Schlachtfeld: Möbel flogen durch die Gegend, Deckenteile krachten herunter, Menschen mussten sich an den Sesseln festkrallen, um nicht durch das Schiff geschleudert zu werden. 

„Ich hatte Angst. Ich habe noch nie so etwas Unheimliches erlebt. Ich fing an zu beten – ich bat um Sicherheit an Bord“, sagte eine andere Passagierin namens Janet Jacob dem Fernsehsender „NRK“​. Andere befürchteten sogar, dass das Schiff sinken würde.

Und es wurde noch schlimmer: Die Wellen prallten so heftig gegen das Schiff, dass im Restaurant, wo die Passagiere normalerweise speisen und durch bodentiefe Fenster den Blick aufs Meer genießen können, Wasser eindrang.

Der Wellengang war zeitweise so heftig, dass sich 17 Menschen an Bord verletzten, drei davon sogar schwer. Nachdem Boote wegen der Wetterlage das Schiff zum Retten der Passagiere nicht mehr anfahren konnten, flogen Helikopter zur Unglücksstelle.

In Kleingruppen wurden Passagiere und Besatzung nach und nach an Land gebracht. So setzten fast 500 Menschen bereits in der Nacht wieder einen Fuß aufs Land. Ebenfalls über Nacht konnten auch drei der vier Motoren des Kreuzfahrtschiffes wieder zum Laufen gebracht werden.

Die Evakuierung wurde gestoppt. Bei noch immer starkem Wellengang zogen zwei Schlepper die beinahe auf Grund gelaufene „Viking Sky“ in Richtung Molde, die Helikopter-Rettung setzte aus diesem Grund aus. Nach gut 26 Stunden sind alle Menschen sicher in Molde angekommen.

„Viking Sky“ ist erst seit dem Jahr 2017 im Einsatz

Die „Viking Sky“ gehört zur Reederei Viking Ocean Cruises und ist erst seit 2017 im Einsatz. 

Der Luxusdampfer ist gut 228 Meter lang und knapp 29 Meter breit. Auf neun Passagierdecks gibt es in 464 Kabinen Platz für insgesamt 930 Passagiere sowie 465 Besatzungsmitglieder. Besonders: Jede der Passagier-Kabinen hat einen Balkon.