Warum Familie Oswald aus Hamburg im Feuerwehrbus durch Europa reist

Warum eine Familie im Feuerwehrbus durch Europa reist

Familie Oswald – Mama Janine, Papa Vincent (beide 29), die Töchter Greta (4) und Tilda (8 Monate) – ist seit sechs Monaten unterwegs. Sie nutzt die Elternzeit für eine Reise durch Europa im roten Feuerwehrbus.

#Vanlife: Familie Oswald stellt ihren roten Feuerwehrbus dort ab, wo es ihr gefällt.
#Vanlife: Familie Oswald stellt ihren roten Feuerwehrbus dort ab, wo es ihr gefällt.

Foto: viergefährten

Vincent öffnet frühmorgens das Rolltor – und im Morgenrot tollen Wildpferde vor dem Feuerwehrbus herum. In einer endlos scheinenden grünen Landschaft mitten in den Bergen, am Horizont ist das Meer zu sehen. Diesen magischen Moment erlebte Familie Oswald auf dem Monte Fasce in der Nähe der portugiesischen Hafenstadt Genua. Er zählt zu den bisher schönsten Erlebnissen auf ihrem Roadtrip.

„Diese Art des Reisens haben wir vor drei Jahren für uns entdeckt. Damals haben wir einen Bus von Freunden geliehen und Blut geleckt. Es war klar: So wollen wir auch in Zukunft reisen“, erzählt Vincent. Die Idee mit der langen Auszeit kam ihnen, als Janine zum zweiten Mal schwanger wurde.

Familie nutzt Elternzeit und reist durch Europa

„Ich habe bei Greta im ersten Jahr so viel verpasst, weil ich viel gearbeitet habe. Das wollten wir nicht noch mal. Also dachten wir uns: ‚Warum reisen wir nicht einfach gemeinsam?‘“, so der 29-Jährige.

Der Plan war schnell geschmiedet: Die Elternzeit nutzen und knapp ein Jahr lang durch Europa fahren – das Vanlife so richtig auskosten. Auf dem Instagram-Account „viergefährten“ teilen sie Bilder ihrer Erlebnisse.

Das Zuhause von Familie Oswald ist ein roter Feuerwehrbus

Ihr Zuhause auf Zeit, den roten Feuerwehrbus, fanden sie über Ebay-Kleinanzeigen. Er war bis auf eine Sitzbank völlig leer – viel Raum für eigene Ideen. Vincent baute den Mercedes-Benz 310 komplett um. Harte Arbeit: „Ich habe bestimmt fünf bis sechs Wochen täglich zwölf Stunden am Stück geschraubt – das war eine ziemlich stressige Zeit“, sagt er.

Aber es hat sich gelohnt: Auf sieben Quadratmetern hat Vincent ein Zuhause geschaffen: mit Doppelbett, Schränken, Sitzbänken, Solaranlage und einer Küchenzeile zum Ausziehen – so können sie draußen kochen.

Doch kurz vor der Abreise drohte der Plan dann noch zu kippen. „Wir wollten unsere Wohnung in Hamburg eigentlich untervermieten. Doch sieben Wochen vor der Abreise sagte unser Vermieter dann, dass das nicht gehe“, so Janine.

Die Familie musste sich entscheiden: Wohnung oder Reise? Die Wahl fiel auf die Reise. „Und wir sind so froh, dass wir uns so entschieden haben“, sagt Janine.

Im September 2018 ging es los: Über den Harz, Bayern, Österreich, Italien, Frankreich und Spanien bis nach Portugal – so oft es ging entlang der Küste. Aktuell sind sie an der Algarve – und steckten für mehr als eine Woche fest.

Vanlife ist, wenn der Feuerwehrbus auch mal kaputt geht

In der Nähe von Lagos wollte der Feuerwehrbus nicht mehr. „Zu 99 Prozent ist der Vergaser kaputt“, so Vincent, bevor er in einer lokalen Werkstatt selbst Hand anlegte und den Bus reparierte. Er behielt recht, und inzwischen läuft der Bus wieder.

Das Vanlife ist eben nicht immer so wildromantisch, wie es klingt. Manchmal geht eben auch was schief, manchmal ist der Wurm drin. Und manches nervt auch am Leben im Bus. Was am meisten? „Das Rumräumen“, kommt von den Eltern einstimmig.

   

So wohnen die Oswalds im Feuerwehrbus

Jeden Morgen muss nach dem Aufstehen das Bett zusammengeklappt werden – „und mit Sicherheit ist die Milch für den Kaffee immer in der am schwersten zugänglichen Kiste“.

Das schönste am Vanlife: Das morgendliche Aufwachen

Doch bei jedem Aufwachen sind diese nervigen Momente gedanklich ganz weit weg – es ist die liebste Zeit der Familie.

„Wenn wir morgens das Rolltor aufmachen, so zwischen 7 und 8 Uhr, blicken wir meistens mitten in die Natur, in die Berge, auf Wiesen oder aufs Meer. Wir bleiben noch lange eingemummelt in unsere Decken und zusammengekuschelt liegen und genießen einfach das Zusammensein“, sagt Janine.

Für das Frühstück (und die Suche nach der Milch) ist Papa Vincent zuständig – und seit gut einem Monat auch für den morgendlichen Gassigang. In einem Tierheim in der Nähe von Faro adoptierte die Familie Hündin Quinta. Und die musste sich anfangs stark daran gewöhnen, ständig unterwegs zu sein.

Genau wie Greta und Tilda. Ihren Roadtrip-Tiefpunkt hatte die Familie bereits nach drei Wochen auf der Reise. „Da wandelte sich das Urlaubsgefühl ins Reisegefühl“, erinnert sich Janine.

„Die Kinder wurden quengelig. Mal tat der Po weh, dann hatten sie Hunger oder keinen Bock mehr aufs Fahren, Greta hat ihre Kita-Freunde total vermisst.“ Da war er, der „Was haben wir uns eigentlich dabei gedacht?“-Moment, für Vincent und Janine. 

Doch dann änderten die Oswalds den Fahrplan – sind nur noch maximal zwei Stunden pro Tag unterwegs, bleiben auch mal länger als eine Nacht an einem Ort. „Seither läuft es.“

Wildcampen mit dem roten Feuerwehrbus

Sie leben viel mehr im Moment, genießen sich selbst und die Natur um sich herum. Nicht selten ist die Familie allein, denn sie campt wild. „Eigentlich stehen wir fast immer frei, nur manchmal auf einem Campingplatz – wenn wir zum Beispiel mal wieder richtig Lust auf eine heiße Dusche haben“, so die 29-Jährige.

Wildcampen sei zwar nicht überall in Europa erlaubt, werde aber meist geduldet. „Wir hatten bisher erst einmal in Spanien Probleme“, erinnert sich Vincent. Damals standen sie an einem Stausee und wurden morgens von der Polizei gebeten, zu fahren.

Wenn sie einen Ort wieder verlassen, ist für sie eines ganz wichtig: „Keine Spuren hinterlassen.“ Leider sehen das nicht alle Camper so wie die Oswalds. „Viele schöne Stellplätze sind zugemüllt, vor allem in Spanien erschien uns das als großes Problem“, sagt Janine. Das macht die Familie traurig, manchmal würden sie sogar Müll von anderen mitnehmen.

So geht die Reise von Familie Oswald weiter

Als Nächstes zieht es die Familie wieder gen Norden – wohin genau, das steht noch nicht fest. „Unsere Pläne ändern sich jeden Tag. Es ist ein schönes Gefühl, uns treiben zu lassen. Das macht unsere Reise aus, wir sind nicht gezwungen, uns an Pläne zu halten“, so Vincent.

Und was passiert nach der Elternzeit, wenn sie im Sommer nach Hamburg zurückkehren werden? In ihre Jobs – Fotografin und Art-Director – wollen beide zurück, in das Stadtleben aber nicht. 

„Das ist für uns völlig unvorstellbar geworden“, sagt Janine. „Wir haben uns auf dieser Reise tatsächlich verändert. Wir wollen ins Umland, in die Natur.“ Daher denken sie schon jetzt ans Ende des Vanlife und sind auf Wohnungssuche.

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