Kuba-Rundreise: Sonne, Salsa und Sozialismus | reisereporter.de

Kuba: Sonne, Salsa und Sozialismus

Die Hinterlassenschaften der spanischen Kolonialherren, die sozialistische Geschichte und die karibischen Traumstrände sorgen für den einzigartigen Mix aus Kultur und Natur, der Kuba ausmacht.

Ein typisches Bild: In der Hauptstadt Havanna sind noch viele Oldtimer zu sehen - wie hier auf dem Prado vor dem Kapitol.
Ein typisches Bild: In der Hauptstadt Havanna sind noch viele Oldtimer zu sehen - wie hier auf dem Prado vor dem Kapitol.

Foto: imagebroker/imago

Von Himmelblau über Knallrot bis Zitronengelb – auf Havannas Straßen geht’s bunt zu. Außer russischen Ladas und Moskwitschs aus Sowjetzeiten prägen vor allem amerikanische Schlitten der Fünfzigerjahre das Straßenbild der Hauptstadt Kubas. Eine Stadtrundfahrt in solch einem Oldtimer gehört zu den touristischen Attraktionen, die in Erinnerung bleiben.

Die Tour beginnt am Malecón, der sechs Kilometer langen Uferpromenade Havannas. Jahrhundertealte Villen, erbaut von den einstigen spanischen Kolonialherren, säumen die berühmteste Flaniermeile der Stadt. Man ahnt, warum Havanna liebevoll Perle der Karibik genannt wird.

Havannas Altstadt gehört zum Unesco-Weltkulturerbe

Auch wenn das Meer und der Zahn der Zeit vielen Gebäuden arg zugesetzt haben, versprühen die halb verfallenen Prachtbauten einen maroden Charme, der verzaubert. Doch die Stadt tut etwas gegen den Verfall der Bausubstanz.

Seit Havannas Altstadt 1982 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, unterstützt die Unesco die Sanierung finanziell. Unter Hochdruck wird an der Restaurierung gearbeitet, und so leuchten inzwischen ganze Häuserzeilen in frischen Pastelltönen. Abends gehört die Promenade Liebespaaren und jungen Leuten, die sich spontan zum Feiern treffen. Der Malecón ist das Wohnzimmer Havannas.

Wir cruisen tagsüber bei herrlichem Sonnenschein in einem eleganten pinkfarbenen Chevrolet-Impala-Cabrio am Ufer entlang. Die Tachonadel verharrt konstant bei Null. „Der Tacho ist nicht angeschlossen“, erklärt Fahrer Ronny Chong Armentero so gelassen, als wäre das das Normalste der Welt. „Das Armaturenbrett stammt aus einem Lada“, fährt der 35-Jährige fort. Und das sei nicht das einzige Ersatzteil aus einem anderen Auto.

Für die Deutschen war die Wende ein Fest, aber wir haben geweint.

Felipe González Lizama, Reiseleiter


Wegen des Handelsembargos der USA, das seit der Revolution 1959 besteht, ist es nahezu unmöglich, passende Ersatzteile zu importieren. Und mit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 sind die verbliebenen Handelspartner auch noch weggefallen.

„Für die Deutschen war die Wende ein Fest, aber wir haben geweint“, beschreibt Reiseleiter Felipe González Lizama die damalige Situation. Die wirtschaftliche Not zwingt die Kubaner, kreative Lösungen für ihre Alltagsprobleme zu finden.

Abends leuchtet das Che-Guevara-Bildnis am Innenministerium.
Abends leuchtet das Che-Guevara-Bildnis am Innenministerium. Foto: Katrin Schütze-Lill


Zwischenstopp im politischen Zentrum Havannas, dem Platz der Revolution, der ein ganz anderes Gesicht der Stadt zeigt. Die politische Gesinnung des Staates ist hier in Beton gegossen. Auf dem riesigen Areal finden Großkundgebungen der Partei und Feiern zu Jahrestagen der Revolution statt.

Gerahmt ist der Platz von sozialistischen Zweckbauten wie dem Innenministerium, an dessen Fassade das stilisierte Konterfei Che Guevaras überlebensgroß prangt.

Helden der Revolution werden überall verehrt

Camilo Cienfuegos und José Martí sind weitere hier verewigte Helden der Revolution. Martí hat sogar ein eigenes Denkmal bekommen. Der Widerstandskämpfer und Poet wird wie ein Heiliger verehrt. Nicht nur der Flughafen Havannas trägt seinen Namen.

Reist man durchs Land, trifft man allerorten auf Statuen des Mannes, der für die Freiheit Kubas auf dem Schlachtfeld starb. Außerhalb Kubas ist Martí weit weniger bekannt als das Lied, für das er den Text lieferte: „Guantanamera“.

Wie in so vielen Städten Kubas steht auch in Cienfuegos eine Statue José Martís auf dem zentralen Platz.
Wie in so vielen Städten Kubas steht auch in Cienfuegos eine Statue José Martís auf dem zentralen Platz. Foto: Katrin Schütze-Lill

Kuba ist die Heimat des Salsa

Überhaupt ist Kuba ohne Musik unvorstellbar. An jeder Straßenecke Alt-Havannas spielen kleine Combos Salsa und sorgen für karibisch gute Laune. Kuba ist die Heimat des Salsa, der aus afrikanischen und europäischen Musiktraditionen gemixt wurde.

Entstanden ist der kubanische Musikstil aus den Rhythmen der Trommeln der afrikanischen Sklaven, die einst auf den Zuckerrohrplantagen schufteten, und den europäischen Klängen, die die spanischen Kolonialherren mitbrachten.

Grundlage des Salsa ist der Son, dem der Buena Vista Social Club in den Neunzigerjahren zu Weltruhm verhalf. Das Album der betagten Musiker um Compay Segundo und Ibrahim Ferrer verkaufte sich weltweit millionenfach.

Der gleichnamige Film von Wim Wenders verstärkte den Erfolg. Das bekannteste Lied „Chan Chan“ wird wie „Guantanamera“ überall gespielt.

Auch aus dem Autoradio, das nicht so recht in die vorgesehene Öffnung neben dem Armaturenbrett passen will, erklingt kubanische Musik, während wir weiter über breite, von Palmen gesäumte Boulevards Richtung Kapitol fahren.

Neben dem klassizistischen Bau mit der mächtigen Kuppel, der seinem Namensvetter in Washington verblüffend ähnlich sieht, verströmt das Gran Teatro, das älteste Opernhaus der Karibik, Weltstadtflair.

Havanna war über Jahrhunderte ein zentraler Warenumschlagplatz zwischen Europa und Amerika. Das brachte einen Wohlstand, von dem die Prachtbauten der Innenstadt heute noch zeugen.

Wir Kubaner sind wie Salsa. Eine Soße, alles zusammengemixt.

Guide Felipe

Zeit, sich von Ronny Chong Armentero, dem dunkelhäutigen Fahrer mit den Mandelaugen, und seinem pinkfarbenen Cabrio zu verabschieden. Später erklärt unser lokaler Guide Felipe, dass Salsa nicht nur typisch für die kubanische Musik sei.

„Wir Kubaner sind wie Salsa“, sagt er, „eine Soße, alles zusammengemixt.“ Die Nachfahren der afrikanischen Sklaven, der weißen Europäer und der asiatischen und lateinamerikanischen Einwanderer lebten nicht getrennt nach Herkunft oder Hautfarbe, sondern haben sich vermischt, was auf Havannas Straßen deutlich zu sehen ist.

Auch die Bar El Floridita gehörte zu den Lieblingsbars des Schriftstellers. Bei Livemusik wird schon mittags getrunken und getanzt.
Auch die Bar El Floridita gehörte zu den Lieblingsbars des Schriftstellers. Bei Livemusik wird schon mittags getrunken und getanzt. Foto: Katrin Schütze-Lill

Durch schmale Altstadtgassen geht’s zu Fuß weiter. Direkt neben dem Bacardi-Gebäude, das einst der Familie des gleichnamigen Rums als Firmensitz diente und wie alle privaten Firmen mit der Revolution 1959 verstaatlicht wurde, liegt die Bar El Floridita.

Schon mittags ist es rappelvoll. Eine Band spielt Salsa, die Stimmung ist ausgelassen. Ein junges Pärchen entschließt sich spontan zu tanzen. Die Bar gehörte zu Ernest Hemingways Lieblingsplätzen in Havanna.

Ernest Hemingway kehrte gern in die Bodeguita del Medio ein

Wir wandeln weiter auf den Spuren des berühmten amerikanischen Schriftstellers und kehren in der Bodeguita del Medio ein, wo er gern Mojitos trank. Auch in der Bodeguita geht nichts ohne Salsa und Rum.

Ohne Reservierung gibt es kaum eine Chance, einen Tisch in dem blau gestrichenen Lokal mit den vollgekritzelten Wänden zu ergattern. Es gibt klassisch kubanische Speisen wie Reis mit Bohnen, Spanferkel und Ropa vieja, in Fasern zerrupftes Rind.

Ihren Ruhm verdankt die Bodeguita del Medio Ernest Hemingway, der gern in das Lokal einkehrte.
Ihren Ruhm verdankt die Bodeguita del Medio Ernest Hemingway, der gern in das Lokal einkehrte. Foto: Katrin Schütze-Lill

Mit der Qualität von Zigarren und Rum kann die kubanische Küche nicht mithalten. Böse Zungen behaupten, es gebe entweder Reis mit Bohnen oder Bohnen mit Reis. Ganz so einfallslos ist die Küche nicht, aber von der Finesse der karibisch-kreolischen Küche weit entfernt.

Gefeiert hat Hemingway gern mit den einfachen Leuten wie den Fischern von Cojímar, denen er mit seinem Roman „Der alte Mann und das Meer“ ein Denkmal gesetzt hat. Das Fischerdorf bei Havanna lebt von der Erinnerung an den Literaturnobelpreisträger. E

in paar Kilometer von Cojímar entfernt wohnte Hemingway zwischen 1939 und 1960 in einer schönen Villa mit Pool und Garten. Nach seinem Tod ist das Haus samt Einrichtung zum Museum erklärt worden.

Schriftsteller Ernest Hemingway lebte einst in einer Villa bei Cojímar. Das Haus ist heute ein Museum. Im Arbeitszimmer steht noch seine Schreibmaschine.
Schriftsteller Ernest Hemingway lebte einst in einer Villa bei Cojímar. Das Haus ist heute ein Museum. Im Arbeitszimmer steht noch seine Schreibmaschine. Foto: Katrin Schütze-Lill

Wir verlassen Hemingway und Havanna Richtung Südosten. Eine Fahrt über Land ist ein Abenteuer für sich. Deutlich häufiger als Wegweiser stehen riesige Werbetafeln mit politischen Botschaften wie „Viva Fidel!“ (Es lebe Fidel!) oder „Viva la Revolución!“ (Es lebe die Revolution!) am Autobahnrand.

Landfahrzeuge und Tramper sind keine Seltenheit auf der Autobahn, die uns zunächst nach Cienfuegos, einer Kleinstadt an der Südseite Kubas, führt.

In Cienfuegos geht es entspannter zu als in Havanna

Die gepflegten Altstadtgassen der 160.000-Einwohner-Stadt sind schachbrettartig angelegt. In der weitläufigen Fußgängerzone bieten fliegende Händler allerlei Souvenirs von Che-Guevara-Shirts über geschnitzte Oldtimer bis zu bunt bemalten Rumbarasseln an.

In dem hübschen Städtchen am Karibischen Meer ist das Leben deutlich entspannter als in Havanna. Ein idealer Zwischenstopp auf der Rundreise durch Kuba, die sich über das Weltkulturerbe-Juwel Trinidad bis in die östlichste Provinz Guantánamo fortführen ließe. Wobei die etwa 1.000 Kilometer von Havanna entfernte Provinz deutlich mehr als der gleichnamige US-Militärstützpunkt ist, der durch sein Gefangenenlager weltweit bekannt wurde.

Ziel unserer Reise ist die nahe gelegene Stadt Santa Clara, die eng mit dem Namen des Argentiniers verbunden ist, der posthum Kultstatus erlangen sollte: Ernesto Rafael Guevara de la Serna, kurz Che genannt. In Santa Clara fand die entscheidende Schlacht unter seiner Führung statt, die 1959 zum Sieg der Revolutionäre über das Batista-Regime führte.

Zur Erinnerung daran haben die Einwohner Santa Claras dem Comandante auf einer 17.000 Quadratmeter großen Fläche ein Denkmal errichtet, das einer modernen Pilgerstätte gleicht.

In Santa Clara erinnert ein riesiges Denkmal an den Revolutionär Che Guevara.
In Santa Clara erinnert ein riesiges Denkmal an den Revolutionär Che Guevara. Foto: Katrin Schütze-Lill

Weithin sichtbar steht auf einem Hügel die Statue des berühmten Guerillas in Uniform mit Gewehr in der Hand auf einem hohen Sockel aus hellem Sandstein. Unterhalb des Denkmals befindet sich ein Museum und Mausoleum, in dem er und seine Mitstreiter eine letzte Ruhestätte fanden.

Auch sein Abschiedsbrief an Fidel Castro, mit dem er sich am Ende politisch überworfen hatte, ist hier ausgestellt. Nachdem Che Kuba und sogar seiner Familie den Rücken gekehrt hatte, starb er 1967 in Bolivien, wo er die Revolution unterstützen wollte und schließlich von Regierungstruppen exekutiert wurde.

Was bleibt, ist der Heldenmythos um Che Guevara, dessen Gesicht als Symbol des Befreiungskampfes noch 50 Jahre nach seinem Tod auf Plakaten, Tassen und T-Shirts um die Welt geht. Sein Ausspruch „Hasta la victoria siempre“ (Für immer bis zum Sieg) ist zum geflügelten Wort für den Kampf bis zum endgültigen Sieg geworden und überall auf Kubas politischen Werbetafeln verewigt. Sie gehören zu Kuba wie Rum, Zigarren und Salsa.

Tipps für deine Reise nach Kuba

Anreise: Eurowings bietet Direktflüge von Düsseldorf und München nach Havanna, Varadero und nach Santa Clara an. Condor fliegt von Frankfurt am Main nonstop nach Havanna und Varadero und von München nach Havanna. Die Flugzeit beträgt etwa zehn Stunden.

Einreise: Touristen benötigen außer einem noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass ein Visum in Form einer sogenannten Touristenkarte. Pauschaltouristen erhalten die Karte direkt vom Reiseveranstalter. Individualtouristen müssen sie bei der kubanischen Botschaft in Berlin beantragen.

Die Touristenkarte ist auch bei einigen Fluggesellschaften am Flughafen und speziellen Reiseagenturen online erhältlich. Außerdem müssen Reisende einen Auslandskrankenversicherungsschutz haben und den Nachweis darüber bei sich führen.

Beste Reisezeit: Empfehlenswert sind die Monate zwischen November und April. Dann fallen die wenigsten Niederschläge und die Temperaturen liegen bei 25 Grad. Von Mai bis Oktober regnet es häufiger, und die Temperaturen steigen auf mehr als 30 Grad.

Veranstalter: FTI Touristik bietet zum Beispiel eine Woche All-inclusive-Badeurlaub auf Cayo Santa Maria im Hotel Labranda mit Flug nach Santa Clara ab 1.149 Euro pro Person im Doppelzimmer oder eine einwöchige Privatrundreise mit einem Mix aus Kultur und Natur ab 1.995 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Flug an. Höhepunkte der Reise sind die Städte Santa Clara, Havanna, Cienfuegos und Trinidad sowie ein Besuch des Viñales-Tals und des Nationalparks Topes de Collantes.

Geld: Kuba hat zwei offizielle Währungen, den Peso cubano (CUP) und den Peso convertible (CUC). Der Peso cubano dient hauptsächlich den Einheimischen als Zahlungsmittel in Lebensmittelgeschäften, auf Märkten und in einfachen Gaststätten. Alles andere wird in CUC bezahlt, der an den Dollar-Kurs gekoppelt ist. Touristen benötigen nur CUC, die ausschließlich vor Ort erhältlich sind. Wechselstuben akzeptieren Visa und Mastercard sowie Bargeld.

Strom: Die Stromspannung beträgt meist 110 Volt. Kubanische Steckdosen sind an die US-amerikanische Norm angepasst. Nehmen Sie einen entsprechenden Adapter mit.


Die Reise wurde unterstützt von FTI Tourismus. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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