Karten spielen, Musik machen, tanzen – klingt doch eigentlich nach einer geselligen Zugfahrt, oder? Allerdings nicht unbedingt, wenn du mitten im Nirgendwo auf unbestimmte Zeit mit wildfremden Menschen in einem Zug feststeckst.

Genau das passierte am Sonntagabend den 183 Passagieren des amerikanischen Verkehrsunternehmens Amtrak: Starker Schneefall sorgte im US-Bundestaat Oregon dafür, dass Bäume den schweren Schneemassen nicht mehr standhalten konnten – und der Zug krachte mit den knapp 200 Passagieren gegen einen auf die Gleise gefallenen Baum.

Amtrak-Zug fährt gegen Baum – Weiterfahrt unmöglich

Schnell war klar: Der Empire Builder von Amtrak Coast Starlight konnte vorerst nicht nach Los Angeles weiterfahren. Umgestürzte Bäume und anhaltender Schneefall blockierten die Srecke.

Der Zug steckte fest – doch dass das mehr als einen Tag dauern würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

183 Zugpassagiere stecken im Nirgendwo in Oregon fest

Im warmen Zug sitzen und die Winterlandschaft genießen: Zunächst fanden sich die Passagiere mit ihrem Schicksal ab, verletzt wurde bei dem Crash glücklicherweise auch niemand.

Amtrak versicherte in einem Statement, den Passagieren den Zwangsstopp so angenehm wie möglich zu machen – genug Essen wäre auch an Bord.

Raus durfte aber niemand: In dem kleinen Ort Oakridge hätte es zwar zwei Hotels gegeben, Amtrak wollte die Passagiere aber nicht trennen – zumal dort ohnehin der Strom ausgefallen war. 

Stunden vergehen: Passagiere sind frustriert

Nach einigen Stunden erfolgloser Räumarbeiten machte sich Frustration im Zug bereit: Keiner der 183 Passagiere wusste, wann und ob sie ihr Ziel erreichen würden. Von Amtrak gab es erst mal keine genauen Infos.

Bereits mehr als zwölf Stunden steckten die Passagiere auf den Gleisen fest, und das Warten wurde allmählich zur Zerreißprobe: Kinder meckerten über das Essen an Bord, Handy-Akkus wurden immer leerer, waschen konnte sich niemand, und die Windeln für Kleinkinder gingen auch langsam aus. Und: Immer noch kein Update vom Verkehrsunternehmen.

Nach fast 24 Stunden machten sich auch die Angehörigen Sorgen: Gina fragte bei Twitter nach ihrer Mutter, die eigentlich auf dem Weg zu einer Beerdigung war. Eine andere Frau vermisste ihren Mann nun schon seit 24 Stunden und drohte „nie wieder mit Amtrak zu reisen“.

Über 24 Stunden gefangen: Passagiere machen das Beste daraus

Not macht ja bekanntlich erfinderisch: Ein Mann bastelte aus Küchenrolle und Sicherheitsnadeln einfach neue Windeln, andere Reisende spielten Karten, und Mütter tanzten zu Ukulele-Musik, das berichtet „Fox News“. „Es ist wie eine kleine Kumbaya-Party“, beschrieb eine Passagierin später die Stimmung im Zug. 

Nach 40 Stunden schnappen die Passagiere das erste Mal wieder frische Luft

Als dann auch das letzte Essen verteilt worden war und Handys nicht mehr geladen werden konnten, kam die Erlösung: Über Nacht wurden die Gleise frei geräumt. Nach mehr als 36 Stunden konnte der Zug weiterfahren! 

Die erste Freude kippte allerdings ziemlich schnell in Unmut um. Nach vier Stunden Fahrt war nämlich wieder Schluss. Der Grund: Bis zu einem Meter Neuschnee fiel in der Region, berichtete der nationale Wetterdienst.

Die Strecke nach Los Angeles war gesperrt. Die Passagiere mussten im nächsten Ort, Eugene in Oregon, aussteigen und sich von dort aus die Weiterreise selbst organisieren.

Nach Angaben von „CNN“ will Amtrak die Passagiere so schnell wie möglich kontaktieren und angemessen entschädigen.