Overtourism: Was hilft gegen die Touristenmassen?

Overtourism: Was hilft gegen die Touristenmassen?

Dubrovnik, Mallorca, Venedig und Amsterdam haben ein gemeinsames Problem: Sie sind überfüllt. Und sie kämpfen gegen Overtourism, aber mit unterschiedlichen Maßnahmen. Welche funktionieren – und welche nicht?

Venedig lockt jährlich Millionen von Touristen an – zu viele.
Venedig lockt jährlich Millionen von Touristen an – zu viele.

Foto: imago/Arnulf Hettrich

Was Kataloge zeigen: einsame Strände und Buchten mit türkisfarbenem Wasser. Verschlafene Städtchen mit leeren Gassen. Sonnenuntergänge vor der romantischen Kulisse weiß-blau getünchter Häuser.

Was Touristen sehen: vermüllte Strände und Urlauber, die Handtuch an Handtuch liegen. Besuchermassen, die sich durch enge Gassen schieben. Hunderte Urlauber, die ihre Smartphones in die Höhe recken, um ein Bild vom Sonnenuntergang zu machen.

Was Urlauber gegen Überfüllung am Reiseziel tun würden

Erholsame Ferien sehen anders aus, und Urlauber sind zunehmend genervt von zu vielen anderen Touristen am Reiseziel. Zwei von drei Deutschen wären bereit, Reisen auf andere Jahreszeiten zu verschieben, wenn so eine Überfüllung am Ziel verhindert werden könnte.

So sieht es an vielen Stränden in Europa aus: Handtuch an Handtuch liegen die Urlauber.
So sieht es an vielen Stränden in Europa aus: Handtuch an Handtuch liegen die Urlauber. Foto: imago/blickwinkel

Und 76 Prozent wären sogar dazu bereit, 100 bis 300 Euro mehr für eine Woche Urlaub zu zahlen, wenn dafür weniger andere Urlauber vor Ort wären. Das ist das Ergebnis einer Studie des Portals „Travelzoo“, die anlässlich der Reisemesse ITB 2019 in Berlin erstellt worden ist. Dort ist Overtourism eines der Schwerpunktthemen.

Overtourism: Die Überfüllung der Städte hat viele Gründe

Denn die Überfüllung ist ein großes Problem für die Städte und ihre Einwohner. Der kroatische Küstenort Dubrovnik hat damit ebenso zu kämpfen wie die Städte Barcelona, Amsterdam und Venedig oder die Insel Santorin. Die Besucher werden zum Störfaktor und belasten das alltägliche Leben vor Ort.

Die eine Lösung gibt es ebensowenig wie den einen Grund für Overtourism. Die Ursachen sind vielfältig. Viele Orte sind heute nicht nur viel einfacher, sondern auch viel günstiger als noch vor einigen Jahren zu erreichen.

Täglich sind weltweit bis zu 200.000 Flugzeuge in der Luft. Billigflieger wie Ryanair locken mit teils wahnwitzigen Angeboten, ein Flug nach Mallorca kann da schon mal billiger sein als ein Cappuccino

Und immer größer werdende Kreuzfahrtschiffe steuern immer häufiger die Häfen europäischer Städte an und fluten diese mit Tausenden Passagieren gleichzeitig.

Vor Ort sorgen Plattformen wie Airbnb dafür, dass es in den Städten deutlich mehr günstige Unterkunftsmöglichkeiten gibt. Und dann sind da noch Social-Media-Plattformen wie Instagram, auf denen Influencer mit ihren Urlaubsbildern regelrechte Hypes bei Reisezielen auslösen.

So wehren sich die Reiseziele gegen Massentourismus

Die Reiseziele wehren sich mit unterschiedlichen Maßnahmen gegen die Überfüllung. Venedig etwa nimmt ab Mai Eintritt von Tagestouristen, zwischen 3 und 10 Euro sollen Urlauber zahlen.

Experten glauben aber nicht, dass diese Maßnahme Erfolg haben wird. „Das ist vielleicht eine kurzfristige Lösung, aber auf lange Sicht werden Eintrittsgelder nicht sehr hilfreich sein“, sagt Professor Albert Postma vom „European Tourism Futures Institute“. 

Experten glauben nicht, dass Eintrittsgeld gegen Overtourism hilft

Der Eintritt könnte Urlauber, die ein festes Budget haben, vielleicht beim ersten Mal von einem Besuch abhalten. Doch auf lange Sicht würden sie diese Ausgabe ganz einfach bei der Urlaubsplanung einrechnen.

Für Dubrovnik kommt die Einführung eines Eintrittsgeldes zumindest aktuell auch nicht infrage. Die Stadt setzt auf eine Beschränkung des Tourismus. 

Denn das kleine Mittelalter-Städtchen mit gerade einmal 44.000 Einwohnern sieht sich jedem Jahr rund zwei Millionen Urlaubern ausgesetzt. Angefangen hat der Hype im Jahr 2011, als Dubrovnik ein Drehort für die Kult-Serie „Game of Thrones“ war.

Dubrovnik erlaubt weniger Kreuzfahrtschiffe

„Es ist nicht schön anzusehen, wenn so viele Menschen gleichzeitig von den Kreuzfahrtschiffen in die Altstadt strömen. Das war für uns ein Alarmsignal, dass wir etwas ändern müssen“, sagt Romana Vlasic, Direktorin des Tourismusverbands Dubrovnik, auf der ITB. Die Lösung soll das Projekt „Respect the City“ sein.

Drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Dubrovnik? Das wird es ab 2019 nicht mehr geben.
Drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Dubrovnik? Das wird es ab 2019 nicht mehr geben. Foto: imago/Stefan Noebel-Heise

Der Maßnahmenkatalog sieht unter anderem vor, dass ab diesem Jahr nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe pro Tag im Hafen anlegen dürfen, jeweils nur mit 5.000 Personen an Bord. Einen ähnlichen Weg schlug die griechische Insel Santorin ein: Dort dürfen seit dem Jahr 2017 pro Tag nur noch 8.000 Kreuzfahrtpassagiere an Land gehen.

In Dubrovnik sind die Verantwortlichen optimistisch, dass die Maßnahmen greifen werden. „Ich glaube, in zwei bis drei Jahren werden wir das Problem Overtourism überwunden haben“, sagt Vlasic.

Mallorca setzt auf mehrere Maßnahmen

Die Insel Mallorca hat bereits mehrere Maßnahmen umgesetzt: Eine Reduzierung der Bettenzahl, Eintritt für Kreuzfahrttouristen und die App „Welcome Palma“, die Touristen von überfüllten Orten in der Stadt fernhalten soll, sind nur drei davon.

Eine Kombination verschiedener Maßnahmen ist aus Expertensicht genau der richtige Weg. „Nur eine Maßnahme umzusetzen wird nichts bringen“, ist sich Professor Postma sicher. Gemeinsam mit der Welttourismusorganisation UNWTO hat er insgesamt 68 Maßnahmen gegen die Überfüllung von Orten erarbeitet.

Für jeden Ort müsse aus diesen ein individuelles Konzept erarbeitet werden – nur dann sei es möglich, das Problem Overtourism zu lösen.

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