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Seychellen: Ein Traumziel mit vielen Gesichtern

Glasklares Wasser und tropische Temperaturen: Die Seychellen sind für viele das klassische Luxusreiseziel. Dabei bietet das Archipel außer Fünf-Sterne-Hotels auch jede Menge kleine Pensionen und Gästehäuser.

Robert Hiersemann
Anse Lazio auf Praslin mit seinem feinen, weißen Sand und dem türkisblauen Wasser gilt als einer der schönsten Strände weltweit.
Anse Lazio auf Praslin mit seinem feinen, weißen Sand und dem türkisblauen Wasser gilt als einer der schönsten Strände weltweit.

Foto: Robert Hiersemann

Vor ihnen der Ozean, hinter ihnen der Urwald, die Sonne verschwindet langsam am Horizont: Natalie und Dagmar Kerndler sitzen barfuß am Strand – sie genießen die Abendstunden. 

Gemeinsam mit ihren Hunden, Katzen und Riesenschildkröten leben die beiden Frauen auf dem Archipel im westlichen Teil des indischen Ozeans. Auf Praslin, einer der 115 Inseln, vermieten Mutter und Tochter gemeinsam Ferienwohnungen.

Die Seychellen sind für die meisten Menschen ein Luxusurlaubsziel

Schon vor mehr als 30 Jahren, Natalie war noch ein Kind, zog Dagmar aus der schwäbischen Provinz hierher. „Das Leben auf Praslin ist wunderschön“, sagt sie.

Doch das Vermieten der Häuser könnte besser laufen. „Die meisten Menschen kennen die Seychellen nur aus dem Internet“, meint Natalie, „Sie assoziieren Flitterwochen und Luxusurlaube mit den Inseln.“

Auf die Idee, sich hier eine kleine Ferienwohnung zu mieten, kommen nur die wenigsten. „Dabei gibt es auch hier ein ganz normales, einfaches Leben“, weiß Natalie.

Blick über Mahé: Auf der Hauptinsel der Seychellen leben knapp 72.000 Menschen – das sind fast 90 Prozent der Gesamtbevölkerung der Inselgruppe.
Blick über Mahé: Auf der Hauptinsel der Seychellen leben knapp 72.000 Menschen – das sind fast 90 Prozent der Gesamtbevölkerung der Inselgruppe. Foto: Robert Hiersemann

Wer die Seychellen verstehen will, sollte Kontakt zu den echten Seychellois suchen – so werden die Bewohner des Archipels genannt. Die Bevölkerung der Seychellen besteht zum überwiegenden Teil aus den Nachfahren der aus verschiedenen französischen Kolonialgebieten eingewanderten Siedler und ihrer afrikanischen Arbeitssklaven.

Diese Gruppe macht noch heute mehr als 90 Prozent der Bevölkerung aus. Außerdem gibt es eine Minderheit mit europäischer, chinesischer und indischer Abstammung. Insgesamt sind es 93.000 Seychellois auf mehr als 455 Quadratkilometern.

Einer von ihnen ist Frederick Roux. Der schlanke, groß gewachsene Mann beschreibt sich selbst als Träumer. Der 50-Jährige arbeitet für ein großes Hotel nahe der Ferienanlage der Kerndlers und ist auf Mahé, der Hauptinsel der Seychellen, geboren.

Eblisch und Französich sind die Amtssprache

Seine Leidenschaft ist die Musik, er spielt Gitarre und singt sehr gern. Am liebsten musiziert er gemeinsam mit Freunden am Strand. „Kreol-Style“ nennt er das. Wie auch in anderen Bereichen der Kultur des Archipels haben sich in der Musik afrikanische, madagassische und europäische Einflüsse vermischt.

„Wir trommeln, singen, spielen Gitarre“, erklärt Frederick. Gesungen wird in Kreol. Das ist mit Englisch und Französisch die Amtssprache der Seychellen.

Frederick liebt seine Musiksessions am Strand. Am liebsten würde er nichts anderes tun, doch davon leben kann er nicht. Deshalb der Job im Fünf-Sterne-Hotel. Er könnte auch als Touristenführer arbeiten. „Für die schönsten Strände“, verrät Frederick, „müsst ihr nach La Digue fahren.“

Für die schönsten Strände müsst ihr nach La Digue fahren.

Frederick Roux, Einheimischer


La Digue, nur eine knapp 20-minütige Bootstour von Praslin entfernt, ist berühmt für die schönsten Buchten der Seychellen. Sie reihen sich hier aneinander wie die Perlen einer Kette. Egal ob Grand Anse, Anse Source d’Argent oder Petite Anse: Jeder der Strände ist auf seine Art einzigartig.

Sucht man als Tourist das Paradies auf Erden, ist man ihm hier schon sehr nahe. Und mit etwas Glück wird man dann auch noch von Simone Schwerdtner über die Insel geführt.

Die deutsche Travelbloggerin lebt seit 2016 auf La Digue – der Liebe wegen. Bei einer ihrer Reisen lernte sie einen Seychellois kennen und blieb bei ihm. Seitdem ist auch sie Bewohnerin von La Digue.

Mit dem Fahrrad, das du dir auf der Insel vielerorts für etwa 100 Rupien am Tag, umgerechnet rund 7 Euro, leihen kannst, geht es am Strand Anse Source d’Argent entlang. „Dieses Erlebnis ist unbezahlbar“, findet die Bloggerin.

Hier, am Anse Source d’Argent, wurden schon Werbespots gedreht. Er ist der Inbegriff eines Traumstrandes: weißer, feiner Sand, Granitfelsen, die direkt an das türkisblaue Wasser grenzen, daneben Palmen – ein Traummotiv für jeden Postkartenhersteller.

Naturschutz steht in der Verfassung der Seychellen

Noch viel schöner aber ist, dass die Bewohner der Seychellen wissen, was sie an ihren Stränden haben. Kein Müll, kaum Autos – vor allem auf La Digue ist es sehr sauber. Denn die Seychellois beschützen ihre Heimat. Es ist deshalb auch nicht überraschend, dass die Seychellen das erste Land der Erde sind, das den Naturschutz in seine Verfassung aufgenommen hat.

Mit dem klapprigen Rad geht es weiter entlang herrlicher Kokosnuss- und Vanilleplantagen. Wer hungrig wird, der hält ganz einfach an einem der landestypischen kreolischen Restaurants an. „Die Seychellen sind bekannt für ihr leckeres Hühnchencurry“, verrät Simone.

An vielen Orten auf den Seychellen gibt es landestypische Restaurants, die kreolische Küche servieren – natürlich auch am Strand.
An vielen Orten auf den Seychellen gibt es landestypische Restaurants, die kreolische Küche servieren – natürlich auch am Strand. Foto: Robert Hiersemann


Auch eine Pause am Strand lohnt sich. Um die Wassertemperatur muss man sich nicht kümmern, denn auf den Seychellen herrschen ganzjährig um die 30 Grad Celsius Außentemperatur. Das Wasser ist badewannenwarm. „Sollte es einmal regnen, springt man einfach ins Meer – um sich zu wärmen“, witzelt Simone, die nebenbei eine Riesenschildkröte über den Zaun eines Geheges füttert.

La Digue ist ein idealer Ort für einen Badeurlaub. Doch falls man Riesenschildkröten in der freien Natur bewundern will, „sollte man andere Spots auf den Seychellen aufsuchen“, erklärt Simone und schlägt dafür einen Ausflug nach Curieuse vor.

Auf Curieuse leben viele Seychellen-Riesenschildkröten

Tourguide Henry Morin fährt die Bootstouren nach Curieuse seit mehr als fünf Jahren. Dreimal pro Woche bringt der 29-Jährige Touristengruppen hinüber, um ihnen die kleine Granitinsel, deren einzige Bewohner die bis zu 254 Kilogramm schweren Seychellen-Riesenschildkröten sind, zu zeigen.

Während Henry an Land in der Nähe des Strandes den Grill anfeuert, laufen die Touristen über die Insel und posieren für Fotos mit den Reptilien. „Es ist immer wieder lustig mit anzusehen, wie beeindruckt die Menschen von unseren Schildkröten sind“, sagt Henry, „wir leben mit ihnen, sie sind normal für mich. Die Schildkröten bei euch zu Hause müssen ziemlich klein sein.“

Für die Seychellois wie Frederick, Natalie oder Henry ist die Schönheit ihrer Heimat längst etwas alltägliches. Für Touristen sind die Seychellen das Archipel der Musik im „Kreol-Style“, der Riesenschildkröten, der Traumstrände und der leckeren Hähnchencurrys. Vor allem aber sind sie eines: Ein Traumziel mit vielen Gesichtern.

Tipps für deine Reise auf die Seychellen

Anreise: Hin- und Rückflug auf die Hauptinsel Mahé sind ab 550 Euro buchbar. Turkish Airlines bietet Flüge ab 13 deutschen Flughäfen mit Zwischenstopp in Istanbul auf die Seychellen an.

Beste Reisezeit: Auf den Seychellen ist es ganzjährig warm.

Unterkünfte: Auf den drei Hauptinseln Mahé, Praslin und La Digue gibt es außer Luxushotels unzählige kleine Pensionen und Gästehäuser, die meist von Einheimischen geführt werden. Die Bungalowanlage Villas de Mer beispielsweise liegt direkt am längsten Strand der Insel, der Grand Anse. Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück sind ab 145 Euro buchbar. Im Hinterland gibt es Doppelzimmer bereits ab 50 Euro.

Fortbewegung auf den Inseln: Zwar gibt es auf Mahé und Praslin ein gut ausgebautes öffentliches Busnetz – die Preise schwanken zwischen 50 und 80 Cent pro Fahrt –, doch die Busse verkehren nur halbstündlich. Und schon ab 40 Euro pro Tag kann man sich einen eigenen Mietwagen buchen. Doch Achtung: Es herrscht Linksverkehr.

Kulinarisches und Kultur: Von der Imbissbude zum Restaurant, vom kreolischen Curry bis zum frischen Fisch, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Besonders beliebt sind die Takeaway-Shops, in denen man schon für knapp 4 Euro ein Menü bekommt. Meist gibt es dort verschiedene Curry-Gerichte, die mit gegrilltem Huhn oder Schweinefleisch, Fisch, Reis, Kichererbsen und scharfen Soßen gereicht werden.

   

Die Reise wurde unterstützt von Seyvillas und Turkish Airlines. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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