Darum ist Lanzarote die spektakulärste Kanareninsel | reisereporter.de

Darum ist Lanzarote die spektakulärste Kanareninsel

Das Vermächtnis eines Umweltvisionärs, Weinanbau in schwarzen Trichtern und ein Hähnchengrill dank Erdwärme: Lanzarote ist die spektakulärste Kanareninsel. reisereporter Stefan war auf ihr unterwegs.

Die Natur auf Lanzarote ist immer für Spektakel gut: Wein wird in Lavatrichtern angebaut.
Die Natur auf Lanzarote ist immer für Spektakel gut: Wein wird in Lavatrichtern angebaut.

Foto: Matthias van der Sande

Es donnert, zischt und qualmt bedrohlich. Magma walzt sich unaufhaltsam in unsere Richtung. Gleich geht die Erde unter. Und wir befinden uns mittendrin im Inferno.

Nun gut, es handelt sich um einen Weltuntergang en miniature, um eine eher harmlose Vorführung im Informationszentrum im Nationalpark Timanfaya auf Lanzarote. Der leicht flackernde Magmastrom wird mit Lichteffekten simuliert. Und was hier qualmt, ist Wasserdampf.

Im September 1730 brach die Hölle über Lanzarote herein

Aber man kann nun doch ein ganz klein wenig erahnen, wie das damals gewesen sein muss am 1. September 1730, als spätabends die Hölle über die am weitesten östlich gelegene Kanareninsel hereinbrach. „Ein gewaltiger Berg bildete sich bereits in der ersten Nacht, und Flammen schossen aus seinem Gipfel, die 19 Tage lang weiterbrannten.“ So hat es Don Andrés Lorenzo Curbelo, der Dorfpfarrer von Yaiza, in seinem Bericht bezeugt.

Ein gewaltiger Berg bildete sich bereits in der ersten Nacht, und Flammen schossen aus seinem Gipfel, die 19 Tage weiterbrannten.

Don Andrés Lorenzo Curbelo, Dorfpfarrer von Yaiza


Immer wieder taten sich neue, Feuer speiende Schlünde auf. Lava floss „anfangs wie sprudelndes Wasser, später zähflüssig wie Honig“ über das fruchtbare Land. Unter furchtbarem Tosen stürzte die feurige Lava ins Meer, „sodass tote Fische in riesigen Mengen an der Oberfläche schwammen oder ans Ufer geworfen wurden“. Asche und Sand hüllten die Insel in Finsternis. „In der ganzen Region fiel das Vieh tot um, erstickt vom stinkenden Dunst“, schrieb der Pfarrer.

Sechs Jahre währte der Schrecken und begrub elf Dörfer und knapp ein Viertel der gesamten Insel unter sich. Wie durch ein Wunder starben keine Menschen. Die Kornkammer Lanzarotes aber war zerstört. Viele Bauern wanderten nach Südamerika aus.

Die Krater und Schlote bilden auf Lanzarote eine spektakuläre Mondlandschaft.
Die Krater und Schlote bilden auf Lanzarote eine spektakuläre Mondlandschaft. Foto: Matthias van der Sande

Knapp drei Jahrhunderte später stehen wir staunend im rauen Lavameer der Montañas del Fuego, der Feuerberge des Nationalparks Timanfaya. Rund 30 Vulkankegel haben sich damals hier gebildet. Die Natur hat das einstige Katastrophenszenario in ein einzigartiges Denkmal verwandelt.

Krater und Schlote bilden eine spektakuläre Mondlandschaft, in der die US-Astronauten vor der Apollo-Mission 1969 ihre Fahrzeuge testeten. Auch heute laufen hier arbeitsame Menschen in grünen Shirts und mit viel Equipment herum: Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) trainiert für den Aufbruch zum Mars.

Derweil wagt die Erde auf Lanzarote einen Neuanfang. Die bizarr gezackten Lavaformationen sind gar nicht so kahl, wie es zunächst scheint: Ein hellgrüner Flaum kündet von neuem Leben. Genügsame Flechten zersetzen den Untergrund, sodass dort irgendwann auch andere Gewächse Wurzeln schlagen können. Allerdings dürfte das noch ein paar Jahrtausende dauern.

Fachkundig durch den Nationalpark: Mit der Rangerin Cristina Bernar entdecken Besucher die karge Schönheit Lanzarotes.
Fachkundig durch den Nationalpark: Mit der Rangerin Cristina Bernar entdecken Besucher die karge Schönheit Lanzarotes. Foto: Matthias van der Sande


Wer mit Rangerin Cristina Bernar durch diese spektakuläre Landschaft spaziert, wird erst einmal auf deren Empfindlichkeit hingewiesen: „Bitte auf den Wegen bleiben und nicht aufs zarte Grün treten. K

önnte ja sein, dass Sie ein paar Jahrhunderte Evolution zerstören“, sagt Cristina. An ihrer Seite lernt man, die Schönheit dieser kargen Insel wahrzunehmen, entdeckt plötzlich deren Farb- und Gesteinsvielfalt – und hier und da auch eine winzige Eidechse am Boden oder einen Falken in der Luft.

Im El Diablo garen Fleisch und Fisch direkt über der Lava

Den besten Überblick über die Feuerberge hat man auf einer Anhöhe vom Restaurant El Diablo, einem flachen gläsernen Rundbau, das eine kulinarische Spezialität im Angebot hat: Fleisch und Fisch direkt vom Lavagrill. Hinter dem Gebäude hängt ein eiserner Rost über einem brunnenartigen Loch, aus dem Erdhitze quillt. Das Fett im Schacht stammt von ungezählten Hähnchenschenkeln, die hier gleich dutzendweise brutzeln.

Hunger gestillt? Dann bitte einsteigen zur Fahrt auf der Ruta de los Volcanes, einem Rundkurs durch die schwarze Landschaft. Für Privatfahrzeuge ist die schmale Piste gesperrt. Elegant steuert der Fahrer den Bus mit behandschuhten Händen um die engen Kurven.

Bei den Wasserspielen im Nationalpark zischt es ordentlich. Ein Sicherheitsabstand ist zu empfehlen.
Bei den Wasserspielen im Nationalpark zischt es ordentlich. Ein Sicherheitsabstand ist zu empfehlen. Foto: Matthias van der Sande


Verpassen sollte man auch nicht die Show rund um die tief in den Untergrund getriebenen Röhren, in die Parkangestellte ab und an einen Schwall Wasser kippen – nicht ohne die Touristen zuvor auf sichere Distanz zu bringen. „Eins, zwei“, zählt der Mitarbeiter, und schon vor „drei“ stiebt mit lautem Knall eine Dampffontäne im Wind davon.

Rund ums El Diablo wird man das Gefühl nicht los, sich auf explosivem Terrain zu bewegen. Der letzte Vulkanausbruch auf den Kanaren fand allerdings im Herbst 2011 vor der Südspitze El Hierro viel weiter im Westen statt und ließ dort beinahe eine neue Insel aus dem Wasser wachsen.

Überall gibt es Lavatunnel, Grotten und Höhlen

Überall auf Lanzarote sind gewaltige Lavatunnel, Grotten und Höhlen zu entdecken – und keiner hat die Faszination dieser Ensembles besser erkannt als der 1919 in Lanzarotes Inselhauptstadt Arrecife geborene Architekt, Bildhauer, Maler und Umweltschützer César Manrique. Nach Auslandsjahren in Madrid und New York kehrte er als knapp 50-Jähriger nach Lanzarote zurück und suchte die Harmonie von Mensch und Natur – zu einer Zeit, als andere kanarische Küsten mit Bettenburgen verschandelt wurden.

Blitzsaubere Städtchen wie Yaiza eignen sich gut für einen Spaziergang.
Blitzsaubere Städtchen wie Yaiza eignen sich gut für einen Spaziergang. Foto: Matthias van der Sande

Manrique forderte seine Landsleute dazu auf, an der Tradition von weiß gekalkten Häusern mit sattgrünen Fensterläden festzuhalten. Er war es, der im Verbund mit dem befreundeten Inselpräsidenten durchsetzte, dass hässliche Werbeplakate oder hohe Strommasten verboten wurden. Bis zu seinem Unfalltod 1992 wetterte er gegen die Ausbeutung der Insel durch „raffgierige und kurzsichtige Investoren“.

Tourismus ist die Haupteinnahmequelle

Nicht jeden Kampf konnte Manrique gewinnen. Urlaubshotspots wurden auch auf Lanzarote in großem Stil hochgezogen. Der Tourismus ist bei rund drei Millionen Besuchern jährlich die Haupteinnahmequelle. Und doch nehmen die Insulaner bis heute leidlich Rücksicht auf ihren von der Unesco 1993 zum Biosphärenreservat erklärten Lebensraum. Bunte Windspiele schmücken die Verkehrsinseln, öffentliche Plätze sind mit Palmen und Bourgainvilleen bepflanzt, die Besucherregeln im Nationalpark sind streng.

Manrique schuf Werke, in denen Landschaft und Kunst eine Symbiose eingehen. Auch das Restaurant El Diablo im Nationalpark hat er entworfen, noch viel mehr Attraktionen aber im Inselnorden. Man kann Sightseeingtouren auf seinen Spuren unternehmen.

Ein Muss auf Lanzarote: Die Aussichtsplattform des Mirador del Río bietet eine gemütliche Caféteria – und draußen weite Blicke über den Atlantik.
Ein Muss auf Lanzarote: Die Aussichtsplattform des Mirador del Río bietet eine gemütliche Caféteria – und draußen weite Blicke über den Atlantik. Foto: Matthias van der Sande


An der äußersten Nordspitze entwarf er einen grandiosen Aussichtspunkt: Nichtsahnend nähert man sich dem unscheinbaren Eingang des Mirador del Río, betritt eine in den Fels gegrabene Cafeteria – und dann stockt einem der Atem: Durch Panoramascheiben blickt der Besucher auf die knapp 500 Meter tiefer liegende winzige Sandinsel La Graciosa.

Die wohl meistbesuchte Manrique-Attraktion: der eingebrochene Lavatunnel Jameos del Agua – eine Grotte mit sanft ausgeleuchtetem Salzsee, subtropischer Vegetation und Restaurant. Hier kann man erst dinieren und dann ein Gitarrenkonzert im Höhlenrund mit brillanter Akustik genießen.

Manriques letztes Projekt war ein Kaktusgarten, eingebettet in einer Region, in der Feigenkakteen gediehen. Von denen ernähren sich die Koschenilleschildläuse, aus denen wiederum der Farbstoff Karmin gewonnen wird. Der war im 19. Jahrhundert eine wichtige Einnahmequelle.

Den Garten mit mehr als 400 Arten ließ Manrique in einer ehemaligen Picón-Abbaugrube anlegen – das poröse Vulkangestein wird für den Trockenfeldbau gebraucht. Schöner lässt sich das Prinzip des Visionärs kaum zusammenfassen: Geplant wird mit, nicht gegen die Natur.

Im Kakteengarten auf Lanzarote wachsen Hunderte von Arten.
Im Kakteengarten auf Lanzarote wachsen Hunderte von Arten. Foto: Matthias van der Sande


Andere waren vor ihm schon auf ähnliche Ideen gekommen: Davon zeugen die spektakulären schwarzen Trichterfelder im Weinanbaugebiet La Geria. Malvasia-Reben gedeihen dort in mit Lavagranulat bedeckten Mulden, und das ohne jede Bewässerung. Das Granulat, ebenjenes Picón-Gestein, speichert den sich in kühlen Nächten bildenden Tau.

Nach der Vulkankatastrophe im 18. Jahrhundert hatten die Insulaner diese geniale Technik entdeckt. Seitdem ringen sie dem wasserlosen Boden süße Trauben ab. Diese geniale Idee hat dem Inselvisionär César Manrique gewiss gefallen.

Tipps für deine Reise nach Lanzarote

Anreise: Zahlreiche Fluggesellschaften steuern Lanzarote von deutschen Flughäfen direkt an, etwa Condor, Tuifly, Ryanair und Eurowings.

Einreise: Lanzarote gehört zu Spanien. Für deutsche Staatsbürger genügt deshalb ein Personalausweis.

Beste Reisezeit: Lanzarote ist ein Ganzjahresziel mit zumeist milden Temperaturen. In den Wintermonaten gehört ein wolkenverhangener Himmel schon mal dazu – und auch „Minutenregen“, wie die Einheimischen sagen. Baden ist auch noch im Dezember möglich, aber Vorsicht: Manche Strände werden von gefährlichen Atlantikströmungen umspült.

Wanderungen: Lehrreiche Spaziergänge durch den Timanfaya-Nationalpark sind – oft nur mit viel Vorlauf – online zu buchen. Der Wanderanbieter Eco Insider organisiert der Nachhaltigkeit verpflichtete Touren – Weinproben, Vogelbeobachtungen und Schiffsfahrten zu abgelegenen Inseln inklusive.

Weinproben: In mehr als 20 Bodegas lässt sich im Anbaugebiet La Geria Wein verkosten. Die älteste Kellerei mit angeschlossenem Museum ist El Grifo.

   

Die Reise wurde unterstützt vom Fremdenverkehrsamt Lanzarote und vom Spanischen Fremdenverkehrsamt in Frankfurt. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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