Ein Mann rennt von Berlin nach Hannover, um kranken Kindern zu helfen

Darum rennt dieser Mann von Berlin nach Hannover

Jens Wackerhagen ist eigentlich OP-Fachkraft im Krankenhaus. In seiner Freizeit läuft er mal eben 302 Kilometer von Berlin nach Hannover. Dem reisereporter erzählt er, wie er auf so eine verrückte Idee gekommen ist.

Jens macht seit einigen Jahren bei Ultramarathons mit.
Jens macht seit einigen Jahren bei Ultraläufen mit. Und damit hilft er Kindern, die nicht laufen können.

Foto: Mick Kenyon

Die meisten Menschen werden in ihrem Leben wohl nicht mal einen Marathon laufen. Jens Wackerhagen läuft gerade sieben Marathonstrecken hintereinander weg innerhalb von zwei Tagen, ohne Pause, ohne Schlaf.

302 Kilometer liegen zwischen seinem Start auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin und dem Ziel, seinem Arbeitsplatz in Hannover.

Jens ist Ultraläufer. Er nimmt regelmäßig an den härtesten Rennen der Welt teil – aus Leidenschaft, aber nicht nur. Denn seit einigen Jahren organisiert er seine Wettkämpfe als Spendenläufe, rennt also für den guten Zweck, und hat eine klare Botschaft: „Laufen ist ein Geschenk!“ Was dahintersteckt, hat er dem reisereporter im Gespräch verraten.

Das Wetter spielt beim Lauf von Berlin nach Hannover nicht mit, aber das ist für Jens kein Grund zum Aufgeben.
Das Wetter spielt beim Lauf von Berlin nach Hannover nicht mit, aber das ist für Jens kein Grund zum Aufgeben. Foto: Antonia Eller

Durch Zufall zum Ultraläufer

Eigentlich möchte Jens vor einigen Jahren nur seine Fitness verbessern. Dann trifft er einen Schulfreund wieder, der „Trailrunning“ – eine besondere Form des Langstreckenlaufs, der abseits von asphaltierten Straßen stattfindet – auf lange Distanzen betreibt.

Aus Neugierde informiert sich Jens im Internet, schaut sich Wettkämpfe auf Youtube an und ist sofort begeistert von dem Sport, den Landschaften und von der Möglichkeit, wie viel man zu Fuß in einer bestimmten Zeit laufen kann.

„Ein halbes Jahr später lief ich meinen ersten Ultramarathon durch den Harz – die normale Marathon-Distanz habe ich einfach übersprungen“, erinnert sich Jens.

Im Mittelpunkt steht das Abenteuer

Von Anfang an ging es dabei weniger um den Wettkampfgedanken und mehr darum, die eigenen Grenzen zu erfahren und zu überschreiten und dabei ganz eng mit der Natur verbunden zu sein.

Es geht um die Reise, es geht um das Abenteuer und um die spirituelle Erfahrung, die das Laufen mit sich bringt: „Man hat viel Zeit zum Nachdenken, man kommt wirklich runter, abseits von der Schnelllebigkeit, die man sonst tagtäglich hat.“

Seine Lieblingsstrecke ist das „Spine Race“ in Großbritannien, über 400 Kilometer durch alle Wetterbedingungen einmal von England nach Schottland.

Dieses Rennen gilt als eines der härtesten der Welt, doch für Jens ist es wie Urlaub. Bereits viermal hat er teilgenommen, trifft dort viele Freunde wieder und genießt die mystische, geschichtsträchtige Landschaft, durch die er läuft.

Man denkt auch mal: „Bin ich eigentlich völlig bekloppt?“ – aber die Gedanken verschwinden dann auch schnell wieder.

Jens Wackerhagen

Ohne Schmerzen geht es aber nicht, diese Ultraläufe sind eine Wahnsinnsbelastung für den Körper, und immer wieder gibt es auf der Strecke Tiefpunkte. Zwischendrin frage er sich schon ab und zu, ob er eigentlich völlig bekloppt sei, sagt Jens. „Da muss der Kopf dann eben stark sein, denn die mentale Stärke hat einen größeren Anteil als das, was der Körper leistet.“ 

Dennoch sei das Laufen sein großer Ausgleich, und danach mache er wieder einen besseren Job, weiß Jens. Denn er ist nicht etwa Profi-Sportler, sondern hauptberuflich OP-Fachkraft. Sein Job brachte ihn auch auf die Idee, mit dem Laufen etwas Gutes zu tun, wirklich etwas in Bewegung zu bringen.

Laufen, damit Kinder wieder laufen können

„Laufen ist ein Geschenk“, ist Jens’ Motto, das er wortwörtlich nimmt. Mit seinen Extrem-Läufen sammelt er Spenden für den Diakovere-Lukas-Fonds seines Arbeitgebers, der Operationen für Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten finanziert.

Weil Jens rennt, können Kinder wieder laufen.
Weil Jens rennt, können Kinder wieder laufen. Foto: Christian Wyrwa

Diese Kinder sind mit einer Fehlstellung, sogenannten Klumpfüßen, zur Welt gekommen – durch die OPs, die Jens mit seinen Läufen unterstützt, wird ihnen ermöglicht, auch wieder laufen zu können. 

Bereits zehn Kindern konnte so durch Jens geholfen und eine bessere Zukunft ermöglicht werden. „Ich stand schon zusammen mit einem Kind nach der Operation auf dem Laufband, und das ist klasse, das Kind zu sehen, wenn es strahlt“, sagt Jens, der selbst Vater ist und für den dies eine große Motivation darstellt.

#Jensrennt 302 Kilometer durch Deutschland

Mit dem aktuellen Lauf von Berlin nach Hannover im Rahmen des Deutschen Pflegetages möchte er aber zusätzlich Aufmerksamkeit auf das Thema „Pflege“ lenken. Jens liebt seinen Job im Pflegebereich, aber es müsse viel an den Arbeits- und Rahmenbedingung sowie der Vergütung verbessert werden, damit die Pflege eine Zukunft habe. 

Unterstützung an der Strecke.
Unterstützung an der Strecke. Foto: Antonia Eller

Und so wird Jens Wackerhagen auch in Zukunft die längsten Distanzen und härtesten Wettkämpfe laufen, die es gibt, und unter dem Hashtag #Jensrennt seine Botschaft verbreiten. 

Sein größter persönlicher Wunsch ist es, einmal ein paar Wochen durch Patagonien zu reisen, die Weite und Wildnis dort zu erleben – dann aber nicht als Wettkampf, sondern ganz gemütlich mit Rucksack, aber Hauptsache, zu Fuß.

Wir können nur sagen „Respekt!“ und: „Lauf, Jens, lauf!“

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