Islands Gletscher schmelzen: Was das für den Tourismus bedeutet

Gletscher schmelzen: Was das für Island bedeutet

Um 40 Quadratkilometer schrumpfen Islands Gletscher – jedes Jahr. Während sich Menschen weltweit sorgen, profitiert so manch Einheimischer: Viele Touristen wollen das Eis noch sehen, ehe es verschwunden ist.

Der Gletschersee Fjallsárlón im Vatnajökull-Nationalpark, der aus Islands größtem Gletscher besteht.
Der Gletschersee Fjallsárlón im Vatnajökull-Nationalpark, der aus Islands größtem Gletscher besteht.

Foto: imago/blickwinkel

Rund 10 Prozent der Fläche des Landes bestehen aus Gletschern. Noch. Denn jedes Jahr schwinden 40 Quadratkilometer der Fläche. Und lassen damit langsam, aber unaufhaltsam eine der Sehenswürdigkeiten des Landes verschwinden.

Immerhin 269 benannte Gletscher hat Island noch zu bieten. Doch wie lange noch? Im Jahr 2014 wurde dem ersten einst großen Gletscher Okjökull der Status als solcher aberkannt. Die Fläche heißt jetzt nur noch Ok – ohne die isländische Bezeichnung „jökull“ für Gletscher.

Islands Eis schmilzt – der Tourismus profitiert davon

Doch während Klima- und Umweltexperten zu retten versuchen, was noch zu retten ist, profitieren andernorts Menschen von dem schnellen Schmelzen und der medialen Aufmerksamkeit dafür. Denn Urlauber kommen in Scharen, um die jahrehundertealten Naturwunder noch einmal zu bestaunen.

Diese Beobachtung teilt die Autorin, Fotografin und Abenteuerin M. Jackson in ihrem Buch „The Secret Lives of Glaciers“. Sie hat mehrere Monate in Island verbracht, etwa in Höfn im Südosten der Insel.

„Vor zehn Jahren war das Leben in Höfn schwierig, weil es keine Jobs, keine Kinder gab“, sagt sie dem Magazin „The Reykjavík Grapevine“. Mit jeder Rückkehr dorthin sah sie, dass sich die Gesellschaft veränderte. 

Gletscher-Aktivitäten wie Klettern boomen

„Die Leute kommen, um das Eis zu sehen, ehe es verschwunden ist“, sagt Jackson. Für Island sei das, kurzfristig gesehen, durchaus reizvoll. Gletscher-Aktivitäten boomen: Ob Eisklettern, Skifahren oder Spazierengehen auf dem Gletscher, in jahrtausendealte Eishöhlen abtauchen, an den Gletscherlagunen entspannen oder mit dem Schneemobil herumdüsen – das Geschäft läuft. 

In ihrem Buch verrät Jackson auch, dass ältere Isländer es gut finden, dass die Gletscher verschwinden, während die Jungen fürchten, dass ein Teil der Identität des Landes mit nur 357.000 Einwohnern ebenfalls verschwindet. 

Erklärungen hierfür finden sich im alten Aberglauben. Dass viele Isländer an Elfen glauben, ist längst bekannt. Aber sie glaubten lange Zeit auch, dass Gletscher gefährlich seien und Menschen verschlingen würden. 

Island erhebt sich jedes Jahr um rund drei Zentimeter

Allerdings hat es viele negative Folgen, wenn die Gletscher schmelzen. Während andernorts Schmelzwasser für steigende Wasserpegel sorgt, ist es in Island das Land selbst, das sich erhebt.

Von der Last befreit, wächst der Süden des Landes jährlich um etwa drei Zentimeter in die Höhe. Selbst in Gebieten wie Skandinavien sind rund zehntausend Jahre nach der letzten Eiszeit noch minimale Erhebungen erkennbar. 

Außerdem wird es wahrscheinlicher, dass Vulkane ausbrechen – diese liegen oft unter Gletschern. Zum einen, weil Magma sich neue Wege suchen kann, wenn die Last oben geringer wird. Zum anderen, weil der geringere Druck zu einer höheren Produktion von Magma führen kann. Das ist besonders für den Süden und Südwesten des Landes gefährlich. 

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