„Costa Venezia“: Besuch auf dem Kreuzfahrtschiff für China

„Costa Venezia“: Ein Kreuzfahrtschiff für China

Der Reise-Boom erreicht in China die Kreuzfahrt mit voller Wucht. Schon bald wird das Land nach den USA die meisten Kreuzfahrtpassagiere stellen. Wie müssen Kreuzfahrtschiffe für Chinesen aussehen?

Das neue Kreuzfahrtschiff „Costa Venezia“ von Costa Cruises.
Die „Costa Venezia“ wurde als erstes Kreuzfahrtschiff von Costa Cruises speziell für den asiatischen Raum gebaut.

Foto: Filippo Vinardi

China ist der Tourismus-Markt der Zukunft. 140 Millionen Auslands-Reisen wurden allein 2018 in China verkauft. 2,5 Millionen Chinesen haben voriges Jahr ein Kreuzfahrtschiff betreten.

Was mögen Chinesen aber auf See? Gutes Essen, Karaoke, Würfelspiel und Kultur aus Europa sind der Renner. Für diese Wünsche wurde in Italien bei Fincantieri nahe Triest jetzt die „Costa Venezia“ gebaut. Es ist das erste Schiff einer Serie von bis zu sechs Schiffen für China.

Kreuzfahrt mit der „Costa Venezia“: Venedig trifft auf Asien

Das Hauptrestaurant Canal Grande ist ein Venedig in Miniatur, inklusive Gondel und Brückenbogen. Aus den Lautsprechern in den Gängen erklingen Klänge venezianischer Melodien. Römische Gärten sind zusammen mit venezianischen Steinfassaden und Glasbläserkunst von Murano allgegenwärtig.

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Al ristorante Canal Grande, a bordo di Costa Venezia, si pranza vicino a un'autentica gondola. Una vera opera d'arte, realizzata dagli artigiani dello Squero di San Trovaso, uno dei cantieri navali più antichi e gloriosi di Venezia. @costacruisesofficial * * At restaurant Canal Grande, on board Costa Venezia, you can dine beside an authentic gondola, produced in the ancient Squero di San Trovaso, one of the oldest shipyards in Venice. * * #Costavenezia #travel_captures #travelbloggerlife #cruiseships #cruiseship #cruiselife #viaggiare #viaggiando #viaggio #viaggi #travel_captures #travelinfluencer #travelworld #travelinspiration #travel_drops #travelinsta #costaveneziachristening

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Im großen Spielcasino sind die sonst auf See so beliebten Slot-Machines klar in der Minderheit. Chinesen lieben Würfelspiele und Karten. Tische mit weichem Filzbezug dominieren.  

Die erste Bordsprache ist Englisch – wegen internationaler Vorschriften. Chinesisch ist aber die zweite Bordsprache. Alle Beschriftungen, Infotafeln und Speisekarten sind in Chinesisch. „Das ist unser Bekenntnis zu China“, sagt Mario Zanetti, der Präsident von Costa Asia. Es ist der asiatische Ableger von Costa Cruises aus Italien, Europas größter Kreuzfahrtreederei. 

Bei der Entscheidung für eine Kreuzfahrt sind Chinesen so wie die Deutschen: „Eine gute Küche spielt auf dem chinesischen Markt eine wichtige Rolle für die Buchung einer Kreuzfahrt“, erklärt Zanetti. 

Die gute Küche wird auch als einer der Gründe vermutet, weshalb in den vergangenen Monaten die eine oder andere US-Reederei in China eine Bruchlandung hinlegte. „Wir kennen den Markt seit 2006, als wir mit der ‚Costa Allegra‘ das erste Schiff in China einsetzten“, sagt Zanetti.

Kreuzfahrten als kulinarische Weltreise

„Wir haben hier an Bord eine sehr gute Küche. Das kommt bei den Gästen an“, sagt Weishuai Zhang, chinesischer Souschef an Bord der „Costa Venezia“ und Experte für asiatische und europäische Küche. 

Sein „Baby“ ist der Dim Sum, wo es gedämpfte und frittierte Nudel-Spezialitäten gibt. Das chinesische Restaurant ist auf Deck zehn, direkt neben der Burger-Bar. Das Dim Sum ist übrigens das einzige wirklich chinesische Restaurant an Bord des 323 Meter langen und 37,2 Meter breiten Neubaus.

Auf den 20 Decks gibt es insgesamt 14 Restaurants. Der Lu Hot Pot und das Yan Tepanaki sind japanischen Ursprungs, während das Marco Polo, das Casanova, das Frutti di Mare zusammen mit dem Canal Grande die volle kulinarische Bandbreite Italiens abdecken.  

Wer Ente süßsauer erwartet, ist an Bord der „Costa Venezia“  falsch. „Ihr Deutschen macht doch auch keine Kreuzfahrt, um nur Schnitzel und Bockwurst zu essen“, sagt ein Guide. Beim Wunsch nach Erkundung der See ticken Chinesen ähnlich wie die Deutschen. Sie wollen Reisen und schöne Dinge anderer Nationen erleben. 

Für Chinesen ist Karaoke auch auf Kreuzfahrt ein Muss

Deutliche Unterschiede gibt es aber beim Entertainment. Chinesen sind Karaoke-Liebhaber. Deshalb  gibt es an Bord ein spezielles Karaoke-Center, das Volare KTV Studio. Elf kleine Bühnen stehen dort mit Ton- und Kameratechnik für private Auftritte gegen Aufpreis bereit. 

Gesungen wird dabei in direkter Nachbarschaft zum Museum von Juventus Turin. „Chinesen lieben Juventus“, sagt Manzetti. Deshalb ist der Sportbereich auch keine Basketball- oder Volleyball-Arena an Oberdeck, sondern eine Kunstrasen-Arena mit Toren und vielen Juventus-Schriftzügen. 

Rundgang auf der neuen „Costa Venezia“

„Die Reise mit der ‚Costa Venezia‘ bietet die Möglichkeit für uns Chinesen, Italien zu erleben und dafür nicht um die halbe Welt zu fliegen“, sagt Sun, die freundliche Verkäuferin in der Schmuck-Boutique. Sie kommt selbst aus der Mitte Chinas und arbeitet seit Jahren auf Kreuzfahrtschiffen. „Das ist einfach spannend und macht Spaß, da man sehr viel Kontakt mit Menschen hat“, so die Chinesin. 

Die „Costa Venezia“ ist ein Kreuzfahrtschiff für asiatische Kunden

Bei der Taufe des Schiffes in Triest waren am 1. März die Besatzungsmitglieder aus der Volksrepublik erst als kleine Gruppe an Bord. Wenn das Schiff Mitte Mai in Shanghai eintrifft, wird der Anteil steigen. Für westliche Passagiere ist die „Costa Venezia“ dann nicht mehr buchbar. Nur für die Reise von Triest nach Shanghai können Urlauber aus Europa oder den USA an Bord gehen. 

In China ist die italienische Marke Costa inzwischen ein Renner. Vier der 28 Schiffe der Flotte sind bereits in Asien stationiert. Bislang waren es umgebaute Schiffe aus Europa. „Wir sind seit 2006 in China aktiv. Mit der ‚Costa Venezia‘ haben wir einen neuen Meilenstein bei der Entwicklung des Marktes in China erreicht“, sagt Michael Thamm, der deutsche Vorstand der Costa-Gruppe. 

Zukunftig sollen Costa-Kreuzfahrtschiffe direkt in China entstehen

Ein weiterer Meilenstein beim Aufbau eigener Kreuzfahrtflotten für China ist die Kooperation mit der staatlichen China State Shipbuilding Cooperation (CSSC) in Waigaoqiao in der Nähe von Shanghai.

Die chinesische Werft soll zukünftig Schiffe vom Typ der „Costa Venezia“ in Serie bauen. Die italienische Fincantieri-Werft und der US-Reisekonzern Carnival Cruise Corporation unterstützen das Vorhaben. Zwei Schiffe sind in China für Costa Asia bestellt, vier weitere sind als Option geplant.

Costa Asia ist Teil der Costa-Gruppe mit Sitz in Genua. Das 323 Meter lange Schiff bekommt 2020 noch ein Schwesterschiff aus Italien, danach wird der Typ in China in Serie gebaut. An Bord ist Platz für 5.260 Passagiere in 2.116 Kabinen. Heimathafen ist Genua – wie bei allen Costa- und Aida​-Schiffen.

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