Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das KZ Auschwitz-Birkenau. Es war ein Ort des Schreckens: In dem ehemaligen Konzentrationslager im Südosten Polens wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Es ist weltweit ein Symbol für den Holocaust. Mehr als eine Million Besucher kommen normalerweise pro Jahr zu der Gedenkstätte, die Unesco-Weltkulturerbe ist.

Von dem Lagerkomplex, in dem Menschen – größtenteils Juden – massenhaft gefoltert und ermordet wurden, machen viele Besucher ein Erinnerungsfoto. Manche von ihnen balancieren für diesen vermeintlich originellen Schnappschuss auf den Gleisen, die damals für deportierte Menschen den Weg den Tod bedeuteten. 

Fotos auf Gleisen: Gedenkstätte Auschwitz mahnt Besucher

Die Auschwitz-Gedenkstätte appellierte im Jahr 2019 an die Vernunft der Touristen: „Es gibt bessere Orte, um zu lernen, wie man auf einem Schwebebalken läuft.“ Die Betreiber forderten, der Opfer des NS-Regimes zu gedenken: „Respektieren Sie ihr Andenken.“

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Fotos im ehemaligen KZ-Lager bei Auschwitz sind weiterhin erlaubt

Von einem gänzlichen Foto-Verbot sieht die Auschwitz-Gedenkstätte ab. Man bitte Besucher aber, sich respektvoll zu verhalten – auch, wenn es ums Fotografieren gehe. Bilder hätten bei der Aufarbeitung und Aufklärung des Holocausts eine wichtige Funktion. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, schreibt die Gedenkstätte. 

Um positive Beispiele zu zeigen, verlinkten die Betreiber auf den offiziellen Instagram-Account der Gedenkstätte, auf dem sie angemessene Beispiele von Besucherfotos sammeln:

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Dass Besucher düsteren Mahnmalen der Geschichte mit dem nötigen Respekt begegnet, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber nicht nur in der Gedenkstätte Auschwitz, auch anderswo machen Touristen Schlagzeilen, wenn sie unangebracht grinsend Selfies zum Beispiel am Holocaust-Denkmal in Berlin knipsen.

Aus einigen von ihnen hatte der Satiriker Shahak Shapira im Jahr 2017 Collagen gebaut, bei denen er die posenden Menschen in alte Fotos aus Konzentrationslagern fotoshopte. Unter dem Titel „Yolocaust“ erinnerte die Serie daran, dass das Denkmal kein Ort des Glücks ist, sondern für ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte steht, dem der nötige Anstand entgegengebracht werden muss. So wie allen Orten, die zur Kategorie Dark Tourism zählen.

Leere Erinnerungsorte durch Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass im vergangenen Jahr deutlich weniger Menschen die Erinnerungsorte für die Opfer der NS-Verbrechen besuchten, das berichtet das „Domradio“ unter Berufung auf eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). 

In Deutschland hatte etwa die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Niedersachsen rund 145.000 Besucher, nur etwas mehr als halb so viele wie 2019. Auch die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar verzeichnete mit 250.000 Besuchern nur etwa die Hälfte der Gästezahl eines gewöhnlichen Jahres.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel erschien zum ersten Mal am 9. November 2019. Wir haben ihn am 27. Januar 2021 umfassend aktualisiert.