Kolumbien: Jérico ist ein echter Insider-Tipp | reisereporter

Kolumbiens Geheimnis: Jericó ist ein echter Insider-Tipp

Inmitten von Kaffee- und Bananenplantagen, unweit von Medellín, befindet sich die wunderschöne Kleinstadt Jericó. reiseporterin Nadine war in der Stadt, die noch in kaum einem Reiseführer auftaucht.

Blick auf die katholische Kirche Santuario Santa Laura, Parroquia Corazón de María.
Ungefähr drei Stunden brauchst du mit dem Auto von Medellín nach Jericó. Die Gemeinde wurde um 1850 gegründet.

Foto: Nadine Wolter

Bunt bemalte Häuser, Männer mit traditionellen Sombreros der Paisas, der Kaffeebauern Kolumbiens, und ortseigene kulinarische Spezialitäten: Jericó im kolumbianischen Bundesstaat Antioquia wirkt so, als hätte es sich herausgeputzt für die Touristen – das hat das Dorf aber nicht.

In der 12.000-Einwohner-Stadt im Südwesten von Medellín fließt das Leben gemütlich vor sich hin. Von den wenigen Besuchern, die den Ort entdecken, zeigen sich die Einwohner unbeeindruckt. Man wird gegrüßt, als gehöre man dazu.

In kaum einem Reiseführer: Die kolumbianische Stadt Jericó

Dass es der Ort noch nicht in den über 380 Seiten starken deutschen Lonely-Planet-Reiseführer über Kolumbien geschafft hat, liegt wahrscheinlich daran, dass der 50 Kilometer entfernte Nachbarort Jardín sich selbst schon vor längerer Zeit zum „schönsten Dorf Kolumbiens“ ernannt hat und die Touristenmassen anzieht.

In Jericó hat man solche Angebereien nicht nötig und trinkt stattdessen lieber eine Tasse Tinto, schwarz aufgebrühten Kaffee, auf dem Marktplatz und lässt die Besucher die Schönheit der Kleinstadt ganz in Ruhe selbst erkunden. 

Die Erkundungstour beginnt mit einem Spaziergang durch die Gassen Jericós. Die Einwohner haben ihre Häuserfassaden akribisch bemalt, einige sind blau-pink, andere grün-gelb. Die Paisas, Einwohner der Region Kolumbiens, zu der Jericó gehört, mögen es offenbar gleichzeitig bunt und ordentlich.

Die Gassen in Jericó.
Die bunten Fassaden lenken dich vom anstrengenden Aufstieg ab. Foto: Nadine Wolter

An den botanischen Gärten der Kleinstadt endet der Spaziergang, durch die man zum Cristo-Redentor-Aussichtspunkt gelangt. Der Hügel mit dem christlichen Kreuz ist Treffpunkt für Paare und Jugendliche. Von hier hat man einen Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge, die zu weiteren Wanderung einladen.

Cerro las Nubes: Zwischen grünen Bergen über den Wolken wandern

Panorama von Jericó.
Dafür ist Kolumbien bekannt: Auch Jericó ist von massiven Bergen umgeben. Foto: Nadine Wolter

Wem der etwa 20-minütige Aufstieg auf den Stadthügel zu wenig war, der kann den Cerro las Nubes, den Hügel der Wolken, besteigen.

Aber Vorsicht: Der Name Hügel ist eine Untertreibung. Auf der etwa vierstündigen Wanderung legst du rund 600 Höhenmeter zurück und bist irgendwann so weit oben, auf 2.400 Metern, dass du inmitten der Wolken auf der Bergspitze wanderst – daher der Name des Berges.

Am schönsten soll es auf dem Cerro während des Sonnenuntergangs sein, doch auch vormittags ist die mittelschwierige Wanderung zu empfehlen. 

Ausblick vom Cerro.
Dünne Luft und schwere Beine wirken nach dem Aufstieg bei diesem Ausblick doch gleich weniger schlimm. Foto: Nadine Wolter

Ein Muss: Guter kolumbianischer Kaffee

Auch für diejenigen, die keine Lust auf Sport haben, bietet Jericó Alternativen. Das El Carriel Café auf dem Martkplatz, das nach intensiver Beobachtung der Hotspot für die Einwohner zu sein scheint, eignet sich sehr gut zum Menschenbeobachten.

Wer ein oder zwei Tinto oder Café con leche getrunken und den Alltag in der kolumbianischen Kleinstadt zu Genüge beobachtet hat, kann zu einer kulinarischen Stadttour aufbrechen. Im Restaurant La Gruta gibt es jeden Mittag ein anderes Menú del día, ein Tagesmenü, für umgerechnet unter vier Euro.

Danach geht es zum Nachtisch weiter: Das stadteigene Dessert „el postre jeriocoano“ bereitet die Familie von Roberto Ojalvo schon seit über einem Jahrhundert zu. Es wird in der Pizzeria de José verkauft und schmeckt wie ein saftiger, tropischer Weihnachtsstollen. 

„El postre jeriocoano“ besteht aus sieben verschiedenen Kuchen-Lagen, in denen unter anderem Papaya, Kokosnuss, Arequipe, eine Creme aus karamelisierter Milch, und Ananas vertreten sind. Außerdem ist es in Wein und Rum eingelegt. 

In der ältesten Bäckerei der Stadt, La Panaderia del Valle, geht es süß weiter: Hier werden Luisas gebacken, eine Art Blechkuchen, der in kleine Quadrate geschnitten wird und sich sehr gut in den Nachmittagskaffee tunken lässt. Irgendwo in der Stadt soll es zudem auch ein Kloster geben, in dem die Schwestern Wein herstellen und verkaufen. 

reisereporterin Nadine hat bei ihrer Recherche allerdings nur ein Kloster gefunden, bei dem die Nachfrage nach Wein auf Entrüstung gestoßen ist. Falls es jemandem jemals gelingt, Wein in Jericó zu kaufen, bittet sie daher um Zuschrift.

Authentische und preiswerte Küche gibt es in Jericó

Auch die Möglichkeiten zum Abendessen sind in Jericó dafür, dass der Ort kein Touristenzentrum ist, gut – wenn auch nicht so vielseitig und auf internationale Gäste ausgelegt wie im benachbarten Jardín. Dafür sitzen Touristen beim Abendessen zwischen Kolumbianern und zahlen auch die für Einheimische üblichen Preise. 

Kolumbianische Gelassenheit am Markplatz von Jericó.
Kolumbianische Gelassenheit am Markplatz von Jericó. Foto: Nadine Wolter

Im 2017 eröffneten Isabell Parilla hat man sich größte Mühe gegeben, das Restaurant im Vintage-Stil zu gestalten, und serviert Fast Food.

Jericó ist sehr sicher, sodass du auch abends durch die Gassen mit den bunt bemalten Häuserfassaden laufen kannst, bis du zwangsläufig wieder auf dem Marktplatz landest. Genauso gern, wie sich die Einwohner hier tagsüber zum Tinto-Trinken treffen, treffen sie sich hier abends auf ein Bier.

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