Diese Berliner reisen in Krisengebiete – und helfen Bauern

Diese Berliner reisen in Krisengebiete – und helfen Bauern

Safran aus Afghanistan, Tee aus Myanmar, Freekeh aus Palästina: Das Start-up Conflictfood importiert Produkte aus Krisengebieten und unterstützt so Bauern. Der reisereporter hat mit den Gründern gesprochen.

Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger in Myanmar.
Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger in Myanmar.

Foto: Conflictfood

Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger wollen mit dem Import landestypischer Agrarprodukte aus Krisen- und Konfliktgebieten den fairen und direkten Handel mit Kleinbauern unterstützen.

Dafür haben sie das Start-up Conflictfood gegründet. Und jetzt reisen sie persönlich um die Welt und suchen nach den besten Produkten. Sie wollen mit ihrem Projekt Fluchtursachen bekämpfen und Bildungseinrichtungen vor Ort unterstützen. Sie sind sich sicher: So schmeckt Frieden.

Eine Reise durch Afghanistan stellt 2015 das Leben und die berufliche Laufbahn von Salem und Gernot komplett auf den Kopf. Gestartet aufgrund einer Einladung von Salems Vater, der als Arzt viele humanitäre Projekte unterstützt, kehren sie völlig überraschend mit der Idee für ein nachhaltiges Start-up zurück nach Berlin.

Eine Reise nach Afghanistan führt zur Projektgründung

Eher zufällig hören sie nämlich unterwegs von einem Frauenprojekt im Westen des Landes, das Felder, die lange Zeit zum Opiumanbau genutzt wurden, nun mit Safran kultiviert – wie spannend. 

Die beiden besuchen das Kollektiv und finden sich plötzlich zusammen mit diesen unabhängigen, stolzen Frauen auf den Feldern im Westen Herats wieder. „Eines Morgens standen wir auf den Feldern und haben Safran geerntet“, erzählt Salem. Die beiden Männer entscheiden spontan, den Safran zu kaufen, mit nach Deutschland zu nehmen und diese Geschichte zu erzählen.

Salem und Gernot geben ihre gut bezahlten Jobs auf und stürzen sich in die Welt der sozialen Unternehmer – mit Erfolg. Bereits 2016 gewinnen sie mit Conflictfood den ersten Preis vor vielen weiteren wie dem „iF Social Impact Prize 2018“ und dem „Green Product Award“ folgen.

Die Conflictfood-Gründer reisen in die Konfliktgebiete

Fester Bestandteil des Unternehmenskonzeptes sind die Reisen in Krisen- und Konfliktgebiete, um neue Produkte zu finden und somit auch neue Projekte vor Ort zu unterstützen. Nach Afghanistan folgten Trips nach Myanmar und Palästina. Das Bewusstsein, dass das nicht immer ganz ungefährlich ist, reist mit, hält die Gründer jedoch nicht von ihrer Mission ab.

Wir sind keine Abenteuer- oder Risikotouristen, wir machen das nicht wegen des Kicks.

Salem El-Mogaddedi, Conflictfood-Mitgründer

Auch, wenn die beiden Gründer – vor allem in Afghanistan – oftmals Begleitschutz brauchen, haben sie bisher ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und die Länder von einer ganz anderen Seite erlebt – einer wunderschönen Seite, die in der Berichterstattung über Krieg oft untergeht.

Eines ist ihnen aber wichtig: „Wir sind keine Abenteuer- oder Risikotouristen, wir machen das nicht wegen des Kicks, sondern um den Handel zu stärken, etwas zu lernen, das dann mitzubringen und hier zu erzählen – denn neben dem Terror und den Konflikten gibt es auch noch wahnsinnig schöne Geschichten“, so Salem.

Und so dienen die Spezialitäten, die Conflictfood importiert und vertreibt, eigentlich mehr als Transportmittel für diese Geschichten und weniger als einfache Lebensmittel. Besonders beeindruckt waren Salem und Gernot bisher vor allem von der afghanischen Gastfreundschaft, die ihresgleichen suche und keineswegs selbstverständlich sei.

„Es ist unglaublich, mit welch einer Herzlichkeit dort aufgetischt und eingeladen wird – trotz viel Elend und Armut sind die Menschen sehr würdevoll und stolz“, sagt Salem.

Aufgrund dieser persönlichen Erfahrungen bemerkten die Gründer schnell, dass sie mit Conflictfood eben nicht nur Strukturen stärken und Geld zurück in Bildungsprojekte im Herkunftsland leiten wollen.

Vor allem müsse der Bildungsauftrag hier im Westen auch ein Bestandteil des Ganzen sein: „In erster Linie geht es darum, Schranken abzubauen, vor allem die im Kopf.“ Und wie ginge das besser, als mit Esskultur, die alle zusammen an einen Tisch bringt?!

Kommt bald Conflictfood aus Syrien und Jemen?

Für viele sind die Conflictfood-Gründer inzwischen Vorbilder geworden, sie halten Vorträge oder organisieren Events. Ein Geheimnis für ihren Erfolg gebe es allerdings nicht, sondern sie raten den Menschen, einfach den Mut zu haben, etwas zu verändern. 

Sie selbst seien schließlich auch einfach mit ein paar Kilo Safran und einer guten Idee im Gepäck aus Afghanistan zurückgekommen. Und wenn alles schiefgelaufen wäre, hätten sie eben im schlimmsten Fall einen großen Safranvorrat gehabt.

Doch ihr Konzept ist aufgegangen, und sie planen, ihr Sortiment zu erweitern. Momentan stehen sie im Austausch mit Bauern in Nordsyrien und im Jemen. Hier in Deutschland hoffen sie anregen zu können, dass immer mehr Menschen ihr Konsumverhalten hinterfragen: „Konsum ist eigentlich eine politische Haltung – denn ich kann jeden Tag mit meiner Entscheidung etwas für oder eben gegen die Welt tun.“

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