Ostkap-Reise: Bei den weißen Löwen in Südafrika | reisereporter.de

Ostkap-Reise: Bei den weißen Löwen in Südafrika

Eine Reise in die noch weitgehend unbekannte Ostkap-Region Südafrikas ist ein Erlebnis: Hier ist der Sternenhimmel noch unendlich und der Pioniergeist der burischen Siedler in jedem Ort spürbar.

Ganz besonderer Anblick: Ein weißer Löwe liegt im Schatten eines Baumes in Südafrika.
Ganz besonderer Anblick: Ein weißer Löwe liegt im Schatten eines Baumes in Südafrika.

Foto: imago/blickwinkel

Es ist kühl an diesem Morgen. Mit noch etwas steifen Gliedern setzen sich die Gäste des Pumba Private Game Reserves – eines privaten Naturparks in der südafrikanischen Ostkap-Region – auf ihre Plätze im Safarigeländewagen. Ein frischer Wind lässt die meisten Reisenden rasch in die wärmenden Ponchos schlüpfen, die bereitliegen.

Erlebnis in der Ostkap-Region: Safari im Sonnenaufgang

Ranger Brandon Pienaar steuert seinen schweren Zwölfsitzer über haarsträubende Buckelpisten und erkennt selbst im staubtrockenen Sand noch Spuren von Antilopen, Hyänen und Giraffen. Elefanten, Nashörner und in der Ferne sogar zwei Geparden werden gesichtet.

Die aufgehende Sonne taucht die hügelige Landschaft in ein magisches Licht. Dennoch wirkt der 23-jährige Ranger unzufrieden. Die Tiere, die er heute unbedingt im rund 7.000 Hektar großen Wildreservat aufspüren will, scheinen wie vom Erdboden verschluckt.

Brandon Pienaar ist Ranger im südafrikanischen Pumba Private Game Reserve.
Brandon Pienaar ist Ranger im südafrikanischen Pumba Private Game Reserve. Foto: Jens Burmeister


Tatsächlich sind sie eine Rarität im Tierreich. Einheimische schrieben ihnen göttliche Kräfte zu. Auch wenn von ihnen immer mal wieder Felle auftauchten und Reisende sie 1938 erstmals gesehen haben wollen, blieben sie bis Mitte der 60er-Jahre ein Phantom, eine Legende: weiße Löwen.

Weiße Löwen: Die Furcht vor Wilderern ist groß

Erst 1975 beobachtete ein US-Biologe ein Rudel im Timbavati-Gebiet südlich des Kruger-Nationalparks. Damals eine Sensation. Danach begann eine gnadenlose Jagd auf die wenigen weißen Löwen mit ihren blauen Augen – die im Übrigen keine Albinos sind, denn die haben rote Augen.

1996, als der Wahnsinn gestoppt war, gab es nur noch circa 20 weiße Löwen weltweit. Heute sind es wieder rund 600. „Das Pumba Private Game Reserve hat daran seinen Anteil“, erklärt uns Brandon Pienaar. Seit 2006 hätten die faszinierenden Raubkatzen mit ihrer genmutierten Fellfarbe hier ein neues Zuhause gefunden. Zur genauen Zahl der Löwen wie auch der der Nashörner im Park schweigt der Ranger allerdings. Zu groß ist in ganz Südafrika die Furcht, Wilderer in Versuchung zu führen.

Plötzlich tritt Pienaar auf die Bremse und stoppt den Wagen. Er lauscht, alle schweigen und lauschen mit. Und tatsächlich: Irgendwo aus dem Unterholz ist ein Brüllen zu hören. Vorsichtig biegt der Ranger in einen engen Buschweg ein.

Und nach ein paar Metern liegt er da: ein mächtiger weißer Löwe wie aus dem Bilderbuch. Er schaut die Besucher an und die ihn. Ein Moment, den man nicht vergisst.

Der weiße Löwe Timba ist mit seinen zwölf Jahren der „alte Junge“ im Pumba Private Game Reserve.
Der weiße Löwe Timba ist mit seinen zwölf Jahren der „alte Junge“ im Pumba Private Game Reserve. Foto: Jens Burmeister


„Das ist Timba, unser alter Junge“, sagt Brandon Pienaar. „Löwen in Freiheit werden maximal 15 Jahre alt, und Timba ist schon zwölf“, erklärt der Ranger weiter. „Wir sind stolz auf Timba, denn er ist ein stattliches Tier.“ Der Löwe hat zwei Söhne.

Der eine hat sein Rudel übernommen. Der andere jagt für das alte Tier mit, indem er ihm Reste der erlegten Antilopen oder Warzenschweine überlässt. Das sei bei den Raubkatzen recht ungewöhnlich, bemerkt Pienaar, der nach einigen Minuten den Wagen schließlich vorsichtig zurück auf den Hauptweg rollen lässt – voller Stolz, seinen Gästen dieses Wunder der Natur gezeigt zu haben.

Löwen in Freiheit werden maximal 15 Jahre alt, und Timba ist schon zwölf.

Brandon Pienaar, Ranger

Ohnehin gelten die Menschen hier im Ostkap, dessen bekannteste Stadt Port Elizabeth ist, als besonders stolz. Auch weil die Ostkap-Region vielleicht der authentischste Teil Südafrikas ist. Im Gegensatz zum schillernden Westkap mit Kapstadt als Metropole, den Weingütern um Stellenbosch oder der Garden Route ist das Ostkap rauer, aber vielschichtiger.

Es ist das traditionelle Stammesgebiet der Xhosa, deren Klicklautsprache die unvergessene Sängerin Miriam Makeba bekannt machte. Mit Nelson Mandela, Walter Sisulu, Steve Biko, Oliver Tambo oder Thabo Mbeki stammen zudem die bekanntesten Anti-Apartheid-Führer aus der hügeligen Region, die etwa halb so groß wie Deutschland ist.

Zeit zum Entspannen: Blick in die Weiten der Karoo – hier im Camdeboo-Nationalpark.
Zeit zum Entspannen: Blick in die Weiten der Karoo – hier im Camdeboo-Nationalpark. Foto: Jens Burmeister

Hier fochten Briten und Buren blutige Grenzkriege mit den vorrückenden Xhosa aus, die erst 1878 – nach hundert Jahren Kampfgeschehen – beendet wurden. Dennoch blieb die Region dünn besiedelt, noch immer sind weite Teile der Natur nahezu unberührt.

Addo Elephant Park ist Heimat der Big Seven

Bekanntester Nationalpark ist der Addo Elephant Park nahe Port Elizabeth. Weil sich Teile des Parks bis auf den Ozean erstrecken, kann er sich rühmen, Heimat der Big Seven zu sein – also außer Elefant, Löwe, Nashorn, Leopard und Büffel auch noch den Südlichen Glattwal und Weißen Hai zu beherbergen.

Außerdem gibt es den Mountain-Zebra- und den Camdeboo-Nationalpark sowie einige Private Game Reserves wie das Pumba. Das Beste: Alle sind malariafrei.

Zu den vielen Tieren, die Reisende in der Ostkap-Region beobachten können, gehören auch Zebras.
Zu den vielen Tieren, die Reisende in der Ostkap-Region beobachten können, gehören auch Zebras. Foto: Jens Burmeister


Und dann gibt es da noch die geheimnisvolle Karoo: Südafrikas größte Halbwüste, die weite Teile der Ostkap-Region dominiert. Sanfte Grashügel, endlose Ebenen, bis zu 1.500 Meter hohe Berge und bizarre Felsformationen wie im Tal der Trostlosigkeit nahe der viktorianisch anmutenden Stadt Graaff-Reinet – übrigens die viertälteste in ganz Südafrika – prägen ihr Landschaftsbild.

Hester Styneberg, die gemeinsam mit ihrem Ehemann auf einem 1.300 Meter hohen Plateau in der Karoo die gemütliche Ganora-Gästefarm betreibt und vor allem von der Merinoschafzucht lebt, würde hier nie wegziehen. „Die Karoo und das Ostkap sind das wahre Südafrika“, sagt auch sie voller Stolz.

„Nicht nur Buren und Briten, Xhosa oder Zulu haben die Geschichte des Landes geprägt, vor ihnen waren schon die Khoikhoi und San da“, erzählt Styneberg.

Die Karoo und das Ostkap sind das wahre Südafrika.

Hester Styneberg, Betreiberin der Ganora-Gästefarm

Von den weißen Einwanderern als Hottentotten beziehungsweise Buschmänner tituliert, gehören sie heute zu den gleichberechtigten Mitgliedern der Regenbogennation. Einer von ihnen ist der Khoisan Henry, der auf der Ganora-Farm arbeitet und die Karoo wie seine Westentasche kennt.

Wenn er mit Besuchern über die Savanne marschiert, kriegen die vor Staunen gar nicht mehr die Münder zu: Henry weiß genau, welche unscheinbaren Sukkulenten Wasser geben, welches dürre Kraut gegen Erkältung oder Arthrose hilft und welche Wurzel den Appetit zügelt oder die Libido erhöht.

Und dann führt er die Besucher unter einen Vorsprung einer riesigen Felsenterrasse, die in der Abendsonne in allen Brauntönen leuchtet, die die Farbpalette herzugeben scheint. Henry zeigt auf ein paar Zeichnungen. „Die sind von meinen Vorfahren, gemalt aus einem Gemisch aus Tierblut und Holzkohle.“

Und tatsächlich erkennt man die Abbildungen von Menschen, die mit Pfeil und Bogen Gnus, Zebras und Antilopen jagen. „Rund 7.000 Jahre alt sind diese urgeschichtlichen Kunstwerke“, erklärt Henry seinen Zuhörern. Und die kommen einmal mehr aus dem Staunen nicht heraus und scheinen ihm endgültig zu erliegen – dem Zauber der Karoo, dem Hinterland des geheimnisvollen wie atemberaubenden Ostkaps.

Tipps für deine Reise nach Südafrika

Anreise: South African Airways fliegt täglich nonstop von Frankfurt am Main und München in 10,5 Stunden nach Johannesburg, dann weiter in 1,5 Stunden nach Port Elizabeth.

Beste Reisezeit: Von April bis Oktober herrschen in der Ostkap-Region stabile, sommerliche Wetterbedingungen. Zwischen Mai und September kann es kühler werden. Bei Safaris am Morgen sollte man dann an warme Kleidung denken.

Unterkünfte: Das Pumba Private Game Reserve and Spa ist ein luxuriöses Fünf-Sterne-Hotel nahe Port Elizabeth. Die Ganora Guest Farm bietet Drei-Sterne-Cottages auf einer Schaffarm nahe Nieu-Bethesda. Das Drostdy Hotel in Graaff-Reinet (fünf Sterne) bietet 48 sehr individuelle Zimmer.

Von der Frühstücksterrasse der Lodge im Pumba Private Game Reserve aus haben Gäste alles im Blick.
Von der Frühstücksterrasse der Lodge im Pumba Private Game Reserve aus haben Gäste alles im Blick. Foto: Jens Burmeister

Währung: Offizielle Währung ist der Rand, bei derzeitigem Wechselkurs bekommen Reisende für einen Euro 15 bis 17 Rand. Geld sollten sie erst bei Ankunft im Flughafen tauschen, Visa- und Mastercard werden akzeptiert.

   

Die Reise wurde unterstützt von Eastern Cape Tourism, South African Airways, South African Tourism. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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