Kreuzfahrt-Arzt verrät: Das passiert, wenn ein Virus an Bord ausbricht

Kreuzfahrt-Arzt verrät: Das passiert bei einem Virus an Bord

Wenn ein Virus auf einem Kreuzfahrtschiff kursiert, bedeutet das für Passagiere Stress statt entspannter Kreuzfahrt. Damit ein Ausbruch verhindert werden kann, müssen Ärzte und Crew schnell handeln.

Auch die beste Reiseapotheke hilft bei einem hochansteckenden Virus auf Kreuzfahrt nicht.
Auch die beste Reiseapotheke hilft nicht bei einem hochansteckenden Virus auf Kreuzfahrt. (Symbolfoto)

Foto: imago/Jochen Tack

Auf einer Kreuzfahrt halten sich mitten auf dem Meer Tausende Menschen auf engstem Raum auf. Ansteckende Krankheiten haben dann leichtes Spiel. Immer wieder berichten wir über Virus-Alarme auf Kreuzfahrtschiffen:

Mehrere Ausbrüche des Norovirus machten 2018 für etliche Aida-Passagiere zu einem unangenehmen Jahr. Auf der „MSC Seaview“ mussten 5.000 Passagiere wegen Masern geimpft werden, und zu Beginn des Jahres musste eine Royal-Caribbean-Kreuzfahrt wegen 500 kranker Passagiere sogar abgebrochen werden.

Damit dieser Worst Case nicht eintritt, muss für den Notfall auf Deck alles durchgeplant sein. Einer, der weiß, was zu tun ist, ist Ben MacFarlane: Er war behandelnder Arzt auf besagter Royal-Caribbean-Kreuzfahrt und verrät in seinem Buch „Cruise Ship SOS“, was an Bord passiert, wenn ein Virus die Runde macht.

Norovirus, Masern, Grippe: Das müssen Ärzte bei Virus-Alarm leisten

Die erste und wichtigste Devise: schnell sein. Damit alle Maßnahmen zügig und korrekt durchgeführt werden, probe die Crew Woche für Woche den Ernstfall, zitiert der „Express“ aus MacFarlanes Buch. In einem akuten Fall wie dem Norovirus gelte der „Code Red“: Fast jedes Crew-Mitglied habe feste Aufgaben – selbst Hände waschen sei in dem Notfallplan klar vorgeschrieben. 

Dann beginne eine komplette Reinigung: Bis in den kleinsten Winkel müsse das Kreuzfahrtschiff desinfiziert werden. Die Crew-Mitglieder, die für diesen Schritt zuständig seien, müssen sogar den Passagieren folgen und alles abwischen, womit die potenziellen Virenträger in Berührung kommen könnten. 

Quarantäne und komplette Schließung des Schiffs im Virus-Notfall

Ziemlich aufwendig und für die Urlauber mitunter ganz schön unangenehm. Deshalb bestünde auch die Möglichkeit, die Passagiere in ihren Kabinen in Quarantäne zu bringen: „Wir können einzelne Decks oder ganze Schiffsteile abriegeln und verschließen“, erzählt MacFarlane.

In letzter Instanz könne so auch das ganze Schiff quasi „geschlossen“ werden, wenn die Ansteckungsgefahr zu groß werden sollte.

Auf Kreuzfahrt krank: Was bedeutet das für Passagiere?

Der Einsatz der Ärzte und der Crew verdient jede Menge Respekt. Bei allen Sicherheitsvorkehrungen kannst aber auch du das Ansteckungsrisiko mit der Beachtung kleiner Tipps senken oder sogar ganz vermeiden: während der Landgänge auf Street-Food verzichten, regelmäßig die Hände waschen und sich vor Reiseantritt gegen gängige Krankheiten impfen lassen.

Immer empfehlenswert: Auf Kreuzfahrt lohnt sich eine private Auslandsversicherung besonders, denn die medizinische Behandlung auf Deck ist nicht über deine gewöhnliche Krankenkasse gedeckt.

Ist deine Kreuzfahrt wegen Krankheit ruiniert, kannst du auch nicht mit Entschädigung rechnen. In der Würzburger Tabelle sind entsprechende Rechtsfälle aus dem Kreuzfahrtbereich gebündelt. 

Bei einer Ausnahme hast du jedoch Anspruch auf Reisepreisminderung und Schmerzensgeld: Wenn die Erkrankung auf die Zustände auf dem Kreuzfahrtschiff zurückzuführen sind. Also wenn zum Beispiel kontaminierte Speisen und Getränke oder mangelnde Hygiene zu einer Salmonellenerkrankung oder einer Infektion mit einem Magen-Darm-Virus geführt haben.

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