Bis nach Australien: Wiebe Wakker macht einen Roadtrip im Elektro-Auto

Dieser Mann macht eine Weltreise im Elektroauto

Wiebe Wakker (32) hat einen Traum: Beweisen, dass man bei einem Roadtrip nicht die Luft verpesten muss. Im E-Auto fährt er deshalb von Norwegen bis nach Australien. Seit drei Jahren ist er unterwegs.

Wiebe Wakker (rechts) mit seinem Elektroauto auf der Kaoh San Road in Bangkok, Thailand.
Wiebe (rechts) mit seinem „blauen Banditen“, einem umgerüsteten VW Golf, auf der Kaoh San Road in Bangkok.

Foto: Wiebe Wakker

Begonnen hat der Trip mit einer verrückten Idee für das Abschlussprojekt an der Kunsthochschule in Utrecht. Dort hat Wiebe Wakker Event-Management studiert. Als leidenschaftlicher Weltenbummler wollte er eine extreme Reise planen – die er einige Jahre später selbst in die Tat umgesetzt hat.

„Zuerst sagte mein Lehrer, ich sei verrückt und was das Ganze mit meinem Studium zu tun hätte“, erzählt der 32-Jährige dem reisereporter. Doch mit seinem ausgearbeiteten Konzept habe er seinen Betreuer schließlich überzeugt. 

Mit diesem Roadtrip will Wiebe mit den Vorurteilen gegenüber E-Autos aufräumen

Eigentlich lebt Wiebe in Haarlem in den Niederlanden und liebt Fotografieren, Filmen und Reisen. Weil sein Herz ebenso für Social Media und Umweltthemen brennt, hat er mit diesem extremen Roadtrip all seine Leidenschaften gebündelt.

„Ich wollte unbedingt einen Roadtrip machen, aber nachdem ich mich näher mit Nachhaltigkeit beschäftigt hatte, ergab es für mich keinen Sinn, durch die Welt zu fahren und sie zu verschmutzen, während ich nur meinen Spaß habe.“

Da kam das Elektroauto ins Spiel: Schnell, leise und vor allem ohne Emissionen, findet Wiebe darin sein ideales Transportmittel.

Zwar sind Autos mit Elektroantrieb auch in den Niederlanden seit Längerem ein Thema. Wiebe stellt aber fest, dass viele Leute ihnen gegenüber noch immer Vorurteile haben: Sie seien unzuverlässig und für längere Strecken völlig ungeeignet. 

   

Galerie: Wiebes Roadtrip von Norwegen nach Australien

Irrer Roadtrip: Mit dem Elektroauto von Norwegen nach Australien

Mit seiner Reise will Wiebe die Menschen vom Gegenteil überzeugen und sie inspirieren, selbst elektrisch zu fahren. „Mein Plan war, von Holland buchstäblich ans andere Ende der Welt zu fahren. Ich wollte zeigen: Wenn das möglich ist, können wir mit Elektroautos definitiv auch zum nächsten Supermarkt fahren.“

Von der Idee bis zum Roadtrip brauchte Wiebe aber noch eineinhalb Jahre: Mit dem erfolgreichen Abschluss in der Tasche feilte er bis März 2016 an der Planung und Organisation, baute eine Website und suchte Sponsoren. Dann ging es mit dem „blauen Banditen“ auf die Straße – und er ist noch immer unterwegs.

Der „blaue Bandit“, das ist ein VW Golf von 2009. Der eigentliche Benziner wurde zu einem E-Auto umgerüstet, Motor und Tank durch Elektromotor und Batterie ersetzt. Höchstgeschwindigkeit: 180 Kilometer pro Stunde. Reichweite: 200 Kilometer. Bedeutet: Jede Menge Stopps fürs Akku-Aufladen bei einem Roadtrip ans andere Ende der Welt.

Dass die Reise kein Ein-Mann-Projekt werden würde, stand für Wiebe von Anfang an fest: Seine Reise sollte einen Zweck erfüllen, anstatt nur von Hostel zu Hostel zu ziehen. Unterwegs holte er möglichst viele Menschen ins Boot, die seine nachhaltige Weltreise mit Strom, Essen oder einem Schlafplatz unterstützten. 

Für Visa, Guides und die Überführungen seines Autos brauchte Wiebe aber trotzdem immer wieder Geld. Dafür hat er in Dubai zwei Monate lang bei der Organisation eines Events für E-Mobilität geholfen, in Kuala Lumpur blieb er sogar vier Monate, um mit mehreren Nebenjobs Geld zu verdienen. Durch verschiedene Sponsoren bekam er das restliche Budget für Fähren und Verschiffungen zusammen. 

Wiebe Wakker in der malaysischen Firma, bei der er vier Monate lang gearbeitet hat.
Vier Monate lang arbeitet Wiebe in Malaysia, auf diesem Bild posiert er mit seinen Kollegen. Foto: Wiebe Wakker

Nicht immer verlief die Reise im Elektroauto reibungslos: Zweimal machte der „blaue Bandit“ ernsthafte Probleme, die Reparatur sprengte Wiebes Mittel.

In Indonesien ist er zum Beispiel durch eine überflutete Straße gefahren, danach war die Batterie so sehr im Eimer, dass Mechaniker aus Holland eingeflogen werden mussten. Kosten: 5.000 Euro. „Da habe ich eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und meine Follower um Hilfe gebeten“, so Wiebe. 

Der Roadtrip im Elektroauto ist nicht immer leicht

Besonders in Indien hat sein Fahrzeug Wiebe einige schlaflose Nächte bereitet: Vom Platten bis zur Beschlagnahmung des Autos durch den Zoll in Bangladesch.

„Wenn du eine Reise wie diese beginnst, akzeptierst du solche Situation. Sie machen die Reise erst unvergesslich.“ Und: In schwierigen Situationen zeigten sich die Menschen von der freundlichsten Seite. 

Schock-Moment: Der Zoll in Bangladesch beschlagnahmt Wiebes Auto, er muss zurück nach Indien und einen Umweg nach Myanmar nehmen.
Schock-Moment: An der Grenze zu Bangladesch wird Wiebes Auto beschlagnahmt, er muss zurück nach Indien und einen Umweg nach Myanmar nehmen. Foto: Wiebe Wakker

Highlight: der Iran. Zuvor hatte Wiebe nur wenig über das Land gewusst, war dann aber begeistert von der Gastfreundlichkeit der Iraner. „Die Menschen sind wirklich nett, freundlich und gastfreundlich. Die Natur ist wunderschön und die Architektur wirklich einmalig.“

Generell ist Wiebe überwältigt von der Hilfe, die er von allen Seiten bekommt: „Ich dachte vorher, ich würde bestimmt harte Momente erleben, habe aber herausgefunden, dass es überall gute Menschen gibt, die anderen gern helfen.“

In drei Jahren auf der Straße nur 16-mal im Auto übernachtet

Gerade bei der Suche nach Schlafplätzen hat Wiebe diese Gastfreundschaft zu spüren bekommen. Hauptsächlich übernachtet er nämlich bei Einheimischen. Wenn er doch mal in eine Stadt kommt, in der ihm online noch kein Schlafplatz angeboten worden ist, klopft er einfach bei Privatleuten oder fragt in Hotels nach kostenloser Unterkunft. 

Im Notfall übernachtet er auch im Wagen, zum Beispiel auf Ikea-Parkplätzen, die Ladestationen für Elektroautos und WLAN haben. In Europa passierte das 15-mal, in Asien nur einmal. „Dort findest du einfacher Hilfe, weil sich das Leben mehr auf der Straße abspielt.“

Ein paar Rekorde hat Wiebe nebenbei auch aufgestellt: Er ist der erste Mensch, der die Türkei, den Iran, Indien, Myanmar und Indonesien im Elektroauto durchquert hat. „Damit habe ich hoffentlich bewiesen, dass wir wirklich nicht länger von fossilen Brennstoffen abhängig sein müssen.“

Wiebe hat sein Elektroauto von Indonesien nach Australien verschifft.
Von Indonesien nach Australien musste Wiebe sein Auto verschiffen. Foto: Wiebe Wakker

Mittlerweile ist Wiebe in Melbourne angekommen. Am 7. April soll seine Reise zu Ende sein: Dann erreicht er nach mehr als drei Jahren im Elektroauto sein Ziel in Sydney. 

Eigentlich will ich gar nicht, dass meine Reise endet.

Wiebe Wakker

Wie es ihm so kurz vor dem Ende dieses Abenteuers geht? „Ich habe gemischte Gefühle“, sagt Wiebe dem reisereporter. „Ich weiß, dass der letzte Teil jetzt einfach wird. Aber ich bin auch ein bisschen traurig, dass der Trip fast vorbei ist. Ich genieße die Reise noch immer sehr und fand bisher alle Erlebnisse auf meinem Weg großartig. Eigentlich will ich gar nicht aufhören…“

Meilenweit kein Auto: Wiebe bei Broome in Westaustralien.
Meilenweit kein Auto: Wiebe bei Broome in Westaustralien. Foto: Wiebe Wakker

Für das Leben nach der Reise hat Wiebe aber bereits große Pläne: Er will ein Buch über seinen irren Roadtrip schreiben!

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