Mit einem Roadtrip erfüllt Laura den Traum ihres verstorbenen Vaters

Mit diesem Roadtrip erfüllt sie den Traum ihres Vaters

Manche vergraben sich in schwierigen Zeiten in Trauer. Laura stürzte sich nach dem plötzlichen Tod ihres Dads ins Leben und erfüllte seinen größten Traum: Sie fuhr im Oldtimer von Schottland nach Südafrika.

Laura und Charlie, ihr Morris Minor, Baujahr 1958, am 23. Breitengrad südlich der Sahara.
Laura und Charlie, ihr Morris Minor, Baujahr 1958, am 23. Breitengrad südlich der Sahara.

Foto: Laura Morrison

Diese Entscheidung hat ihr komplettes Leben auf den Kopf gestellt: Laura Morrison (37) ist siebeneinhalb Monate lang von Aberdeen im Nordosten Schottlands bis nach Kapstadt in Südafrika gefahren. Und zwar in dem 60 Jahre alten Oldtimer ihres Vaters.

Der Anlass für diesen Wahnsinns-Roadtrip könnte trauriger nicht sein: Im Jahr 2016 ist Lauras Vater an Hautkrebs gestorben. Für ihn war die Reise von seinem Geburtsort quer durch Europa und Afrika ein unerfüllter Lebenstraum. 

Im quietschblauen Oldtimer von Schottland nach Südafrika 

Für Laura war klar: Sie will diese Reise Wirklichkeit werden lassen. Für ihren Vater. Nach einem Jahr Planung ging es los: Der Morris Minor, Baujahr 1958, wurde von Neuseeland, Lauras damaliger Heimat, nach Schottland geschifft. Vor ihr lagen 26.000 Kilometer, unzählige Herausforderungen – und unvergessliche Begegnungen.

Auch wenn ihre Reise in Kapstadt enden sollte, hatte Laura mehr als nur ein Ziel: Sie wollte nicht nur den Lebenstraum ihres Vaters erfüllen, sondern auch Geld für die Krebsforschung sammeln. Für Laura war die Reise deshalb eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit für die Bekämpfung der Krankheit zu erzeugen.

Der Roadtrip wird für Laura eine Reise in die Vergangenheit

Allein war sie auf ihrer Mission übrigens nur selten: Immer wieder leisteten Verwandte und Freunde ihr für einen Teil der Strecke Gesellschaft. In Spanien und Frankreich war zum Beispiel ihre Cousine mit an Bord, ein Freund begleitete sie von Khartum im Sudan nach Daressalam in Tansania.

Die ganze Zeit mit dabei war ihr Vater – in Gedanken. „Für mich hat es sich so angefühlt, als würden wir diese Reise zusammen unternehmen“, erzählt Laura im Gespräch mit dem reisereporter.

Auch, weil die Route von Aberdeen quer durch Europa und Afrika sie zu vielen Orten aus ihrer Kindheit und der ihres Vaters führte. Geboren in Sambia, verbrachte Laura die ersten 13 Jahre ihres Lebens in Botswana, Malawi und Simbabwe, bevor die Familie nach Picton in Neuseeland zog.

Vor allem in Botswana traf Laura auf ihrer Reise immer wieder auch alte Schulfreunde und Bekannte ihrer Familie.

   

Lauras Roadtrip durch Europa und Afrika in Bildern

Dabei waren es meist die Begegnungen mit völlig Fremden, die den Roadtrip für sie unvergesslich machten: „Die Hilfsbereitschaft der Leute hat mir wirklich den Glauben an die Menschheit zurückgegeben. Ich habe unterwegs so viele wunderbare Menschen getroffen.“

Ob mit Essen, Unterkunft oder Benzin: Überall in Afrika war Laura von der Freundlichkeit der Einheimischen überwältigt. Besonders im Sudan, wo die Menschen ihr immer wieder ihr Zuhause geöffnet haben. „So gastfreundliche Menschen wie dort habe ich noch nie erlebt“, schwärmt Laura.

Ob sie sich auch mal unsicher gefühlt hat? Nie! Selbst in Äthiopien, auf unwegsamen Straßen in 3.400 Meter Höhe, die Charlie an seine Grenzen gebracht haben, musste Laura nie länger als fünf Minuten warten, bis ihr jemand zu Hilfe geeilt kam. An einem Tag ist sie achtmal liegen geblieben, doch immer fanden sich Fremde, die ihr Starthilfe geben konnten.

Die Reise in Afrika ist noch nicht zu Ende

26.000 Kilometer und siebeneinhalb Monate nach dem Beginn ihrer Reise in Aberdeen hat Laura es geschafft: Sie ist in Kapstadt angekommen. Ihre Zeit in Afrika soll aber längst nicht zu Ende sein. Mittlerweile lebt und arbeitet Laura in Botswana – natürlich mit Charlie.

Der Oldtimer leistet ihr noch immer gute Dienste, allerdings nur für kürzere Strecken: „Für lange Reisen nehme ich lieber ein anderes Fortbewegungsmittel.“

Auch ihr wichtigstes Ziel hat Laura erreicht: Bislang konnte sie fast 35.000 Dollar (umgerechnet rund 21.000 Euro) für das Forschungszentrum des Krebsverbandes in Auckland sammeln. Dort arbeiten die Forscher an Medikamenten gegen Krebs.

Auf dieser Reise ging es nicht um Orte oder Dinge, sondern um die Menschen.

„Ich habe auf dieser Reise wunderschöne Dinge und Orte gesehen“, erinnert sich Laura. „Aber das war nebensächlich. Auf dieser Reise ging es um die Menschen.“

Wirklich verändert habe der Roadtrip sie nicht. Aber er habe sie darin bestätigt, was im Leben wirklich zählt: „Was du nach draußen ins Universum gibst, bekommst du auch zurück. Wenn du positiv und offen anderen gegenüber bist, wenn du freundlich bist, wirst du auch so behandelt. Wenn das alle tun würden, wäre diese Welt ein besserer Ort.“

   

Lauras Spendenaktion für Krebsforschung ist noch immer geöffnet. Unter dem Link kannst du einen Teil dazu beitragen.

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