Fake-Bewertungen: Holidaycheck verklagt Fivestar-Agentur

Fake-Bewertungen: Holidaycheck verklagt Agentur

Wie leicht Fake-Bewertungen auf Holidaycheck gelangen können, zeigte ein TV-Team im vergangenen Jahr. Das Portal reagiert: Zuerst mahnte es Hotels ab, nun verklagt es die Organisatoren der Fake-Bewertungen.

Wie vertrauenswürdig sind die Bewertungen auf Holidaycheck?
Wie vertrauenswürdig sind die Bewertungen auf Holidaycheck?

Foto: imago/Schöning

Wie viele der Bewertungen auf Portalen wie Holidaycheck und TripAdvisor sind Fakes? Recherchen im vergangenen Jahr warfen ein schlechtes Licht auf die Glaubwürdidkeit der Websites, auf denen sich Touristen gern über Hotels, Restaurants und Bars in einem Urlaubsziel informieren.

Ein Bericht des TV-Magazins „Plusmisnus“ zeigte, wie leicht es ist, Fake-Bewertungen auf Holidaycheck zu platzieren. Das Portal reagierte und geht gegen die Organisatoren der Fake-Bewertungen vor.

Holidaycheck reicht Klage wegen Fake-Bewertungen ein

Am 5. Februar reichte Holidaycheck offiziell Klage am Landgericht München I gegen das Unternehmen Fivestar Marketing ein – mit der Absicht, Reisenden „die nötige und größtmögliche Transparenz und Verlässlichkeit bei der Buchung seines Urlaubes an die Hand zu geben“.

Mit dem Slogan „Sterne für Ihr Unternehmen“ wirbt Fivestar Marketing auf seiner Website für das Kaufen von Bewertungen. „Bei uns können Sie seriöse Bewertungen kaufen, die der Qualität Ihrer Produkte und Dienstleistungen gerecht werden“, heißt es da. Das steigere den Erfolg eines Unternehmens, so die Agentur.

TripAdvisor-Bewertungen gibt’s ab 14,95 Euro, Google- und Facebook-Bewertungen ab 12,95 Euro. Werbung für Holidaycheck-Bewertungen gibt es nicht (mehr).

Bereits im vergangenen Jahr hatte Holidaycheck 50 Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz identifiziert, die versuchten, sich mittels gekaufter Bewertungen bei Fivestar Marketing einen Vorteil bei möglichen Kunden zu erschleichen.

Zunächst wurden die betroffenen Hotels durch einen Manipulations-Hinweis auf der Holidaycheck-Website kenntlich gemacht.

Außerdem verschickte das Portal Abmahnungen an die Betriebe mit einer Unterlassungserklärung. Die meisten hätten sich daraufhin unter Androhung einer Vertragsstrafe dazu verpflichtet, keine gefälschten Bewertungen mehr abzugeben.

Mit diesem Hinweis werden Nutzer vor Fake-Bewertungen bei bestimmten Hotels gewarnt.
Mit diesem Hinweis werden Nutzer vor Fake-Bewertungen bei bestimmten Hotels gewarnt. Foto: Holidaycheck

„Wir wollen das urlauberfreundlichste Unternehmen werden und dem entgegen stehen ganz klar die organisierte Täuschung des Urlaubers durch gefälschte Bewertungen im großen Stil. Hier fahren wir eine strikte Null-Toleranz-Politik“, erklärt Holidaycheck-Geschäftsführer Christoph Ludmann. 

Agentur für Bewertungsverkäufe schießt gegen Holidaycheck 

Das Unternehmen Fivestar Marketing hingegen fühlt sich zu Unrecht als „Sündenbock“ vor Gericht gebracht, berichtet das Portal „Reise vor 9“. In einer Stellungnahme der Agentur heiße es: „Bei Bewertungen im Internet besteht seit jeher das grundsätzliche Problem von Manipulationen.“ 

Unternehmer würden Freunde und Bekannte bitten, das eigene Unternehmen positiv zu bewerten, Konkurrenten würden gezielt negative Bewertungen über Mitbewerber veröffentlichen. ​Portalbetreiber wie Holidaycheck seien „in den meisten Fällen nicht in der Lage, diese gefälschten Bewertungen von echten Bewertungen zu unterscheiden“, so Fivestar Marketing. Warum das die eigene Praxis rechtfertigen sollte, darauf geht der Bewertungsverkäufer nicht ein. 

Jedoch sei das Unternehmen „mit Sicherheit nicht der Kern dieses Problems“. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall: „Alle Rezensenten in unserem Netzwerk sind reale Personen, die echte Bewertungen veröffentlichen, die von uns in keiner Weise vorgegeben oder beeinflusst werden“. 

Diese Maßnahmen trifft Holidaycheck gegen Fake-Bewertungen 

Neben der gerichtlichen Auseinandersetzung ergreift Holidaycheck auch präventive Maßnahmen gegen Bewertungsbetrug. Das Bewertungsportal hat beispielsweise seinen Verhaltenskodex für Hoteliers überarbeitet. Im sogenannten Code of Conduct wird nun noch strenger geregelt, was bei der Werbung um Bewertungen im Hotel erlaubt ist und was nicht. 

Zudem informiert Holidaycheck die Hotelbetriebe aktiv über den Umgang mit gefälschten Bewertungen und fordert zur Mithilfe bei deren Aufklärung auf. 

Unterstützung kommt auch vom Hotelverband Deutschland (IHA). „Gefälschte Bewertungen sind ein großes Ärgernis für die gesamte Hotelbranche“, sagt Tobias Warnecke vom IHA. „Aus diesem Grund kooperieren wir als Hotelverband eng mit Bewertungsportalen und Behörden bei der Aufdeckung und Verfolgung derartiger Praktiken.“

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