Ein Jahr in Afrika: Warum dieser Deutsche Touristen-Guide wurde

Ein Jahr in Afrika: Warum dieser Typ zum Guide wurde

Ben ließ sich im afrikanischen Busch ein Jahr lang zum Touristenführer ausbilden. Warum das den 26-Jährigen für immer verändert hat und ob er seine Ausbildung jetzt nutzt, verrät er reisereporterin Leo.

Ben Mertens (26) absolvierte eine einjährige Ausbildung als Touristenführer in Afrika.
Während seiner Zeit in Afrika hat Ben nicht viel vermisst – außer vielleicht guten Kaffee.

Foto: privat

Eigentlich ist Ben Mertens ein typisches Großstadtkind – aufgewachsen in Hamburg mit britischen Wurzeln, verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens in Städten. Doch mit Mitte zwanzig ließ er Deutschland hinter sich und ging in die Wildnis.

Vom Großstadtdschungel in den afrikanischen Busch

Wie kommt man darauf, seinen Job, seine Familie und Freunde und ein gemütliches Leben hinter sich zu lassen, um ein Jahr lang im südafrikanischen Hinterland ein „Ecotraining“ zu absolvieren? Der 26-Jährige hatte einfach genug vom Leben in der Großstadt zwischen Häuserblocks und Stadtautobahnen. Er wollte raus in die Natur.

Als er von der Ausbildung zum Safari-Guide erfuhr, verliebte er sich sofort in die Idee, buchte einen Flug und startete das größte Abenteuer seines Lebens. „So viele Leute haben die Verbindung zu ihren natürlichen Instinkten verloren, daran wollte ich für mich was ändern“, sagt er.

„Manchmal musst du einfach genau das tun, was das Richtige für dich ist.“

Ben Mertens

Auch wenn Ben sich bewusst war, dass er für diesen Schritt vieles entbehren musste, war er überzeugt, dass es genau das Richtige sein würde.

Und er hatte recht: Für diese Entscheidung wurde er mit vielen neuen Erfahrungen und einem umfangreichen Wissen über die Tierwelt und das Ökosystem belohnt. 

Afrika als Tour-Guide kennenlernen

„Das Beste an der Ausbildung war, dass wir mit jeder Etappe in ein anderes Camp gezogen sind, meist in Südafrika, aber auch in Botswana und Namibia, und ich so die ganze landschaftliche Vielfalt erleben konnte.“

Die größte Herausforderung sei definitiv die Isolation gewesen, denn oft traf er – abgesehen von den Mitabsolventen des Kurses – monatelang keine Menschenseele. In diesen Situationen sagte er sich oft, dass auch jeder „normale“ Job zu Hause auf Dauer ermüdend sein könne. 

Was er sonst noch vermisst hat? „Eine gute Tasse Kaffee“, sagt Ben, „im Busch gibt es leider keine Coffeeshops.“

Auge in Auge mit Elefanten

Abgesehen davon ist er noch immer absolut fasziniert und begeistert von seinem Jahr in der Wildnis. Sein persönliches Highlight war die Begegnung mit einem ausgewachsenen Elefantenbullen, die genauso ungeplant wie gefährlich war.

Während er bei Vollmond aus sicherer Distanz eine Elefantenherde beobachtete, merkte er zu spät, dass ein Bulle sich von hinten angeschlichen hatte. 

Ben konnte nichts mehr tun, als bewegungslos auszuharren – nicht einmal einen Meter von diesem majestätischen Tier entfernt. „Auch wenn ich in dieser Situation sehr viel Angst hatte, hat sie mich gleichzeitig mit Freude und einem Gefühl von Frieden erfüllt.“

Als Guide in Afrika will Ben das Bewusstsein von Touristen schärfen

Solche Momente sind es, die man eben nicht in der Großstadt, sondern nur im afrikanischen Busch erleben könne. Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie fragil das Ökosystem ist, und im Einklang mit der Natur und ihren wilden Bewohnern zu leben, hat Bens Sicht auf die Welt verändert, und er hofft, dass er als ausgebildeter Guide Touristen inspirieren wird.

Leider lasse sich dieser Traum nicht sofort erfüllen, denn derzeit bekomme er als Ausländer kein Arbeitsvisum für Südafrika. Auch wenn er es grundsätzlich gut finde, dass die Arbeitsplätze vorrangig an Einheimische vergeben werden, wünsche er sich trotzdem nichts mehr, als nach Afrika zurückkehren zu können. 

Doch selbst wenn das in naher Zukunft nicht der Fall sein wird, ist er überzeugt, dass sich seine Ausbildung gelohnt hat: „Ich bin jetzt ein Wächter der Natur und trage das Wissen und die Wildnis für immer in mir.“

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