Es dauert zwölf Fährminuten, bis der Trubel von Esbjerg vergessen ist und die Hygge – Gemütlichkeit – von Fanøs 2750 Einwohner starkem Hauptort Nordby übernimmt. Die Altstadt mit ihren reetgedeckten Häuschen aus dem 19. Jahrhundert soll seit 1820 unverändert sein, das mit 300 Jahren älteste Gebäude beherbergt Fanøs Museum.

Hier erfährst du, dass die Insel einst Großmacht der Segelschifffahrt war. Weil die Insulaner reich von der Seefahrt zurückkehrten, zieren die Landschaft noch heute Kapitänsvillen – und die Fenstersimse zwei traurig dreinschauende Porzellanhunde: Dänische Seefahrer brachten ihren Frauen diese Figuren als Treue-Symbol aus England mit.

Jünger sind die Graffiti-geschmückten Strand-Bunker, Überreste des Atlantikwalls, mit dem die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg das Vorankommen der westlichen Alliierten verhindern wollte. 

Fanø: Kleine Insel, viele Highlights

Die Schönste im ganzen Land ist nicht Nordby, sondern Sønderho, dessen Hallenkirche Dänemarks größte Sammlung an Holzschiffmodellen beheimatet. Die reetgedeckten Häuser ringsherum sind ebenerdig mit Wohnraum und Stall in einem Gebäude.

Sønderho ist ein kleines Dorf mit 278 Einwohnern an der Südspitze der Insel Fanø im Südwesten Dänemarks.

Die Giebel weisen nach Ostwest, um Winterstürmen besser zu trotzen, viele Türen und Fenster zieren grüne, schwarze und weiße Ziegelsteine. „Die Farben symbolisieren Geburt, Leben und Tod“, erfahre ich im 1750 erbauten Hannes Hus, einem traditionellen Seefahrerhaus. 

Etwas haben heutige Insulaner den Menschen vergangener Jahrhunderte voraus: Sie können beim besten Schlachter Dänemarks einkaufen. Die Fleisch- und Wurstspezialitäten von Slagter Christiansen in Nordby stehen auch in den Inselrestaurants auf der Karte.

Und was ist besser zum Runterspülen als eines der besten Biere Dänemarks vom Fanø Bryghaus? „2005 entstand das erste Brauhaus, eröffnete aber nach einer Pleite 2008 neu und braut nun an die 300.000 Liter Bier pro Jahr“, erzählt Event-Manager Jesper Voss.

Die Braumeister seien Amerikaner, die sich über das deutsche Reinheitsgebot von 1516 hinwegsetzten, demzufolge nur Wasser, Hopfen und Gerste erlaubt seien. „Wir haben auch Milchschokoladenstout.“ 

Auch für Experimentierfreudige ist im Bryghus was dabei: Lavendel, Kamille und Milchschokolade sind nur einige der vielen Bier-Sorten.

Route 404

Nach dem Brauereibesuch kannst du die Kalorien wieder abtrainieren: Blaue Schilder mit weißem Fahrradsymbol kündigen die 26 Kilometer lange Panoramaroute 404 an. Sie beginnt beim Hafen und führt an einer Sandbank voller Robben vorbei Richtung Süden.

Höchstens die steife Brise könnte die Fahrradtour etwas weniger idyllisch machen.

Im Osten geht es durch den Nationalpark aus 1421 Hektar Waldgebiet, Heimat von Rehen und Damwild. Am Ende gelangt man an Fanøs zwölf Kilometer langen und teilweise 700 Meter breiten Westküstenstrand, der sogar von Autos und Fahrrädern befahren wird. Den schönsten Sonnenuntergang hinterm Meer gibt es bei gutem Wetter obendrauf.

Draußen im Watt

Ein Must-do auf Fanø ist eine Wattwanderung ab dem Strand von Sønderho. In den Wintermonaten kannst du baltischen Bernstein am Strand finden, der zwischen 30 und 50 Millionen Jahre alt ist und bei Stürmen an Land treibt. Ganzjährig gibt es unzählige Spaghetti-Haufen auf dem Meeresboden: „Wattwurmkacke! Da vorne, wo das Loch ist, befindet sich der Kopf des Wurms, und dort, wo die Spaghetti liegen, der Po“, erklärt die gebürtige deutsche Wattführerin Helen Mähler.

Robben findest du rund um Fanø. Allerdings sind sie relativ scheu – beobachten kannst du sie aus der Ferne.

„Wattwurmkacke ist der sauberste Sand, denn der Wurm saugt ihn auf, filtert ihn und furzt ihn dann gereinigt wieder aus.“ Das Beste kommt bei der Wattwanderung aber zum Schluss: eine Sandbank anderthalb Kilometer tief im Meer mit an die 500 Seehunden und Kegelrobben.

Vom Winde verweht 

Zurück am Strand brauchst du dich nicht zu wundern, wenn Frauen im Brautkleid und Männer in Anzügen vorbeischreiten – heiraten zählt zu den Top-Strandaktivitäten auf Fanø. Aber auch, wenn du nicht heiraten möchtest, findest du am Strand allerlei zu tun – wie Blokart fahren.

Blokart: Segeln kannst du damit auch auf dem Land.

Guide Adrian von Club Fanø stattet mich mit Helm und Handschuhen aus. „Der Wind kommt heute von Norden, also fahren wir nach Osten und Westen.“ Ich schieße in gerader Linie aufs Meer zu, kriege aber kurz vorm Seebad samt Klamotten noch die Kurve.

Bald habe ich’s kapiert: Wenn man mit zu viel Wind im Segel um die Ecke biegt, verliert man das Gleichgewicht. Man muss die Schnur auch mal lockerlassen und den Wind machen lassen, um es um die nächste Kurve zu schaffen – aber nicht allzu lang, denn dann bleibt man stecken. Wie im Leben halt.

Diese Reise wurde unterstützt von Visit Denmark. Über Auswahl und Inhalt entscheidet allein die Redaktion.