Oman: Eine Wanderung mit dem Bergguru | reisereporter.de

Oman: Eine Wanderung mit dem Bergguru

Der östlichste Staat der arabischen Halbinsel ist ein Land der Gegensätze: Gebirgslandschaften und weite Wüsten, grüne Oasen und abwechslungsreiche Küste, Erneuerung und Tradition treffen eindrucksvoll aufeinander.

Detlef Berg
Lange Sandstrände sind typisch für die Küste bei Salalah im Oman.
Lange Sandstrände sind typisch für die Küste bei Salalah.

Foto: Detlef Berg

Khalid zeigt auf einen kleinen knorrigen Baum, der seine dürren Zweige in den Gluthimmel streckt. „Das ist ein Exemplar eines Boswellia sacra“, erklärt unser Reiseführer. Diese Bäume schufen den Reichtum Arabiens, bevor Erdöl zum Garanten des Wohlstands im heißen Wüstenstaat wurde.

Es ist ein Weihrauchbaum, und vor 2.500 Jahren war Weihrauch so kostbar, dass er in Rom mit Gold aufgewogen wurde. „Man kann die Bäume weder züchten noch verpflanzen. Es gibt sie nur hier in Dhofar, der südlichsten Provinz des Oman, im Jemen und im Süden Somalias. Sie wachsen nur unter ganz bestimmten klimatischen Bedingungen und sind ein Geschenk Gottes“, erklärt Khalid voller Stolz.

Bis heute wird der Weihrauch wie vor 2.500 Jahren geerntet: Mit einem Schabemesser ritzen die Beduinen die Rinde ein. Je nach Alter verträgt ein Baum zehn bis dreißig Einkerbungen. Aus den Wunden tritt eine klebrige, milchige Flüssigkeit, die an der Luft trocknet. Dann wird der Weihrauch an die Küste gebracht, nach Salalah, der Hauptstadt der Region.

Die schwüle Luft ist gefüllt mit den Düften Arabiens

Auch Salalah lebte lange vom Weihrauch. Einige stattliche Händlerhäuser künden von dieser Zeit. Berühmt ist die Stadt bis heute für Bokhus, exotische Räuchermischungen, die in Familienarbeit hergestellt werden – nach alten Rezepten gemischt aus Sandelholz, Myrrhe, Moschus und natürlich Weihrauch. Auf dem Suk, dem Markt, werden Komplettpakete feilgeboten: ein Stövchen aus Ton, Streichhölzer, Holzkohle und ein Päckchen Bokhus.

Natürlich liegen alle Wohlgerüche Arabiens in der schwülen Luft. Es duftet nach Zimt, Kardamom, nach Muskat, Minze und Rosenöl. Durch die engen und verwinkelten Gassen schieben sich Omanis in wallenden blütenweißen Gewändern und schwarz verschleierte Frauen.

Die Stände quellen über vor Ware – gefeilscht wird um farbenprächtige Stoffe, wundervoll verzierte Krummdolche, aber auch um Obst, Gemüse und Fisch.

Auf den Märkten werden frische Schalentiere verkauft.
Auf den Märkten werden frische Schalentiere verkauft. Foto: Detlef Berg

Das touristische Kapital der Region sind heute vor allem die Hunderte Kilometer langen weißen Sandstrände, die Salalah zu einem der attraktivsten Badeorte des Vorderen Orients machen. Mit den Petro-Dollars wurde eine erstaunlich gute Infrastruktur geschaffen, und heute säumen zahlreiche, großzügig gestaltete Urlaubsanlagen den Strand und bieten bezahlbaren Luxus.

Neben unbeschwertem Badevergnügen gibt es zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten. Mit einer Dau zum Beispiel lässt sich die noch weitgehend unbekannte Unterwasserwelt erkunden, und wer mag, bucht einen Tauchkurs.

Spektakuläre Fahrt zum Grand Canyon des Oman

Auch das Landesinnere bietet zahlreiche Überraschungen. „Hättet ihr erwartet, dass wir hier mit dem Wadi Nakhar so etwas wie einen Grand Canyon haben?“, fragt Khalid. Die Schlucht zu Füßen des rund 3.000 Meter hohen Jebel Shams, des „Bergs der Sonne“, ist längst nicht so lang und auch nicht ganz so tief wie das Original in den USA, aber ähnlich spektakulär.

Etwa zwei Stunden dauert die kurvenreiche Fahrt von der Hauptstadt Maskat in die faszinierende Gebirgslandschaft zum Saiq-Plateau im Nordwesten des Landes. Die Aussicht auf die omanische Bergwelt ist grandios – der Blick schweift über Bergdörfer, die an den Felswänden zu kleben scheinen, zu Wadi-Oasen und grünen Terrassenfeldern. 

Im Landesinneren zeigt der Oman sein zerklüftetes Gesicht.
Im Landesinneren zeigt der Oman sein zerklüftetes Gesicht. Foto: Detlef Berg

„Prince Charles war begeistert vom Panorama, griff zum Pinsel und fixierte die Landschaft auf der Leinwand, und auch Lady Di war beeindruckt“, erzählt Maher. „Wo sich das Paar 1986 zum Picknick niederließ, befindet sich jetzt mit dem Anantara Al Jabal Akhdar das höchstgelegene Luxushotel im Mittleren Osten“, sagt Maher weiter. 

Der 35-Jährige arbeitet im Hotel als Bergguru und bietet für die Gäste zahlreiche Wandertouren an. Wer keine Höhenangst hat, kann sich mit ihm direkt an der Abbruchkante abseilen. Interessantes über das Leben der Omanis erfährt, wer an seiner Tour zu drei alten Dörfern teilnimmt. 

Die Lieblingstour des Berggurus ist aber die zu den berühmten Damaszener-Rosen. „Sie blühen nur von März bis Mitte Mai“, so Abdullah, der Dorfälteste von Al Ayn. In seiner Destillerie zeigt er uns, wie das kostbare Rosenwasser nach traditioneller Art gewonnen wird. 

Abdullah fertigt in seiner Destillerie Rosenwasser auf traditionelle Art.
Abdullah fertigt in seiner Destillerie Rosenwasser auf traditionelle Art. Foto: Detlef Berg

Da köchelt ein brauner Sud in angelaufenen Silberschalen auf einem qualmenden Lehmofen – kaum zu glauben, dass daraus am Ende ein wunderbar duftendes Rosenwasser entsteht. Abgefüllt in kleine Fläschchen ist es eine schöne Erinnerung an diese Reise in den Oman.

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