Québec: Was für ein Winterwunderland | reisereporter.de

Québec: Was für ein Winterwunderland

Schlittenhundetouren, Eisangeln und Fahrten mit dem Schneemobil: Die Provinz Québec im Osten von Kanada hat auch im Winter viel zu bieten. Dazu gehört auch jede Menge Gutes für Genießer.

 

Im Nationalpark Monts-Valin lohnt sich eine Schneeschuhwanderung im Tal der Phantome.
Im Nationalpark Monts-Valin lohnt sich eine Schneeschuhwanderung im Tal der Phantome.

Foto: Sabrina Friedrich

William kann es kaum abwarten. Mit aller Kraft zerrt der Alaskan Husky an der Zugleine. Der Schlittenhund mit dem schwarz-weißen Fell und den stechend blauen Augen sowie seine sieben Artgenossen möchten jetzt nur eins: laufen. Christian Duchesne kontrolliert noch einmal, ob an seinem Schlitten alles in Ordnung ist, dann gibt der Musher das Startsignal.

Ganz plötzlich stoppt das laute Bellen und Jaulen, mit dem die Tiere eben noch gezeigt haben, dass sie es kaum abwarten können, dass es endlich losgeht. William und seine Artgenossen preschen los. Der Schlitten setzt sich in Bewegung. Nur noch das Hecheln der Hunde ist zu hören.

Christian Duchesne fährt Reisende im Hinterland des Saguenay-Fjords mit dem Hundeschlitten durch die winterliche Landschaft.
Christian Duchesne fährt Reisende im Hinterland des Saguenay-Fjords mit dem Hundeschlitten durch die winterliche Landschaft. Foto: Sabrina Friedrich

„Ha“ (links), „Gee“ (rechts) und „Ho“ (Stopp) sind die Befehle, mit denen der Hundeschlittenführer ihnen den Weg weist. Nach ein paar Hundert Metern auf der Straße, die wie alles andere unter einer dichten Schneedecke liegt, ruft Duchesne ein lang gezogenes „Geeeeee“.

Die Hunde biegen nach rechts in den Wald ab. Lautlos gleitet der Schlitten durch die winterliche Landschaft im Hinterland von La Baie am Saguenay-Fjord. Was für ein Erlebnis!

Es sind vor allem Attraktionen wie diese, die die kanadische Provinz Québec zu einer besonderen Winterdestination machen. Denn auch, wenn eine dichte Schneedecke über dem Land liegt und eine feste Eisschicht auf den zahlreichen Gewässern, lohnt sich ein Besuch. Wer im Winter hierherkommt, der hat sich nicht unbedingt wegen der Skiressorts dazu entschieden – davon hat Europa schließlich auch jede Menge zu bieten.

Anders als in Mitteleuropa kann es in der kanadischen Provinz auch ziemlich kalt werden. Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius im Januar sind keine Seltenheit. Dafür ist Québec eine wahre Winterwunderwelt.

Hütten der Eisfischer stehen auf dem Saguenay-Fjord

Etwa das Gebiet um La Baie am Saguenay-Fjord. Um hierherzugelangen, buchen Besucher am besten einen Flug nach Bagotville. Von dem kleinen Flughafen aus ist der Fjord in weniger als einer halben Stunde gut mit dem Auto erreichbar.

Schon beim Landeanflug offenbart sich eine der Besonderheiten der Region. Auf dem zugefrorenen Fjord stehen nebeneinander aufgereiht jede Menge kleine Hütten. In den Häuschen aus Holz gehen die Menschen ihrem Winterhobby nach: dem Eisfischen. Schon im Sommer beginnen die Einheimischen damit, ihre Hütten vorzubereiten. Ist die Eisschicht dick genug, werden die Häuschen aufs Eis gebracht.

Auf dem Eis in der Benjaminbucht von La Baie am Saguenay-Fjord entsteht im Winter ein kleines Dorf aus rund 450 Eisfischerhütten.
Auf dem Eis in der Benjaminbucht von La Baie am Saguenay-Fjord entsteht im Winter ein kleines Dorf aus rund 450 Eisfischerhütten. Foto: Normand Gaudreault

„Manche verbringen im Winter jede freie Minute auf dem Eis“, berichtet Marc-André Galbrand. Der 29-Jährige arbeitet für Contact Nature. Die Non-Profit-Organisation hat sich auf Öko-Tourismus spezialisiert und bietet Attraktionen wie das Eisfischen, Fahrten mit dem Hundeschlitten sowie Ski- und Schneeschuhausflüge an. Die Einnahmen von Contact Nature werden wieder in den Naturschutz investiert.

Jeder Eisfischer darf nur bis zu fünf Fische pro Tag aus dem Fjord angeln.

Marc-André Galbrand, Mitarbeiter von Contact Nature

Marc-André Galbrand arbeitet für Contact Nature und organisiert und begleitet Winteraktivitäten am Saguenay-Fjord.
Marc-André Galbrand arbeitet für Contact Nature und organisiert und begleitet Winteraktivitäten am Saguenay-Fjord. Foto: Sabrina Friedrich

Zu den Maßnahmen, die den Fjord und seine Umgebung schützen und verbessern sollen, gehört auch eine Fangquote für die Eisfischer. „Jeder Eisfischer darf nur bis zu fünf Fische pro Tag aus dem Fjord angeln“, sagt Galbrand. Steinbutt, Kabeljau, Stint, Seehecht und der Rotbarsch sind die Fische, die im Fjord heimisch sind.

Die Fangquote ist nicht die einzige Regel, die es auf dem Eis in der Anse à Benjamin, der Benjaminbucht, zu beachten gilt. „Um keine Welle auszulösen, sollte man mit dem Auto nicht schneller als 15 Kilometer pro Stunde fahren, wenn man auf dem Eis unterwegs ist“, warnt Galbrand. Dass sich jeder an das Tempolimit hält, wird von der Polizei streng kontrolliert – bei Patrouillenfahrten auf dem Eis.

Fahrt mit Schneemobilen ist ein Abenteuer

Schneemobile sind in den Wintermonaten in der Provinz Québec die besten Fortbewegungsmittel, um auch die verschneitesten Orte zu erreichen.
Schneemobile sind in den Wintermonaten in der Provinz Québec die besten Fortbewegungsmittel, um auch die verschneitesten Orte zu erreichen. Foto: Charles-David Robitaille

Von der Regel ausgenommen sind die sogenannten Ski-Doos, Schneemobile. Die Gefährte sind im Winter bei den Menschen der Region ohnehin wesentlich beliebter. Häufig ermöglichen sie ihnen erst, bestimmte Orte trotz des hohen Schnees überhaupt noch zu erreichen.

Für Reisende, die in die Region Saguenay-Lac-Saint-Jean kommen, ist die Fahrt auf den Mobilen aber vor allem eins – ein rasantes Abenteuer. In der Region gibt es etwa 3.800 Kilometer dafür vorgesehene Wege. „Die Wege, die manche zusätzlich nutzen, sind dabei noch gar nicht mitgezählt“, verrät Galbrand.

Auf Schneeschuhen durch das Tal der Phantome

Wer sich lieber mit eigener Muskelkraft bewegt, schnallt sich Schneeschuhe unter. Eine besonders lohnenswerte Tour lässt sich im Nationalpark Monts-Valin unternehmen: im Valley of the Phantoms – dem Tal der Phantome.

Sportliche starten am Discovery and Visitors Centre. Wer sich nicht allzu sehr verausgaben will, lässt sich ein paar Kilometer weiter in den Park hinein- und den Berg hinaufbringen und legt von hier aus die letzten drei Kilometer auf den Schneeschuhen zurück.

Wer es bis auf den Berggipfel im Nationalpark Monts-Valin schafft, wird mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt.
Wer es bis auf den Berggipfel im Nationalpark Monts-Valin schafft, wird mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt. Foto: Fabrice Tremblay

Nach rund zwei Kilometern ziemlich steilem Anstieg entspannen sich die meisten Schneeschuhwanderer in einer der beiden Berghütten. Wer will, wärmt sich am knisternden Feuer oder nutzt die Zeit für eine Stärkung, bevor es die letzten 800 Meter auf den Gipfel hinaufgeht.

Wer sich hier hinaufwagt, wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Nicht nur in die endlos scheinende Landschaft, sondern auch auf die Tannen, die dank der Schneeschicht fast ein wenig unwirklich wirken. Ihnen hat das Tal der Phantome seinen Namen zu verdanken.

Auch Jonathan Grenon ist gern in den borealen Wäldern der Region unterwegs. Allerdings eher, wenn keine dichte Schneedecke über den Bäumen und Sträuchern liegt. Der Chefkoch des Restaurants O’Battilage in der Auberge des Battures in La Baie gehört zu den Ambassadeurs Zone Boreale, einer Vereinigung von Köchen und Gastronomen, die regionale Spezialitäten anbieten.

„Ich lasse mich von den First Nations inspirieren“, sagt er. „Sie haben sich hauptsächlich von Fleisch ernährt. Um das Fleisch der Tiere, die sie erlegt hatten, zu schützen, legten sie es in Zweige und Blätter ein. Es nahm dabei auch deren Geschmack an.“ Zu den Gewürzen, die er in seiner Küche verwendet und meist selbst in den Wäldern beschafft, gehören süßer Klee, Sumpfporst, Tanne und Fichte.

Provinzhauptstadt Québec ist bekannt für gutes Essen

Für ihr großes Angebot an gutem Essen ist auch die Provinzhauptstadt Québec bekannt. Die Stadt am Sankt-Lorenz-Strom hat fast 700.000 Einwohner, die Muttersprache von 95 Prozent der Menschen ist Französisch. Die meisten von ihnen sprechen aber auch Englisch. Anders als in entlegeneren Regionen, wo es vorkommen kann, dass die Bewohner wenig bis gar kein Englisch beherrschen.

Auf der Terrasse Dufferin in der Altstadt von Québec sorgt eine historische Rodelbahn für Winterspaß.
Auf der Terrasse Dufferin in der Altstadt von Québec sorgt eine historische Rodelbahn für Winterspaß. Foto: Francis Gagnon

Einen besonders schönen Blick auf die Stadt und auf den Fluss haben Besucher auf der Terrasse Dufferin vor dem weltbekannten Hotel Le Château Frontenac. Das gilt übrigens als eines der meistfotografierten Hotels der Welt. Von hier aus gelangen Besucher mit dem Funiculaire, einer Seilbahn, innerhalb weniger Minuten in das beliebte Viertel Petit Champlain, das an Samuel de Champlain erinnert. Der französische Forschungsreisende hat die Stadt 1608 gegründet.

Das historische Flair der gepflasterten Gassen und steinernen Stadttore ist einer der Gründe, warum so viele Reisende aus der ganzen Welt in die Stadt kommen.

Das Château Frontenac thront majestätisch über dem Petit-Champlain-Viertel in der Altstadt von Québec. Es ist eines der meistfotografierten Hotels der Welt.
Das Château Frontenac thront majestätisch über dem Petit-Champlain-Viertel in der Altstadt von Québec. Es ist eines der meistfotografierten Hotels der Welt. Foto: Sabrina Friedrich

Ein Besuch von Petit Champlain gehört für die meisten genauso zum Pflichtprogramm wie der von Vieux-Québec, das Teil des Unesco-Welterbes ist. Beides lässt sich gut zu Fuß erkunden. Ein Spaziergang lohnt sich auch durch das Saint-Roch-Viertel, ein altes Arbeiterviertel – zum Beispiel bei einer Foodtasting and Cultural Walkingtour.

„Rund um die Rue Saint-Joseph gibt es besonders viel zu entdecken“, sagt Tourguide Richard Bergeron. „Unsere Küche wurde früher vor allem von der französischen beeinflusst“, berichtet der 32-Jährige, „mittlerweile haben die First Nations und ihre Traditionen sowie lokale Produkte einen großen Einfluss.“ Das wird auch bei dem Rundgang deutlich.

Poutine ist Nationalgericht in Kanada

Der Guide führt Besucher zum Beispiel zu dem Käsegeschäft und Bistro Fromagerie des Grondines & ses amis, zu der Craftbeer-Brauerei Noctem oder dem Champagne Chocolatier. Ein Muss ist auch ein Stopp bei Chez Ashton. Hier werden zahlreiche Variationen des Nationalgerichts Poutine angeboten. Es besteht aus Pommes frites, Bruch von jungem Cheddar und Bratensoße.

Poutine ist ein kanadisches Nationalgericht. Sie besteht traditionell aus Pommes frites, Käsebruch und Bratensoße und ist ein beliebtes Kateressen nach durchzechten Nächten.
Poutine ist ein kanadisches Nationalgericht. Sie besteht traditionell aus Pommes frites, Käsebruch und Bratensoße und ist ein beliebtes Kateressen nach durchzechten Nächten. Foto: Sabrina Friedrich

Woran erkennt man eine gute Poutine? „Der Käse muss zwischen den Zähnen quietschen“, verrät der Foodguide. Poutine wurde Mitte der Fünfzigerjahre im ländlichen Québec erfunden. In Kanada wird es auch bei großen Fast-Food-Ketten angeboten. Besonders bekannt für seine Poutine ist allerdings das Chez Ashton.

In jedem Januar bietet die Kette eine besondere Aktion an. Sinken die Temperaturen, dann tun das auch die Preise. Die Kälte im kanadischen Winter bringt eben so manch Gutes mit sich.

Tipps für deine Reise nach Québec

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Flüge nach Montreal an. Von dort geht es weiter zum Flughafen Bagotville.

Einreise: Deutsche benötigen für die Reise nach Kanada einen Reisepass. Sie müssen außerdem vor der Reise die elektronische Reisegenehmigung eTA beantragen. Kosten: 7 kanadische Dollar (CAD).

Unterkünfte: Auberge des Battures (6295 Boulevard de la Grande-Baie Sud, La Baie): Vier-Sterne-Hotel mit 32 Zimmern und Panoramablick auf den Saguenay-Fjord, Doppelzimmer ab 106 CAD pro Nacht.
Fairmont Le Château Frontenac (1 Rue des Carrières, Québec): Denkmalgeschütztes Fünf-Sterne-Hotel mit 611 Zimmern in der Altstadt mit Blick auf den Sankt-Lorenz-Strom. Übernachtung ab 212 CAD pro Nacht.

Attraktionen: Musée du Fjord (3346 Boulevard de la Grande-Baie Sud, La Baie): Das Museum mit integriertem Salzwasseraquarium gibt einen Einblick in die Entstehung des Fjordes und die Geschichte der Region und ihrer Menschen. Eintritt: 16 CAD für Erwachsene, 9 für Kinder, 11,75 für Studenten und 12,25 für Senioren.

Geöffnet: von 4. September bis 23. Juni dienstags bis freitags 9 bis 16.30 Uhr, sonnabends und sonntags 13 bis 17 Uhr; von 24. Juni bis 3. September täglich von 9 bis 16 Uhr.

Contact Nature bietet Winteraktivitäten wie Eisangeln und Schneemobiltouren an.

Alaskan du Nord: Schlittenhundetouren in den Wäldern bei La Baie, jeweils um 9 und 13 Uhr, buchbar ab 68 CAD.

Einen beeindruckenden Überblick über die Stadt Québec und den Sankt-Lorenz-Strom bekommen Reisende auch bei Rundflügen mit dem Hubschrauber, etwa mit Complexe Capitale Hélicoptère, buchbar ab 150 CAD.

Local Food Tours bietet dreistündige Foodtouren in Québec an, buchbar ab 65 CAD.

In Saint-Gabriel-de-Valcartier nördlich der Stadt Québec lohnt sich ein Besuch des Eishotels Hôtel de Glace. Es wird jedes Jahr neu aufgebaut und hat dann von Januar bis in den März hinein geöffnet.
In Saint-Gabriel-de-Valcartier nördlich der Stadt Québec lohnt sich ein Besuch des Eishotels Hôtel de Glace. Es wird jedes Jahr neu aufgebaut und hat dann von Januar bis in den März hinein geöffnet. Foto: Sabrina Friedrich

Von Québec-Stadt aus lohnt sich auch ein Ausflug nach Saint-Gabriel-de-Valcartier nördlich der Stadt. Hier wird jedes Jahr ab November das Hôtel de Glace aufgebaut, ein Eishotel mit Eisbar.

Währung: Ein Euro entspricht etwa 1,51 kanadischen Dollar (CAD).

   

Die Reise wurde unterstützt von QuébecOriginal. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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