Street Art in Lissabon: Tipps für die Stadt-Tour | reisereporter.de

Street Art in Lissabon: Tipps für die Tour durch die Stadt

Traditionelle Keramikfliesen, Wandmalereien, Street-Art: Portugals Hauptstadt Lissabon gilt als eine der größten Freilichtgalerien der Welt. Bei Touren lassen sich die Kunstwerke am besten entdecken.

 

Das Altstadtviertel Alfama ist einer der beliebtesten Orte in Lissabon. Beim Bummel durch die Gassen gibt es für Reisende viel zu entdecken.
Das Altstadtviertel Alfama ist einer der beliebtesten Orte in Lissabon. Beim Bummel durch die Gassen gibt es für Reisende viel zu entdecken.

Foto: Skitterphoto/pixabay

Schon die Tür des kleinen Geschäftes an der Rua Augusto Rosa 23 in Lissabon wirkt einladend. Farbenfrohe Sardinen aus Stoff in verschiedensten Formen und Größen zieren die Zargen und Wände. „Das ist eine Hommage an unsere Stadt und unser Land. Ob als Fischkonserve, auf dem Grill oder als Souvenir – die Sardine ist hier überall präsent“, sagt Catarina Keil.

„Zu Ehren des Schutzheiligen von Lissabon – St. Antonius von Padua – verwandeln sich im Sommer beim Sardinenfest die verwinkelten Gassen und schmalen Treppen unseres Stadtteils Alfama sogar zu einer einzigen Grillstation für Sardinen“, ergänzt die 19-Jährige, die in dem Familienbetrieb Ponto Lx arbeitet.

Kunsthandwerkerin Catarina Keil fertigt Sardinen aus Stoff und verkauft sie in einem kleinen Geschäft in der Lissaboner Altstadt.
Kunsthandwerkerin Catarina Keil fertigt Sardinen aus Stoff und verkauft sie in einem kleinen Geschäft in der Lissaboner Altstadt. Foto: Carola Faber

Mehrere ihrer Onkel und Tanten sowie die Großmutter haben sich dem Kunsthandwerk verschrieben. Im Atelier über dem Geschäft in der Altstadt Lissabons wird fleißig genäht und gefilzt.

„Die Kunst hat in unserer Familie eine lange Tradition. Bei uns gibt es Keramiker, Architekten, Tänzer und Maler, wie meinen Großvater António Real. Mit meiner Mutter Joana Real habe ich als erste in Lissabon ein Geschäft mit handgemachten Stoffsardinen eröffnet", ergänzt Inês Areal Silva, Silberschmiedin und Inhaberin von Ponto LX.
 

Mit meiner Mutter Joana Real habe ich als erste in Lissabon ein Geschäft mit handgemachten Sardinen eröffnet.

Inês Areal Silva


Kunst hat eine besondere Bedeutung in Lissabon. Die sogenannten Azulejos zieren zahlreiche Hauswände, Kirchen oder andere öffentliche Gebäude in der Hauptstadt Portugals. Dank der großen Wandmalereien gilt Lissabon als eine der größten Freilichtgalerien der Welt. Sie sind das Markenzeichen der Stadt, die mit ihrem Ideenreichtum geradezu vibriert.

An der Fassade der Kirche Santa Luzia am Aussichtsplatz Miradouro sind Mosaike aus blau-weißen Keramikfliesen angebracht.
An der Fassade der Kirche Santa Luzia am Aussichtsplatz Miradouro sind Mosaike aus blau-weißen Keramikfliesen angebracht. Foto: Carola Faber

Lissabon ist bekannt für seine Street-Art und Graffitikunst

In den vergangenen Jahren hat sich die Stadt auf den sieben Hügeln außerdem zunehmend zu einem wichtigen Zentrum für Street-Art und Graffitikunst in Europa entwickelt. Künstler aus aller Welt haben an den Hauswänden ihre Spuren hinterlassen. In den Jahren nach der Nelkenrevolution im April 1974 ließen sich die Muralistas genannten Wandmaler fast nur von politischen Themen inspirieren.

Heute sind es hohe ästhetische Ansprüche, die die Arbeiten der Straßenkünstler prägen. Nicht nur auf den Wänden leer stehender Häuser oder Industriegebäude sind Kunstwerke entstanden. Ganze Stadtviertel werden inzwischen mit den gigantischen Malereien kreativ in Szene gesetzt. Sie locken Touristen wie auch Einheimische an und versetzen diese in Staunen. Bei den geführten Touren ist viel über die Entwicklung der urbanen Kunstszene in Lissabon, ihre Künstler sowie die Interpretation der Werke zu erfahren.

Spezielle Touren führen zu den Wandbildern in Lissabon

Pedro Farinha hat sich auf Rundfahrten zu den Wandbildern spezialisiert. Der Lissaboner führt unter anderem nach Sacavém, einem Vorort Lissabons, der als sozialer Brennpunkt gilt. Dort sind mehr als 80 Gemälde im Riesenformat zu sehen. „Bitte fotografieren Sie nur die Kunstwerke, nicht aber die Menschen auf der Straße, das könnte falsch verstanden werden“, rät der Einheimische.

Bis zu zwölf Meter hoch sind die Kunstwerke an den Fassaden und Hauswänden in Lissabon. In der Vorstadt Sacavém soll es etwa 70 dieser Riesenformate geben. „Unity creates strength“ heißt das Gemeinschaftswerk von Camilo Núñez und Florencia Durán.
Bis zu zwölf Meter hoch sind die Kunstwerke an den Fassaden und Hauswänden in Lissabon. In der Vorstadt Sacavém soll es etwa 70 dieser Riesenformate geben. „Unity creates strength“ heißt das Gemeinschaftswerk von Camilo Núñez und Florencia Durán. Foto: Carola Faber


Pedro Farinha hat sich intensiv mit der Szene beschäftigt. Er freut sich immer wieder, wenn er neue Arbeiten entdeckt oder den Künstlern sogar bei der Entstehung eines Bildes zusehen kann.

„Zu einem der wichtigsten Vertreter der Street-Art-Szene gehört außer Obey, Bordalo II, Sainer, Inti oder Pixel Pancho der Portugiese Alexandre Farto, der auch unter dem Künstlernamen Vhils bekannt ist. Für seine Kreationen setzt er nicht nur Farbe ein, sondern bearbeitet die Wände zusätzlich mit einem Schlagbohrer, sodass großflächige Reliefs entstehen“, berichtet der Tourguide.

Die Wandbilder an der Rua da Bica do Sapato, die an die Abschaffung der Todesstrafe in Portugal im Jahr 1867 erinnern sollen, stammen von Mário Bélem.
Die Wandbilder an der Rua da Bica do Sapato, die an die Abschaffung der Todesstrafe in Portugal im Jahr 1867 erinnern sollen, stammen von Mário Bélem. Foto: Carola Faber

Jedes der zahlreichen ausdrucksstarken Werke erzählt eine eigene Geschichte, stellt von Trauer bis zu purer Lebensfreude eine weit gefächerte Palette der Emotionen dar. Grafisch gestaltet, bunt oder schwarz-weiß, humorvoll, als Installation oder von der Antike inspiriert – die Kreativität der Street-Art scheint keine Grenzen zu kennen.

Auch Catarina Keil mag die Straßenkunst in ihrer Heimatstadt. „Sie verleiht jedem Stadtteil eine eigene Persönlichkeit und verbindet gleichzeitig alle miteinander. Außerdem inspirieren mich die Wandmalereien zu meinem Studium. Ich möchte Anthropologie studieren, dann erfahre ich vielleicht noch mehr Spannendes über die Kulturen der Völker“, sagt die 19-Jährige.

Tipps für deine Reise nach Lissabon

Anreise: Direktflüge nach Lissabon gibt es mehrmals täglich aus verschiedenen deutschen Städten.

Unterkunft: Das Tivoli Avenida da Liberdade Lisboa Hotel an der Avenida da Liberdade befindet sich in einem Gebäude aus den 30er-Jahren. Von der Skybar des zentral gelegenen Fünf-Sterne-Hotels aus bietet sich ein Panoramablick über Lissabon.

Attraktionen: Street-Art-Touren unterschiedlicher Dauer werden von mehreren Agenturen angeboten. Zu den Pionieren der geführten Touren im Minibus gehört The Real Lisbon Street Art Tour. Die dreistündige Tour, die im Internet buchbar ist, kostet 35 Euro pro Person. Mindestteilnehmerzahl: zwei Personen.

   

Die Reise wurde unterstützt von den Tivoli Hotels. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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