Indien: Warum du nach Mumbai reisen musst | reisereporter.de

Warum du unbedingt nach Mumbai reisen musst

„City of Dreams“ wird die indische Megacity am Arabischen Meer auch genannt, wo sie doch ebenso Stoff für entsetzliche Albträume bietet. Hier kommen reisereporterin Christinas Touren, Tipps und Highlights.

Must-see: Das Taj-Mahal-Palace-Hotel.
Must-see: Das Taj-Mahal-Palace-Hotel.

Foto: Christina Mänz

Mumbai betört und betäubt, macht fröhlich und demütig und verleitet ebenso zur Völlerei wie zur Flachatmung. Mein Pensum als Mumbai-Neuling: zweieinhalb Tage durch den historischen Süden der Metropole; viel für einen ersten Überblick, genug (Ungesehenes) für einen zweiten Trip:

Tag 1: Colaba, Fort und Cala Ghoda: Must-see-Sehenswürdigkeiten im kolonialen Herz der Stadt:

  • Gateway of India: Der Triumphbogen ist das berühmteste Wahrzeichen und der beliebteste Selfie-Hintergrund Mumbais. Einst stand es für die Pracht des britischen Kolonialreichs auf dem indischen Subkontinent. Ursprünglicher Anlass zum Bau war ein Besuch von King George und Queen Mary 1911.

Gateway of India.
Gateway of India. Foto: Christina Mänz

  • Taj Mahal Palace: Luxuriöser Hotelpalast mit dem Charme vergangener Zeiten. Zu den Gästen zählen Politiker, Majästeten und Stars von heute. Das Grandhotel war eines der Anschlagsziele der Terrorattacken von 2008.

  • CSMVS Museum: Indo-islamischer trifft viktorianischen Stil: Mit seiner mächtigen Kuppel ist das ehemalige Prince of Wales Museum eines der schönsten Gebäude der Stadt.

  • Mahatma Gandhi Road: Vieles erinnert an die britische Kolonialzeit: Hier haben sich die Baumeister mit gotischen bis exotischen Stilrichtungen ausgetobt. Meisterwerke: Die Sassoon Library und die Gebäude der Universität sowie des obersten Gerichts.

Sassoon Library auf der Mahatma Gandhi Road.
Sassoon Library auf der Mahatma Gandhi Road. Foto: Christina Mänz

  • Chhatrapati Shivaji Terminus: Einer der beeindruckendsten und geschäftigsten Bahnhöfe Indiens – und eines der Wahrzeichen Mumbais. 

  • JJ College of Arts: Auf dem Gelände steht (und verfällt) die Villa, in der „Dschungelbuch“-Autor Rudyard Kipling seine frühe Kindheit verbrachte. Ein verwunschener Ort, an dem das Gezirpe und Gezwitscher auch nach Dschungel klingt.

  • Elphinstone Building: Erinnert an einen venezianischen Palast.

  • Horniman Circle Gardens: Nach englischem Vorbild angelegter Park aus dem 18. Jahrhundert. An der Ostseite liegt die majestätische, neoklassizistische Town Hall von 1833.

  • Sassoon Docks: Historischer Fischereihafen, über dem ein Mief von Fischabfällen, Urin und Schweröl hängt. Trotzdem ein Highlight!

  • Colaba Causeway: Einkaufs- und Restaurantstraße mit Boutiquen und Billigramsch, schicken Bars und guten Restaurants.

Das Leopold Café in Colaba wurde 1871 von Iranern gegründet.
Das Leopold Café in Colaba wurde 1871 von Iranern gegründet. Foto: Christina Mänz

  • Leopold Cafe in Colaba: Wurde 1871 von Iranern gegründet. Beliebt bei Touristen (und ebenfalls eines der Anschlagsziele von 2008). Einige Europäer sollen hier auch schon für Bollywood-Produktionen entdeckt worden sein.

Tag 2: Wuselige Märkte, grandiose Architektur, großes Bollywood-Kino, Fototapeten-Sonnenuntergang und ein flambierter Cocktail

  • Crawford Market: Gemüse, Gewürze, Räucherstäbchen – und Singvögel. Das Angebot in den berühmten Markthallen ist so farbenprächtig wie vielfältig. 

  • Mangaldas Market: Paradies für Stoffsüchtige: Leinen, Seide, Polyester – ballenweise in allen Farben.

  • Liberty Cinema: Ein original Art-déco-Kino mit mehr als 1.000 Plätzen. Hier laufen die neuesten Bollywood-Streifen (ohne Untertitel).

  • Marine Drive: Die Küstenstraße am Arabischen Meer wird auch die „Halskette der Queen“ genannt. Die Juwelen: Art-déco-Gebäude, die an Miami erinnern.

Zeit zum Runterkommen am Marine Drive.
Zeit zum Runterkommen am Marine Drive. Foto: Christina Mänz

  • Chowpatty Beach: Naherholungszone für Träumer und Großstadtgeplagte.

  • Harbour Bar, Taj Mahal Palace, wenigstens auf einen Drink „Bombay Blaze“: Gin mit Guavensaft. Für die große Show wird er brennend serviert.

Tag 3: Dhobi Ghat, Marine Drive am Morgen

  • Dhobi Ghat: Eine Welt für sich. Wäscheleine über Wäscheleine über Wellblechdächern über Plastikplanen über Wasserbassins… Ein „Open-Air-Waschsalon“ bis zum Horizont. Seit 140 Jahren wird hier von Tausenden Menschen die Wäsche von Hotels, Krankenhäusern und Privatleuten der Stadt meist noch per Hand gewaschen. Wie viele Wäschestücke es sind, kann nur geschätzt werden. Dass jedes Teil wieder an seinen Besitzer geliefert wird, ist eine logistische Meisterleistung und schier unbegreiflich. 

Dhobi Ghats im Morgengrauen: Blick von der Mahalaxmi Railway Station Brücke.
Dhobi Ghats im Morgengrauen: Blick von der Mahalaxmi-Railway-Station-Brücke. Foto: Christina Mänz

  • Kontrastprogramm am Marine Drive: Die morgendliche Ruhe vor dem Lärm: meditieren, abhängen, nichts tun.

Das musst du vor deiner Reise nach Mumbai wissen

  • Mumbai ist aufregend. Oder anders: nichts für schwache Nerven und schwache Herzen (Verkehr: Ampeln und Einbahnstraßenschilder sind oft nur ein Angebot), Reizmägen (Streetfood ist aber einfach lecker) und Hochsensible (imaginierte Scheuklappen können helfen, wenn man das Elend sieht). Auch nichts für Knoblauch-Allergiker.
  • Die Menschen in Mumbai sind extrem freundlich und respektvoll. Ich war allein unterwegs und habe mich zu keiner Zeit belästigt oder unsicher gefühlt, muss aber auch sagen, dass ich mich bewusst resepktvoll, konservativ, zurückhaltend verhalten habe.
  • Manchmal hilft eine Sonnenbrille, um direkten Blicken auszuweichen.
  • Es schadet nicht, freundlich selbstbewusst zu handeln und hartnäckig zu sein, zum Beispiel beim Taxifahren. Du solltest darauf bestehen, dass das Taxameter bei Fahrtbeginn angestellt wird.
  • Ich habe mich nur zu Fuß und per Taxi (für unsere Verhältnisse sehr günstig) fortbewegt. Überfüllte Busse und Bahnen sind sicherlich spannende Erfahrungen, die ich aber nicht machen wollte.
  • Wichtig: ein schönes, sauberes, ruhiges Hotelzimmer. War nach langen Tagen unterwegs für die eigene Seelenhygiene nötig.
  • Augen auf beim Shopping: Selbst in Indien ist viel „made in China“.
  • Shopping II: Wer sich im traditionellen Sari kostümiert vorkommt: In Mumbai gibt es fantastische Concept-Stores mit moderner indischer Kleidung, ausgewählten Einrichtungsaccessoires und Ayurveda-Kosmetik, die in jeder europäischen Großstadt erfolgreich bestehen könnten. Darunter: The Clove, Good Earth, Bungalow 8.
  • Bemerkenswert: Der neue internationale Airport von Mumbai: sauber, schnell und unkompliziert.
  • Beste Reisezeit: Unsere Wintermonate: Die Stadt ist nicht so unerträglich heiß und feucht wie in den Monsun-Monaten.
  • Gewissensfrage: Soll man eine geführte Slum-Tour machen? Ich habe mir von Einheimischen sagen lassen, dass es keineswegs respektlos, sondern sehr lehrreich sei.
  • Unbedingt machen: Streetfood essen. Und: einen Bollywood-Film anschauen. Am besten in Hindi ohne englischen Untertitel. Man merkt erst während des Films, wie lustig das ist!

Das ist in Mumbai gewöhnungsbedürftig

  • Gewöhnungsbedürftig I: Viele Menschen leben in, unter, vor Gebäuden, übereinander, in Zelten, unter Brücken, unter Planen, zwischen Wellblech. Einige Anblicke sind schwer zu verarbeiten.
  • Gewöhnungsbedürftig II: Ungeniertes Rotzen, Spucken, Zehenpuhlen.
  • Gewöhnungsbedürftig III: Hupen gehört zum guten Ton.
  • Gewöhnungsbedürftig IV: Straßenposten mit Maschinengewehr, Fahrzeuginspektionen vor Hotelzufahrten und Handgepäck- und Personenkontrollen vor Hoteleingängen wie dem Taj Mahal Palace und dem Oberoi. Die Sicherheitsvorkehrungen sind zum Teil extrem hoch.
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