Ostsee: Warum du den Winter am Meer erleben musst | reisereporter.de

Ostsee: Warum du den Winter am Meer erleben musst

Wer die Ostsee liebt, besucht sie nicht nur im Sommer, sondern genießt auch während der kühleren Monate Wind und Wellen, Sand und Sauna, ein Lichtermeer und trifft vielleicht sogar ein Lama.

Hans-Martin Koch
Beliebtes Ziel zu jeder Jahreszeit: Die Seebrücke in Grömitz ragt fast 400 Meter ins Meer hinein. Ostsee-Besucher lassen sich hier auch im Winter gern den Wind um die Nase wehen und genießen die Aussicht.
Beliebtes Ziel zu jeder Jahreszeit: Die Seebrücke in Grömitz ragt fast 400 Meter ins Meer hinein. Ostsee-Besucher lassen sich hier auch im Winter gern den Wind um die Nase wehen und genießen die Aussicht.

Foto: Britta Horchemer/Tourismus-Service Grömitz

Mehr sehen am leeren Strand

Allein in Grömitz haben sie exakt 3.012, in Scharbeutz sind es ähnlich viele und auch in Travemünde und Hohwacht. Ein gutes halbes Jahr lang ist der Strand möbliert, Korb reiht sich an Korb, 22.000 sind es an Schleswig-Holsteins Ostseeküste.

Wenn es weht und stürmt, sind die Körbe eingelagert, rollen und tosen die Wellen wie befreit, trippeln Lach- und Sturmmöwe ungestört in der Gischt, fliegen Drachen und tollen Hunde über den Strand. Schier endlos wirken Strand und Meer.

Während der Woche scheint man wenige Kilometer von der Autobahn weg die See für sich allein zu haben. Die Ostsee ist eine wunderbare Winterfrische, Natur pur, und wer sich warm, wasser- und winddicht einpackt, erholt sich bei einem ausgedehnten Spaziergang genauso gut wie bei einem Sonnenbad.

Mit Glück findet sich zwischen angespültem Holz und Seetang sogar ein Stückchen Bernstein. 80 Strände, 384 Kilometer Ostseeküste in Schleswig-Holstein, da ist für jeden viel Platz, den Kopf klar zu bekommen. Dass die jodhaltige Luft für Lunge und Atemwege wie eine Kur wirkt, lässt sich als angenehmer Nebeneffekt verbuchen.

Winddicht eingepackt ist der Strand an der Ostsee auch im Winter ein gutes Ziel für Spaziergänger.
Winddicht eingepackt ist der Strand an der Ostsee auch im Winter ein gutes Ziel für Spaziergänger. Foto: Oliver Franke/Tourismus-Service Grömitz

Mehr erleben und entspannen

Jedes Jahr spült das Meer bis zu einen Meter der Steilküste zwischen Travemünde und Niendorf einfach weg. Dennoch misst der immer wieder weiter ins Landesinnere verlegte obere Weg am Brodtener Ufer vier Kilometer. Abenteuerlicher ist der untere Weg: Hier muss auch mal über einen umgestürzten Baum geklettert werden. An den langen Sandstränden dagegen trifft man jetzt sogar Pferd und Reiter längs des Wellensaums.

Ganz anders und ziemlich exotisch geht es zu, wenn Ines Schneider ihre Tieren in Pelzerhaken auslädt. „Schaue nie einem Lama ins Gesicht, du wirst dich verlieben“, sagt die Lama-Therapeutin und verspricht bei der Wanderung mit den gutmütigen Tieren – nein, sie spucken nicht! – ein entschleunigtes Erleben der Natur.

Nicht ganz so exotisch, aber noch intensiver ist in Scharbeutz der Silent Walk mit Jessica Grapatin von der Seelenlauscherei. In der Stille gehen, in sich gehen, Natur aufnehmen: Die Wegbegleiterin leitet zu Achtsamkeit an.

                               Wanderungen mit Lamas versprechen ein entschleunigstes Erleben der Natur.
Wanderungen mit Lamas versprechen ein entschleunigstes Erleben der Natur. Foto: Hans-Martin Koch

Mehr genießen und besser essen

Die Küste in Schleswig-Holstein streift ihr verstaubtes Siebzigerjahre-Image ab, allein in den vergangenen drei Jahren wurden 980 Millionen Euro investiert. Aufgefrischt wurde die Küste mit neuen Hotels – vom sehr angesagten stylishen Bayside in Scharbeutz bis zu großzügigen Beach-’n’-Sea-Ferienwohnungen samt Sauna und Fitness in Grömitz.

Neue Wellnessoasen wie das Arborea in Neustadt haben sich zu gediegenen Wohlfühlklassikern wie dem Resort Hohe Wacht in Hohwacht gesellt. Viele Hotels locken im Winter mit preislich attraktiven Angeboten.

Wer im Herbst und Winter kommt, ist Genießer und nimmt sich auch Zeit für gutes Essen und Trinken. In der Orangerie Timmendorfer Strand verteidigt Lutz Niemann einen Michelin-Stern seit mehr als 25 Jahren. Niemann ist Jahr um Jahr einer der Gastgeber beim Schleswig-Holstein Gourmet Festival, das zwischen Nord- und Ostsee Starköche in die Küchen lädt.

Dass es an der Küste auch ohne Fisch geht, zeigt zum Beispiel 850 °C Steaks an der Grömitzer Strandpromenade. Auf der Website Grömettage finden sich weitere kulinarische Aktionen des Seebads.

Mit dem Blick aufs Meer macht das Saunieren noch mehr Spaß.
Mit dem Blick aufs Meer macht das Saunieren noch mehr Spaß. Foto: Meyer

Mehr Licht und Feuerwerk

Auf der Nordermole in Travemünde grüßt, wenn es dunkel wird, eine Elchfamilie mit 10.000 LED-Lichtern die ein- und auslaufenden Schiffe. Wie in Travemünde locken in Grömitz im Winter Fackelwanderungen. In Orten wie Kellenhusen werden wiederholt große Strandfeuer entzündet, zum Beispiel am Sonnabend, 2. März, in Grömitz „à la Biikebrennen“, wie das Ritual an der Nordsee heißt.

Mehr Licht heißt es ab Mitte März am Timmendorfer Strand beim Winter-Strand-Kino im beheizten Zelt. So viel Platz es auch für Spontanurlauber im Winterhalbjahr gibt, es gibt außer den Feiertagen noch einen Termin, bei dem Vorbuchen lohnt. Zu einem Höhepunkt hat sich das letzte Oktoberwochenende entwickelt. Dann verwandelt sich die Ostsee in ein „Lichtermeer“.

Knapp 20 Orte machen mit, laden zum Feuerwerk ein, tauchen Seebrücken in Farbe, holen sich renommierte Lichtkünstler an den Strand. Im lauschigen Hohwacht, wo kein Haus höher sein darf als die Bäume wachsen, lässt Oliver Roth die Besucher bei Licht- und Schattenspielen mitmachen, auf Hauswänden laufen Videos wie abstrakte Kunst, Kaleidoskopbilder gleiten auf einer Kugel von 4,50 Metern Durchmesser ineinander, und ein Irrgarten aus 3.000 Lichtpunkten lockt.

Auf der Nordermole in Travemünde begrüßt eine hell leuchtende Elchfamilie im Winter die Schiffe.
Auf der Nordermole in Travemünde begrüßt eine hell leuchtende Elchfamilie im Winter die Schiffe. Foto: Hans-Martin Koch

Mehr als Meer und viele Seen

Lübeck kennst du schon? Dann entdeck doch die kleineren Städte wie die Rosenstadt Eutin in der Holsteinischen Schweiz. Bekannt sind die Eutiner Sommerfestspiele, aber auch in den stilleren Monaten lohnt der Besuch. „Eutin-Wetter ist, wenn es bedeckt ist“, sagen die Touristiker im kleinen Städtchen, das rund 25 Kilometer von der Küste entfernt die Ruhe selbst ist.

Einige besonders lauschige der mehr als 200 Seen in der Holsteinischen Schweiz finden sich rund um Eutin. Kurze und lange Rundwanderungen sind ausgeschildert.

Das wie im Winterschlaf ruhende 16.000-Einwohner-Städtchen lockt mit einem historischen Marktplatz und vor allem mit dem Schloss samt weitläufigem englischen Landschaftsgarten mit einer 200 Jahre alten Lindenallee und dem lang vergessenen, nun wieder bepflanzten Küchengarten und einer Orangerie.

Im Schloss kann man „Eutin zur Goethezeit“ besichtigen und sich in der Schlossküche bei einem heißen Tee aufwärmen, bevor es zurück vom See an die See geht.

Der Besuch von Schloss Eutin lohtn sich zu jeder Jahreszeit.
Der Besuch von Schloss Eutin lohtn sich zu jeder Jahreszeit. Foto: Modrow/Ostsee-Holstein-Tourismus

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