Bei einem Flug vertrauen wir den Piloten – zwangsläufig. Sie werden die Maschine auch in 10.000 Metern Höhe schon sicher fliegen, schließlich haben sie ja die nötige Ausbildung und Erfahrung, oder? Dieser Fall zeigt: nicht immer. Was zufällig durch einen Zwischenfall auf Flug SA260 herauskam, ist tatsächlich unfassbar!

Die Maschine war am 6. November 2018 auf dem Weg von Johannesburg nach Frankfurt über den Alpen in Turbulenzen geraten. Es kam zu einem sogenannten Overspeed, das Flugzeug war schneller als die maximal erlaubte Geschwindigkeit. Das ist gefährlich und kann auch zu strukturellen Schäden führen.

Am Steuer saß zu dem Zeitpunkt Co-Pilot William C. – er brachte den Airbus A340-600 wieder auf einen sicheren Kurs. Die Maschine landete ohne Probleme in Frankfurt.

Keine Piloten-Lizenz: Schwindel fliegt erst nach 20 Jahren auf

Niemand der Passagere wurde verletzt. Trotzdem gibt es nach solchen Vorfällen einen Check – Standard und im Normalfall reine Routine, so Airline-Sprecherin Tlali Tlali gegenüber der südafrikanischen Zeitung „Mail & Guardian“. Doch dieses Mal war alles anders.

Es stellte sich heraus: Die Papiere des Co-Piloten waren gefälscht! Das bestätigt South African Airways in einer Pressemitteilung. Zu dieser Zeit war William C. bereits seit 25 Jahren als Pilot für die Airline tätig. Er hat zwar eine gültige Berufspilotenlizenz, aber keine für Verkehrspiloten (ATPL).

Die Airline schreibt vor, dass Co-Piloten nach fünf Jahren Anstellung eine solche Bescheinigung zwingend vorweisen müssen. Diese hatte William C. sich einfach selbst ausgestellt. Er hätte daher überhaupt keine großen Passagiermaschinen fliegen dürfen!

Angebotene Beförderungen zum Flugkapitän soll er mehrfach abgelehnt haben. Das Risiko wäre groß gewesen, dass der Schwindel dann aufgeflogen wäre. Denn dann hätte er seine gefälschte Lizenz einreichen müssen.

Fake-Pilot: South African Airways findet Vorfall „beunruhigend“

Die Airline nennt den Vorfall „beunruhigend“. Ein Sicherheitsrisiko habe aber nicht bestanden. Der Mann habe ja eine Fluglizenz besessen und regelmäßig Sicherheitstrainings absolviert.

Der Pilot hat das Unternehmen verlassen. Er wird nun von der Airline verklagt. Sie verlangt Schadensersatz in Höhe von mehreren Millionen Rand – eine Million Rand sind umgerechnet etwa 60.000 Euro. 

Auch ein Sicherheitsbeauftragter der Airline soll suspendiert worden sein, weil er angeblich versucht hatte, die Fälschung zu vertuschen.