Arabische Emirate: Wie ein Legoland im Sand | reisereporter.de

Arabische Emirate: Wie ein Legoland im Sand

Vom höchsten Gebäude der Welt über die älteste Falkenklinik bis zur längsten Zipline – die Arabischen Emirate bieten viele Superlative: Eine Reise durch Abu Dhabi, Dubai und Ras al-Khaimah.

Nicht nur wegen seiner spektakulären Skyline ist die Metropole Dubai weltweit bekannt.
Nicht nur wegen seiner spektakulären Skyline ist die Metropole Dubai weltweit bekannt.

Foto: Panthermedia/imago

„Dubai wird sich mit nichts zufrieden geben – außer mit dem ersten Platz.“ Die Aussage von Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum im Reiseführer klingt beeindruckend.

Nach einer Reise durch drei der Vereinigten Arabischen Emirate ist klar, was der Herrscher von Dubai meint. Er scheint es zu lieben, wenn andere über sein Werk staunen, seine Alles-ist-möglich-Welt.

Blick vom Hotel auf den Burj Khalifa

Wir blicken aus einer Suite eines Hotels auf Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, das an eine riesige Rakete aus Stahl, Beton und Licht erinnert, und den davorliegenden Verkehrsknotenpunkt. Die honiggelbe Autobahnbeleuchtung erhellt die Nacht.

Der Verkehr fließt und summt. Man erkennt in diesem einen Bild den Gigantismus, den Mut zum Wandel, sein Tempo und den Optimismus, mit dem Emiratis offensichtlich ihre Projekte anpacken. Während sie sich immer mehr vom Öl unabhängig machen, erbauen sie ihre ganz eigene Welt am Persischen Golf. Wie ein Lego-Land im Sand.

Wie eine riesige Rakete aus Stahl, Beton und Licht: Der Burj Khalifa in Dubai ist das höchste Gebäude der Welt.
Wie eine riesige Rakete aus Stahl, Beton und Licht: Der Burj Khalifa in Dubai ist das höchste Gebäude der Welt. Foto: Mathias Begalke

Und falls mal ein paar Steine fehlen? Das ist kein Problem, da sind wir uns nach fünf Tagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sicher: Die Scheichs kaufen einfach noch welche, gern auch in Gold.

In den Arabischen Emiraten sind die Superreichen zu Hause

Geld gibt es in dieser Gegend der Erde genug. Hier sind die Superreichen zu Hause, einstige Beduinen, die nach Entdeckung des Erdöls von Kamelen auf Ferraris umgestiegen sind. Selbst weniger wohlhabende Emiratis verdienen noch umgerechnet 4.000 bis 5.000 Euro monatlich, wenn sie etwa für die Regierung, in Banken oder bei der Polizei arbeiten. Sie fahren in Dienst-Lamborghinis Streife.

Unsere Reise beginnt in Abu Dhabi. Ein Liter Sprit kostet hier 52 Cent, ein Liter Mineralwasser 75 Cent. Das Öl soll noch für 140 Jahre reichen.

Dennoch setzt das politische Zentrum der sieben Emirate immer mehr auf Tourismus, versucht, es Dubai gleichzutun. Neuerdings lockt man mit Kultur. Im November 2017 eröffnete das Louvre Abu Dhabi auf der künstlichen Saadiyat-Insel. Allein die Namensrechte und Leihgaben kosteten fast eine Milliarde Euro.

Das Tageslicht funkelt durch das geflechtartige Dach des Louvre Abu Dhabi und lässt es wirken wie einen Sternenhimmel.
Das Tageslicht funkelt durch das geflechtartige Dach des Louvre Abu Dhabi und lässt es wirken wie einen Sternenhimmel. Foto: Mathias Begalke

Dieses Kunstmuseum, und das ist das Besondere, verbindet die Kulturen. Anstatt die Unterschiede aufzuzeigen, betont es die Gemeinsamkeiten, weil die Menschen überall auf der Welt lieben und kämpfen, glauben und sterben, hoffen und trauern. Alles ist vereint unter einer an ein Beduinenzelt erinnernden gigantischen Kuppel.

Das Tageslicht funkelt durch das geflechtartige Dach. Man denkt sofort an den Sternenhimmel. Ein Gefühl der Leichtigkeit kommt auf in diesem weißen, vom Meer umfluteten Bau. Der Museumsbesuch wird zum Event wie der jährliche Formel-1-Grand-Prix auf der benachbarten Yas-Insel.

Menschen aus fast 200 Nationen leben und verdienen ihr Geld in den Emiraten, erzählt Tourguide Mohamed Kotb. Er selbst ist ein Gastarbeiter aus Ägypten. Es gibt weder Obdachlosigkeit noch Arbeitslosigkeit. Dies hat einen einfachen Grund: Wer seinen Job verliert, darf nicht bleiben.

Falken gelten als „Kinder der Beduinen“

Margit Gabriele Müller aus Weißenhorn bei Neu-Ulm hat einen sehr sicheren Job. Die 49-jährige Tierärztin behandelt die „Kinder der Beduinen“, wie Falken hier genannt werden. Einen Besuch des staatlichen Falcon Hospital in Abu Dhabi empfiehlt jeder Reiseführer.

Allein der Blick ins Wartezimmer lohnt sich, weil die Patienten und ihre weiß gewandeten Besitzer so ganz anders wirken als die Klientel in hiesigen Hund-Katze-Kanarienvogel-Praxen.

Die deutsche Tierärztin Margit Müller arbeitet im Falcon Hospital in Abu Dhabi.
Die deutsche Tierärztin Margit Müller arbeitet im Falcon Hospital in Abu Dhabi. Foto: Mathais Begalke

1999 eröffnet, war sie die erste Falkenklinik weltweit, die größte ist sie noch immer. Die Deutsche hat 120 Mitarbeiter. Ihre Expertise ist auch in den benachbarten Golfstaaten gefragt.

„Alle, nicht nur die Superreichen, halten hier Falken“, erzählt die Klinikchefin. Der Vogel sei kein Statussymbol, sondern fungiere als „sozialer Kitt“. Er erinnere die Emiratis an das harte Leben ihrer Vorfahren in der menschenfeindlichen Wüste, bevor sie zur heutigen Hightechwelt wurde.

Alle, nicht nur die Superreichen halten hier Falken.

Margit Gabriele Müller, Tierärztin

Falken, die sich mit Tempo 350 auf Kaninchen stürzen, wird größter Respekt gezollt, weil sie den Beduinen einst den Lebensunterhalt sicherten.

„Sie besitzen sogar Reisepässe“, sagt Müller. Die Haustiere sind immer mit dabei, haben nicht nur eigene Plätze in Schlafzimmer und Auto, bei der Airline Etihad können sie sogar in der Kabine mitfliegen.

Blick ins Wartezimmer der Falkenklinik von Abu Dhabi: Hier werden die „Kinder der Beduinen“ behandelt.
Blick ins Wartezimmer der Falkenklinik von Abu Dhabi: Hier werden die „Kinder der Beduinen“ behandelt. Foto: Mathias Begalke

Weibchen sind bis zu 100.000 Euro wert. Früher, ohne tierärztliche Hilfe, wären sie an Beinbrüchen oder bakteriellen Infektionen eingegangen. Heute können sie gerettet werden. Die Scheichs müssten ihr doch unendlich dankbar sein? „Mir stellt keiner einen Porsche vor die Tür“, antwortet Müller. „Ich bin eine ganz normale Beamtin.“

In Abu Dhabi besichtigen wir den größten Kronleuchter und den größten Teppich der Welt, beides in der Scheich-Zayid-Moschee. Der Bau soll, so der 2004 verstorbene Staatsgründer und Namensgeber, Abbild des Paradieses sein. Wer zur blauen Stunde kommt, kann hier wahre 1001-Nacht-Fotos machen.

Ebenso im Emirates Palace Hotel, dem wohl luxuriösesten Hotel der Welt. Eine Übernachtung wird für viele Touristen unerschwinglich sein, aber die Lobby ist jedermann zugänglich. Hier ist tatsächlich fast alles Gold, was glänzt.

Wer zur blauen Stunde kommt, kann an der Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi 1001-Nacht-Fotos machen.
Wer zur blauen Stunde kommt, kann an der Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi 1001-Nacht-Fotos machen. Foto: Mathias Begalke

In Dubai gibt es ein Miniterium für Glück

In Dubai gibt es seit Neuestem ein Ministerium für Glück. Scheich al-Maktoum will offenbar nicht nur in der Stadt mit dem höchsten Gebäude und der größten künstlichen Insel, die einer Palme nachempfunden ist, leben. Dubai soll auch der Ort mit den glücklichsten Menschen sein.

Überall wird gebaut in der Stadt des Größenwahns. Zurzeit gibt es 700 Hotels, in zwei Jahren sollen es schon 1.000 sein, hat die Tourism Authority verkündet. Denn das Öl reicht hier, so die Prognose, nur noch für 25 Jahre.

Wer die Hitze nicht aushält und diese feuchte, sandige Luft, bleibt einfach drinnen, denn man kann hier extrem gut essen und extrem gut einkaufen. Wer scheichreich ist, kann Tage in der Dubai Mall verbringen, so groß ist sie.

In Ras al-Khaimah gibt es ursprüngliche Natur

Wer mal raus will, fährt am besten aufs Land: nach Ras al-Khaimah, ins nördlichste der sieben Emirate. Dort findet man ursprüngliche Natur und ursprüngliches Arabien. Scheich Saud bin Saqr al Qasimi will weniger umgestalten als die Emir-Kollegen von Abu Dhabi und Dubai. Wir probieren den Klettersteig am Jebel Jais aus, dem höchsten Berg der Emirate.

Während der Fahrt dahin sehen wir das erste Mal Dromedare. Tourguide Mohamed erklärt, dass es drei Arten gibt: Schlacht-, Milch- und Renndromedare. „Dromedar-Burger, einfach mal probieren!“, empfiehlt er. Das Kraxeln tut gut.

Doch die wahre Mutprobe ist die neue, fast drei Kilometer lange Seilrutsche. Man ist nicht ganz so schnell wie ein Falke, erreicht nur Tempo 120 bis 150, aber immerhin. Der Jebel Jais Flight ist – man kann es sich denken – die längste Zipline der Welt.

Tipps für deine Reise in die Arabischen Emirate

Anreise: Condor fliegt in der Wintersaison zweimal wöchentlich ab Leipzig sowie einmal pro Woche von Hannover, München, Nürnberg und Stuttgart nach Dubai (buchbar nur bei FTI). Darüber hinaus fliegen Liniencarrier ganzjährig täglich von Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main und München nach Dubai.

Einreise: Deutsche benötigen einen mindestens noch sechs Monate gültigen Reisepass. Vorläufige Pässe werden nicht akzeptiert.

Beste Reisezeit: Die beste Reisezeit für die Vereinigten Arabischen Emirate sind die Monate November bis April. Auch im Mai und Oktober kann das Wüstenklima angenehm sein. Von Juni bis September ist es sehr heiß.

Veranstalter: FTI Touristik bietet verschiedene Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate an. Die siebentägige Reise „V.A.E. in Style“ nach Dubai und Abu Dhabi etwa ist ab 999 Euro (inklusive Flug ab Deutschland) buchbar. Der Einstiegspreis für eine Woche Ras al-Khaimah inklusive Flug ab Deutschland beträgt 499 Euro pro Person im Doppelzimmer.

    

Die Reise wurde unterstützt von FTI Touristik. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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