Mumbai: Im Sinnesrausch durch die indische Megacity | reisereporter.de

Mumbai: Im Sinnesrausch durch die indische Megacity

Die indische Millionenmetropole Mumbai geht ans Herz und unter die Haut und hinterlässt mehr emotionale Spuren als Handyfotos. reisereporterin Christina war gerade da und möchte gleich wieder hin.

Der Bahnhof Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus in Mumbai ist Unesco-Welterbe.
Der Bahnhof Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus in Mumbai ist Unesco-Welterbe.

Foto: imago/robertharding

Würde man einfach nur beobachtend am Kreisel an der Mahatma Gandhi Road sitzen und die umtriebigen Menschen, den chaotischen Verkehr, das irrwitzige Treiben an sich vorbeiziehen sehen, man hätte mehr Großstadtleben (und dazu Knoblauchfahnen und Taxiabgase) inhaliert als irgendwo sonst auf der Welt.

Märchenhaftes Indien: Ab nach Mumbai!

Mumbai, die Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra, ist eine faszinierend anziehende Megacity und die kosmopolitischte Stadt Indiens.

Man tut gut daran, sein Deutschsein spätestens beim ersten Streifzug abzulegen, Hygienevorschriften, Ordnungskriterien und Pünktlichkeitswahn einfach mal zu vernachlässigen, stattdessen der inneren Festplatte Raum für eine schier unfassbare Bandbreite an Eindrücken zu geben.

Und sich – auch wenn’s mal schmerzt und stinkt – mit allen Sinnen einzulassen: auf einen mitreißenden Mikrokosmos zwischen Erleben und Überleben, zwischen Moloch und Märchenwelt – und auf inoffiziell geschätzte 22 Millionen Mumbaikar, wer weiß das schon so genau.

Zum Runterkommen: Sonnenuntergang am Chowpatty Beach.
Zum Runterkommen: Sonnenuntergang am Chowpatty Beach. Foto: Christina Mänz

Fragen wie was Menschen ertragen und aushalten können, ob eine Stadt auch implodieren kann und wie der Alltag des Bürgermeisters wohl aussehen mag… schießen einem ohnehin durch den Kopf.

Also sich einlassen: aufs Tempo, auf das Durcheinander, den Dunst, den Lärm, die Farbenpracht – man muss sich mit der Stadt anfreunden, sonst lässt sie einen wohl kalt.

Mumbai ist erschütternd vielfältig

Schon auf den ersten Erkundungskilometern zu Fuß und per Taxi wird einem bewusst: Mumbai, das bis 1996 Bombay hieß, ist so wunderbar wie erschütternd vielfältig. Die Stadt am Arabischen Meer hat eine reiche Vergangenheit und eine vielversprechende Zukunft.

Sie besticht durch historische Kolonialbauten und moderne Architektur und erschüttert ebenso angesichts der gigantischen Slums. Sie duftet betörend nach exotischen Pflanzen und Gewürzen und stinkt erbärmlich nach Müll und Dreck.

Geschälter Knoblauch: Auf dem Basar in Mumbai gibt es fast alles zu kaufen.
Läuft in Mumbai wie geschnitten Brot: Bei diesem Basar-Händler gibt’s nur frisch gepulte Knoblauchzehen. Foto: Christina Mänz

Im Morgengrauen ist sie gespenstisch still, in der Rushhour wird man schier taub gehupt. Bitterarm lebt hier im Vorgarten von obszön reich.

Mumbai ist Heimat für Zehntausende Millionäre und Millionen von Mittellosen. Die Stadt ist so grotesk menschen- und umweltverachtend und doch so berauschend bunt und lebendig.

Herzzerreißend wie herzerwärmend, leidenschaftlich und leidensfähig, verwirrend und beschaulich, energiegeladen und kraftraubend. Tolerant und spirituell – doch gottverdammt. Hassliebe mag für viele und vieles wohl zutreffen.

Mumbai ist die reichste Stadt Indiens

Mumbai, die reichste Stadt Indiens, ist das Zentrum von Börse, Banken, Bollywood – und die Endstation für Träumer, Gescheiterte, Verzweifelte. Millionen von Menschen auf engstem Raum, von denen viele nur zu warten scheinen: auf Kundschaft, auf den Abend auf den großen Wurf.

Am Obststand, im zerbeulten Toyota, unter Plastikplanen mit Satellitenschüsseln, über denen die Raben kreisen. Millionen von Menschen – von denen viele wie im Dhobi Ghat, einem gigantischen „Open-Air-Waschplatz“, vom Morgengrauem bis zur Abenddämmerung in einer unwirtlichen Parallelwelt schuften.

Streetfood-Spülküche: Das Geschirr steht auf dem Boden, das Grobe erledigen die Raben.
Streetfood-Spülküche: Das Geschirr steht auf dem Boden, das Grobe erledigen die Raben. Foto: Christina Mänz

Wohlstand, für den auch die neuen Hochhaus-Rohbauten am Rande des Dhobi Ghat stehen, ist zum Greifen nah, wird für die übergroße Mehrheit aber unerreichbar bleiben.

Frische und leckere Küche

Mumbai überrascht: Die Stadt ist grüner als vermutet. Die üppige tropische Vegetation zeigt mancherorts Gnade und überdeckt vieles, was man lieber nicht sehen will. Parks, Cricketfelder, Grünflächen bieten Raum zum Ausschütteln und Durchatmen.

Luxus-Variante: Thali im Grandhotel.
Luxus-Variante: Thali im Grandhotel. Foto: Christina Mänz

Und: Die Metropole ist der Himmel für Streetfood-Fans. Gegessen wird immer und überall, so scheint es. Bhel Puri zum Beispiel (Puffreis mit Gemüse und Chutneys). Oder Vada Pav (fritierter Kartoffelball im Brötchen).

Die Auswahl ist schier grenzenlos, ebenso kreativ wie vielfältig und günstig obendrein. Wo es voll ist, ist es garantiert frisch und lecker.

Mumbai schlägt also vielleicht auch auf den Magen und aufs Gemüt, geht garantiert unter die Haut, direkt ans Herz. Diese Stadt sorgt für schaudernd schöne Gänsehaut.

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