Slow Travel: Geht Reisen auch nachhaltig? | reisereporter.de

Slow Travel: Geht Reisen auch nachhaltig?

Heutzutage sind viele Orte nur eine kurze Flugreise entfernt, die nächste Inspirationsquelle sogar nur wenige Klicks. Das Gegenteil davon? Slow Travel. reisereporterin Leo erklärt den Langsamkeitstrend.

Eine Frau liegt in einer Hängematte inmitten einer hügeligen Landschaft.
Einfach mal die Seele baumeln lassen! Langsames Reisen tut gut – dir und anderen. (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Austin Schmid

Mal eben für zwei Wochen um die halbe Welt jetten oder für einen Tagestrip nach London, das ist in unserer globalisierten Welt schon normal geworden. Die Instagram-Follower sind digital immer dabei, und es scheint wichtiger zu sein, viele fototaugliche Orte abzuklappern, als sich wirklich zu entspannen. Diese Form des Reisens kann wahnsinnig anstrengend sein. Und ökologisch ist sie auch nicht.

Klar, dass dazu irgendwann Gegenbewegungen startet. „Slow Travel“ heißt sie in diesem Fall und sorgt dafür, dass wir Orte wieder bewusst wahrnehmen, weniger sehen, aber mehr erleben und im Idealfall den ökologischen Fußabdruck kleinhalten. Entschleunigung auf allen Ebenen also… nicht nur nachhaltig für den Planeten, sondern auch für dich selbst.

„Slow Travel“ ist nicht an einen bestimmten Reisestil gekoppelt

Direkt mal vorweg: Für „Slow Travel“, also langsameres Reisen, musst du dich nicht für viel Geld in ein Meditations-Retreat oder ein Luxushotel auf der Alm einbuchen – ganz im Gegenteil, es ist nicht an einen bestimmten Reisestil gekoppelt. Es ist vielmehr eine Einstellung als eine Frage des Budgets.

Es geht vor allem darum, bewusster zu reisen. Das fängt schon mit der Entscheidung für die Destination an, nämlich wenn du dir ganz gezielt darüber Gedanken machst, ob es wirklich wieder ein bekanntes Touri-Ziel sein muss, das sowieso schon überlaufen ist, oder ob es vielleicht ein Ort sein kann, der leer anstatt spektakulär ist. 

Es geht weiter mit der Wahl der Verkehrsmittel. Kannst du diesen Ort vielleicht mit der Bahn, dem Bus, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichen, anstatt in den Flieger zu steigen, der das umweltbelastendste Fortbewegungsmittel ist. Dann siehst du sogar etwas vom Weg und hast schon bei der Ankunft das Gefühl, etwas erlebt zu haben. 

Und ganz wichtig: Es geht insbesondere darum, wie du deine Reise gestaltest.

Mehr Qualität, weniger Quantität – mehr Achtsamkeit, weniger Eindrücke

Inzwischen ist man schon fast gezwungen, alle seine Freunde digital mit in den Urlaub zu nehmen. Wie oft kriegt man den Spruch „Picture or it didn’t happen“ zu hören und wird ständig nach „Beweisbildern“ gefragt? Schnell steht man dann unter Druck, diese auch abzuliefern, möglichst viele fototaugliche Orte abzuklappern, damit auch jeder sehen kann, wie viel man erlebt hat.

Aber bereits im Alltag müssen wir uns immer mehr Impulsen aussetzen, und das Leben wird gefühlt immer schneller – wäre es nicht schön, wenn wir im Urlaub einfach mal auf Pause drücken könnten? Genau darum geht es bei der „Slow Travel“-Bewegung: um mehr Achtsamkeit und eben weniger Eindrücke, um Qualität und nicht um Quantität. 

In welcher Form du das umsetzt, ist eigentlich ganz egal, Hauptsache, du kannst dabei innere Ruhe finden. Das kann beim Wandern in den Bergen sein, genauso aber in einer Stadtwohnung, von der aus du abseits vom Massentourismus den Ort so kennenlernst wie die Einheimischen. 

Wichtig ist es dabei, die Momente zu genießen, Begegnungen zuzulassen und einfach mal nicht daran zu denken, wie man das am besten auf einem Foto festhalten kann.

Langsam – das ist eher ein Einstellung, als eine Geschwindigkeitsangabe

Bei „Slow Travel“ geht es nicht notwendigerweise darum, nichts zu machen, sondern die Dinge, die du tust, bewusster zu machen. Dabei ist das „langsam“ eigentlich keine Geschwindigkeitsangabe, sondern eine Einstellung, die dazu führen soll, den Trip auch richtig wahrzunehmen. 

Das kannst du schon mit Kleinigkeiten umsetzen: das Eis in der Sonne richtig genießen und nicht beim Essen schon zur nächsten Sehenswürdigkeit hetzen. Oder es kann etwas ganz Großes sein: ein paar Wochen Digital-Detox oder gar ein Aufenthalt im Schweigekloster. 

Gerade wenn man auf einer Reise nicht nach ständigem Input sucht, sondern sich mehr treiben lässt, ist mehr Raum für Entspannung, Inspiration und Klarheit. Es ist vielleicht nicht immer leicht, sich der alltäglichen Reizüberflutung zu entziehen, aber wenn du dich dazu entscheidest, lohnt es sich ganz bestimmt.

Nachhaltig reisen – wie geht das?

Damit einher geht oft, dass die Reise auf allen Ebenen nachhaltig ist. Für dich ganz persönlich, weil du wirklich einmal die Akkus aufgeladen und nicht noch mehr Energie verschenkt hast. Und auch für die Umwelt, denn wenn es nicht mehr wichtig ist, wie viel man zu sehen bekommt, kannst du dir Ziele aussuchen, die nicht unbedingt eine Flugreise beinhalten. 

Sollte sich der Flug aber nicht vermeiden lassen, solltest du zumindest darauf achten, dass er möglichst keine Zwischenstopps hat – während des Starts und der Landung wird nämlich am meisten CO2 ausgestoßen. Zudem kannst du dir überlegen, ob du einen CO2-Ausgleich für deinen Flug tätigst. 

Wenn du außerdem abseits vom Massentourismus verreist, bedeutet dies oft, dass du nachhaltiger konsumierst, zum Beispiel lokale Produkte einkaufst und diese in der Ferienwohnung kochst.

Nachhaltig reisen, das geht, wenn du bewusstere Entscheidungen triffst und alles aufs Wesentliche konzentrierst. Der reisereporter wünscht gute Entschleunigung!

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