Die Türkei erwartet in diesem Jahr rund 5,5 Millionen Urlauber aus Deutschland, eine Million mehr als 2018. Aber: Sind regierungskritische Deutsche bei der Einreise gefährdet? Entsprechende Aussagen des türkischen Innenministers Süleyman Soylu lösten Verunsicherung aus.

Wer in Deutschland an Veranstaltungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK teilnimmt und dann in der Türkei Urlaub macht, soll am Flughafen festgenommen werden. „Von nun an wird es nicht mehr so einfach sein, draußen Verrat zu begehen und sich dann in der Türkei zu amüsieren“, zitiert ihn die „Deutsche Welle“. „Sollen sie doch herkommen und von den Flughäfen aus einreisen. Wir nehmen sie fest und auf!“

Die Türkei versucht nun zu beschwichtigen. Touristen aus Deutschland und anderen Ländern seien weiterhin willkommen, heißt es vom Außenministerium. Die Aussagen seien von Medien „verzerrt dargestellt“ worden. Lediglich Unterstützer der kurdischen Arbeiterpartei PKK sollen bei der Einreise in die Türkei verhaftet werden. Die Partei ist als Terrororganisation eingestuft. 

Türkischer Tourismusminister wiegelt Fragen auf ITB ab

Der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy spielte das Thema herunter und wiegelte Fragen dazu auf der Reisemesse ITB in Berlin ab. „Da gab es ein Durcheinander und Missverständnisse“, sagte er auf einer Pressekonferenz. „Man sollte die Aussagen des Ministers nicht in eine bestimmte Richtung interpretieren.“

Die Frage, ob er von den Aussagen von Soylu Auswirkungen auf die Buchungszahlen befürchte, beantwortete Ersoy nicht. Er wolle auch lieber wieder „über Tourismus reden“.

Das Land sei bemüht, die sozialen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei weiter auszubauen. „Meinungsverschiedenheiten“ werde es aber immer wieder mal geben.

Auswärtiges Amt warnt vor Verhaftungen in der Türkei

Das Auswärtige Amt mahnt Urlauber nach wie vor zur Vorsicht. In den vergangenen zwei Jahren seien immer mehr Deutsche „willkürlich inhaftiert“ worden.

In den Reise- und Sicherheitshinweisen zur Türkei heißt es: „Festnahmen und Strafverfolgung deutscher Staatsangehöriger erfolgten mehrfach in Zusammenhang mit regimekritischen Stellungnahmen in den sozialen Medien.“ In diesem Zusammenhang wird sogar vor dem Liken und Teilen solcher Beiträge gewarnt.

Im schlimmsten Fall drohen bei „Präsidentenbeleidigung“ oder „Propaganda für eine terroristische Organisation“ mehrere Jahre Haft.