Panamas Geheimnis: Die 365 San-Blas-Inseln | reisereporter.de

Panamas Geheimnis: Für jeden Tag im Jahr eine San-Blas-Insel

Die 365 Islas de San Blas vor Panama unterscheiden sich von anderen Karibik-Inseln: Sie gehören dem indigenen Volksstamm der Kuna. Dich erwarten Einblicke in die Kultur, Meer, Strand – und Digital Detox.

Bernadette Olderdissen
Die Isla Chichime.
Das ist kein Fake: So unwirklich schön ist es auf der Isla Chichime, die zu den 365 San Blas Inseln gehört.

Foto: Bernadette Olderdissen

Dass Pünktlichkeit überbewertet ist, begreife ich, als der Shuttle in Panama-Stadt mich statt um 5 erst um 6 Uhr morgens abholt. Mit durchgetretenem Gaspedal geht’s über Serpentinenstraßen durch den Dschungel zur Ostküste. Mit plötzlichem Halt: „Pasaportes!“ – Grenzkontrolle.

Von draußen schauen grimmige Gesichter in den Wagen, hinter ihnen weht eine Swastika-Flagge. Das Kreuz symbolisiert den Oktopus, der laut Kuna-Glauben die Welt erschuf.

Eigentlich wird diese zwischen 1925 und 2010 genutzte Fahne längst von einer mit gekreuzten Armen, Pfeil und Bogen ersetzt – Zeichen der Dule-Revolution 1915, als die panamaische Regierung die Kuna unterwerfen wollte. Als Sieger gingen die Kuna hervor und sicherten sich ihr autonomes Gebiet endgültig. Nur Zeit, die Flagge am Grenzposten auszutauschen, hatten sie wohl noch nicht.  

Islas de San Blas: Die Teufels- und andere Inseln

Die San-Blas-Inseln zu besuchen ist einfach: Im Internet oder in Panama-Stadt kannst du ein Package für einen oder mehrere Tage inklusive Übernachtungen, Verpflegung und Inselhopping buchen. Eine Überraschung gibt’s gratis dazu: Bis zu deiner Ankunft weißt du nicht, auf welcher Insel du landest, das teilen die Kuna fair unter sich auf.

Mit dem Boot zu den San-Blas-Inseln.
Mit dem Boot zu den San-Blas-Inseln. Foto: Bernadette Olderdissen
Um die Logistik am Hafen von Carti kümmert sich der circa 50-jährige Eulogio, der Ankömmlinge in Boote dirigiert. Für mich geht’s zur Isla Diablo, zur Teufelsinsel. Dort begrüßt mich ein breitschultriger Kuna mit herzlichem Lächeln, er heißt Daniel. Es gibt Mehrbett- oder Einzelhütten aus Bambus mit Strohdächern, Teppich aus Sand und Betten mit Mückennetz darüber. 

Hast du die Insel in fünf Minuten erkundet, genug am Strand gechillt und deine Bräune aufgefrischt, kannst du beim Inselhopping mitmachen. Zum Beispiel zur Isla Perro Chico gegenüber, der Insel der kleinen Hunde. Statt der Tiere gibt es allerdings nur Palmen, an denen die Einheimischen hinauf- und hinunterklettern, um Kokosnüsse zu ernten.

Ein Einheimischer bei der Kokosnussernte.
Typischer Inseltraum: Eine frische Kokosnuss am weißen Sandstrand schlürfen. Foto: Bernadette Olderdissen
Schnorchler bestaunen ein Schiffswrack in gut vier Metern Tiefe, ebenso von Sagen umwoben wie von Rochen und Kaiserfischen. Zu meiner Lieblingsinsel wird Chichime – die Insel mit den weißesten Stränden, den meisten Seesternen im kristallklaren Wasser und friedlichen Rochen, die unter mir umherschwimmen. 

Galerie: Das Paradies auf den San-Blas-Inseln

Der Kuna Way of Life

Wenn du bei so viel karibischer Schönheit gar nicht wieder wegwillst, hier die gute Neuigkeit: Du könntest theoretisch in eine der 23 inselbesitzenden Kuna-Familien einheiraten. „Früher suchten die Großeltern die Partner ihrer Enkel aus, jetzt dürfen wir das selbst“, erzählt Daniel. Von seinen neun Geschwistern habe allerdings noch keiner einen Ausländer geehelicht.

Strandhütten auf der Isla Diablo.
So wohnen die Einheimischen auf der Isla Diablo. Foto: Bernadette Olderdissen

„Nicht alle von uns arbeiten im Tourismus, der Großteil meiner Familie wohnt auf einer Insel vor Carti. Dort haben wir Ärzte, die natürliche Heilmittel nutzen. Wir sind sehr stolz. Das Rot in unserer Flagge steht für unser Blut.“

Nicht alle der etwa 25.000 auf den Inseln lebenden Kuna sprechen so gut Spanisch wie Daniel, einige nur die Eingeborenensprache Kuna, denn Traditionen stehen nach wie vor an erster Stelle: Die Frauen tragen selbst genähte Molas, blumenreiche Blusen und Röcke sowie mit Bändern umwickelte Unterarme und Unterschenkel, als Schmuck goldene Nasen- und Ohrringe. 

Trotzdem sind auch die Kuna echte Handy-Fans. Im Gegensatz zu uns Touristen haben sie hervorragenden Empfang und Internetzugang. Am Abend sitzen wir gemeinsam bei frischem Fisch und Hummer an einem langen Tisch und erzählen. Vom letzten Ausflug. Den Kakerlaken-Besuchen der vergangenen Nacht. Über die im Gemeinschaftsbad fehlenden Spiegel.

Doch mit den Tagen reden wir immer weniger über die Schönheitsfehler im Paradies und immer mehr über die wohlige Abgeschiedenheit, über das endlich ausgelesene Buch oder über den letzten Schwatz mit einem Kuna. Und über das Gefühl, mal ganz im Hier und Jetzt zu leben, statt dauernd durch Klingeln oder Piepen abgeordert zu werden. 

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