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Malaysia: Eine Reise ins Multikulti-Land

Egal, ob in George Town auf der Insel Penang, in der Küstenstadt Malakka oder in der Hauptstadt Kuala Lumpur: Überall in Malaysia, das 2019 Partnerland der Reisemesse ITB ist, geht es bunt und exotisch zu.

Andreas Drouve
Blick vom Wolkenkratzer Komtar über Penang - unten pulsiert das Leben.
Blick vom Wolkenkratzer Komtar über Penang - unten pulsiert das Leben.

Foto: Penang Global Tourism/dpa-tmn

Die Perspektive mag im ersten Moment befremden. So nah am Asphalt, ganz vorn, ungeschützt. Aber in der Fahrradrikscha haben Passagiere einen Logenplatz. Erhöht dahinter tritt Mister Chyuan mit Schlappen in die Pedale.

Der Rikschafahrer ist 36 Jahre alt, chinesischstämmig. Wegen seines Körpervolumens nennen ihn alle nur Fatty. So stellt er sich selbst vor. Fatty müht sich ohne Gangschaltung voran, schnauft ein wenig und behält mit stoischer Miene die Ruhe zwischen Autos, Ampeln und Abzweigungen. Seit drei Jahren kutschiert er Reisende bei Sightseeingtouren durch das malaysische George Town.

Logenplatz ohne Knautschzone: Fahrradrikschas in George Town auf der Insel Penang.
Logenplatz ohne Knautschzone: Fahrradrikschas in George Town auf der Insel Penang. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Die Stadt atmet drückende Schwüle und reichlich Geschichte. Sie zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Briten setzten sich ab 1786 fest und benannten die Hauptstadt der Insel Penang nach König George III.

Typisch Malaysia: Ein Mix der Kulturen

Im Abendlicht strampelt Fatty an Town Hall, City Hall, Festungsmauern und Uhrturm vorbei. Es riecht nach Meer, Essensständen, Abgasen. Typisch für Malaysia, das in diesem Jahr Partnerland der Reisemesse ITB in Berlin (6. bis 10. März) ist, scheint der Mix der Kulturen und Religionen zu sein.

An derselben Straße wie die anglikanische Kirche St. George’s liegen der chinesische Tempel Goddess of Mercy, der Hindutempel Sri Maha Mariamman und die Moschee Kapitan Keling.

Malaien mögen funkelnde Wolkenkratzer

Fatty wischt sich den Schweiß von der Stirn, während er an von der Zeit zerfressenen Fassaden und origineller Street-Art vorbeirollt. Der Wolkenkratzer Komtar flimmert in der Dunkelheit in Grün, Blau und Rot. Malaysier lieben Spezialeffekte wie diese. Ein Shoppingcenter pustet klimatisierte Luft auf die Straße. Dann hat Fatty Feierabend.

Wer nicht auf dem Penang Hill gewesen ist, ist nicht auf Penang gewesen, heißt es im Volksmund. Im Rücken von George Town steigt der Berg mehr als 800 Meter an. Zu Beginn der Kolonialzeit bauten die Briten dort oben den Gouverneurspalast und ein Sanatorium. Die Europäer versuchten, in der Höhenluft Malaria, Cholera und Pocken auszukurieren. Oder taten ihre letzten Atemzüge.

Mit der Standseilbahn geht es rasant nach oben auf den Penang Hill.
Mit der Standseilbahn geht es rasant nach oben auf den Penang Hill. Foto: Penang Global Tourism/dpa-tmn

Hinauf ins Grün führt eine Standseilbahn, bei der Mister Anas am Steuer sitzt. Die Fliehkräfte drücken zurück, die Geschwindigkeit ist enorm. Bis zu 100 Fahrten schaffe er pro Tag, sagt der 33-Jährige. In den Tiefen zu erkennen sind der Buddhatempel Kek Lok Si und die Penang-Brücke hinüber zum Festland. Die Strandresorts von Batu Ferringhi lassen sich in der Ferne erahnen.

Brillenlanguren turnen durch die Bäume

Für Naturkommerz steht das abgegrenzte Areal The Habitat. Betonwege leiten in den Regenwald, an verschiedenen Stellen gibt es Schaukelpodeste. Irgendwo turnen Südliche Brillenlanguren durch die Bäume. Im Geäst macht eine satte Waglers Lanzenotter Pause, von deren Art sich viele im Schlangentempel im Süden der Insel wiederfinden lassen. In dem Tempel werden die frei lebenden Tiere allerdings von Menschen gefüttert.

Possierlich: Ein Brillenlangur turnt im Areal The Habitat durch die Bäume.
Possierlich: Ein Brillenlangur turnt im Areal The Habitat durch die Bäume. Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Open-Air-Kunst verbindet George Town mit Ipoh, Zwischenstation auf dem Weg nach Kuala Lumpur und Sprungbrett in die Cameron Highlands mit ihren Erdbeerfeldern und Teeplantagen. Über Ipohs zentraler Market Lane schwebt eine Installation bunter Schirme. Die Ära der Zinnbarone ist in der Hauptstadt des Bundesstaats Perak längst vorbei und das Prädikat des Bahnhofs als „Taj Mahal von Ipoh“ übertrieben.

Wir praktizieren einen moderaten, keinen extremen Islam wie in anderen Ländern.

Nolee Radzi, Tourismusministerin von Perak


Ein Plakat nahe der Zugstation verkündet: „Der Islam ist eine Religion des Friedens.“ Der Islam gehört zu Malaysia. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind muslimisch. Was bereits in George Town aufgefallen ist: Die jungen Frauen mit Kopftuch wirken fröhlich, unbeschwert, weltoffen. „Wir praktizieren einen moderaten, keinen extremen Islam wie in anderen Ländern“, sagt Nolee Radzi. Die 43-Jährige ist Tourismusministerin von Perak.

Die Petronas Towers sind ein Wahrzeichen von Kuala Lumpur

Minarette und Tempel stehen in Kuala Lumpur längst im Schatten einer himmelsstürmenden Architektur, an der Malaysias Hauptstadt in den vergangenen Jahren gefeilt hat. Die Zwillingstürme der Petronas Towers, 452 Meter hoch, sind abends spektakulär erleuchtet.

Die Aufzüge fahren bis zur Sky Bridge, die beide Türme verbindet, und höher in die 86. Etage. Die Aussicht ist prächtig, doch manchen Scheiben fehlt der glasklare Durchblick. Nur jedes Vierteljahr rücken Putzkommandos von außen an.

Symbol des ultramodernen Asiens: die Petronas Towers in Kuala Lumpur.
Symbol des ultramodernen Asiens: die Petronas Towers in Kuala Lumpur. Foto: Tourism Malaysia/dpa-tmn


Bessere Panoramen garantiert der Fernsehturm, der Kuala Lumpur Tower, aber nur, wenn man die teuerste Variante wählt: das Sky Deck an der frischen Luft auf gut 300 Metern Höhe. Für Nervenkitzel ohne Aufpreis sorgen zwei sogenannte Sky Boxes: Barfuß oder auf Socken tritt man unter den Augen eines Wächters in vorstehende Glaskästen hinaus. Möglich, dass der Herzschlag sich beschleunigt.

Zur DNA Kuala Lumpurs zählen Chinatown, Little India, Zentralmarkt, Königspalast, der Merdekaplatz mit dem eleganten Sultan Abdul Samad Building aus der Kolonialepoche der Briten. Vor diesem stieg am Fahnenmast 1957 erstmals die Flagge des unabhängigen Malaysias auf.

Imposant: Das Sultan Abdul Samad Building in Kuala Lumpur ist ein Verwaltungsgebäude aus der britischen Kolonialzeit.
Imposant: Das Sultan Abdul Samad Building in Kuala Lumpur ist ein Verwaltungsgebäude aus der britischen Kolonialzeit. Foto: Tourism Malaysia/dpa-tmn

Nach Sonnenuntergang pulsiert in der Changkat Bukit Bintang das pralle Leben. Rhythmen dringen aus Cocktailbars, Bäume tragen Überzüge aus Blinklichtern. In der Alor Street strömen Menschenmassen zu Freiluftrestaurants und Garküchen.

Malakka gehört zum Weltkulturerbe der Unesco

Malakka, ebenfalls Weltkulturerbe, rundet den Städtetrip im Westen Malaysias ab. Die Lage an der Malakkastraße gab einst den Ausschlag dafür, dass Fremde anrückten. Überbleibsel der Portugiesen ist die Porta de Santiago, ein Zugangstor zur 1511 gegründeten Festung. Erhalten aus der späteren Ära der Niederländer ist das lachsrote Stadthuys. Im Innern eines chinesischen Stadtpalais, das heute als Museum fungiert, findet sich ein asiatisch-europäischer Stilmix.

Das niederländische Stadthuys in Malakka sieht ein bisschen aus wie für einen putzigen Freizeitpark entworfen.
Das niederländische Stadthuys in Malakka sieht ein bisschen aus wie für einen putzigen Freizeitpark entworfen. Foto: Tourism Malaysia/dpa-tmn

Die wechselseitigen Einflüsse, die gegenseitige Akzeptanz – das setzt sich überall fort. Chinesische Lampions in der anglikanischen Christ Church. Schweinefleisch im Restaurant gegenüber der Moschee Kampung Kling. Indisch-chinesische Küche. Alles normal.

Mobile Wahrzeichen von Malakka sind die Radrikschas, die mit reichlich Edelkitsch verziert sind: Plüschtiere und Hupen, Figürchen, Fähnchen, Masken, Girlanden aus bunten Plastikblumen. Unterwegs mutieren die Gefährte zu rollenden Discos. Die Bässe wummern derart, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Da sehnt man sich zu Fatty aus George Town zurück. Im Nachhinein klingen die leichten Schnaufer des Schwergewichts wie Musik in den Ohren.

Tipps für deine Reise nach Malaysia

Anreise: Condor fliegt von Frankfurt am Main nonstop nach Kuala Lumpur, in die Hauptstadt von Malaysia. Darüber hinaus gibt es verschiedene Stopover-Flüge, zum Beispiel mit Qatar Airways über Doha, auch nach Penang.

Einreise: Deutsche Staatsbürger dürfen sich 90 Tage lang ohne Visum zu touristischen Zwecken in Malaysia aufhalten.

Beste Reisezeit: In Malaysia herrscht tropisches Klima, die Temperaturen schwanken über das Jahr nur wenig. Das Land ist ganzjährig gut bereisbar. Die beste Reisezeit hängt von der Region ab. Für den Westen sind Dezember bis März ideal. Für Reisen an die Ostküste wird dagegen die Zeit zwischen März und Oktober empfohlen.

Tipp: Tickets für den Besuch der Petronas Towers sollten Reisende vorab online reservieren.

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